Wir Klagen An! - Tribunal NSU-Komplex Auflösen hat getagt

E-Mail Drucken PDF

NSU-Komplex-aufloesen31.05.2017: Am 9.Juni 2004 detonierte in der Keupstraße in Köln-Mühlheim eine Nagelbombe, 22 Menschen wurden verletzt, mehrere von ihnen schwer. Erst sieben Jahre später konnte der Anschlag dem sogenannten  Nationalsozialistischen Untergrund (NSU) zugeordnet werden. 13 Jahre nach dem Anschlag und sechs Jahre nach der "Selbstenttarnung" des NSU-Kerntrios wurde am 17.Mai im Schauspiel Köln, unweit der Keupstraße, das Tribunal "NSU-Komplex auflösen" eröffnet.

An insgesamt fünf Tagen wurde das Verhalten der Behörden und der Öffentlichkeit vor und nach der "Selbstenttarnung", das Verfahren vor dem Oberlandesgericht München sowie das Netzwerk und der Unterstützerkreis rund um den NSU kritisch betrachtet. Dabei stand die Perspektive der Opfer von rassistischem Terror und deren Wissen und Erfahrung im Vordergrund.

Neben  Betroffenen des NSU-Terrors, wie der Bruder von Theodoros Boulgarides, welcher am 15.Juni in München in seinem Schlüsseldienst laden erschossen wurde, nahmen unter anderen auch die Familie des 2012 in Berlin ermordeten Burak Bektas und Ibrahim Arslan, welcher 1992 den rassistischen Brandanschlag in Mölln überlebte, an dem Tribunal teil. In zahlreichen Veranstaltungsformaten berichteten die Geschädigten und Angehörigen von rassistischem Terror über Ihre Erfahrungen mit den Medien und PolitikerInnen sowie die Schikane, welche Sie über Jahre von Seiten der ermittelnden Behörden ertragen mussten und wie dies Zwietracht und Misstrauen in ganzen Nachbarschaften und selbst innerhalb der betroffenen Familien säte. Ein öffentlichkeitswirksame Erinnerungskultur sowie eine angemessen Entschädigung der Angehörigen ist bis heute ausgeblieben. Bis heute ist das Ausmaß des NSU-Netzwerks und die Verstrickung staatlicher Behörden in den braunen Terror bei weitem nicht aufgeklärt. Erst vergangene Woche wurde ein weiterer V-Mann aus dem Umfeld des NSU enttarnt.

Ein Ziel des Tribunals war es, all diese Missstände und die dafür verantwortlichen Personen aus Behörden, Medien, Politik und natürlich die mittel -und unmittelbar beteiligten Nazis anzuklagen. Die knapp 60 Seiten lange Anklage kann hier eingesehen werden: http://www.nsu-tribunal.de/wp-content/uploads/2017/05/NSU-Tribunal_Anklageschrift.pdf

Neben dieser konkreten Anklageschrift war es das Ziel, Zivilgesellschaft, antirassistische Gruppen und migrantische Initiativen während der Planung und auf dem Tribunal zusammenzubringen , um gemeinsam deutlich zu machen, dass ein Angriff auf eine/n von uns ein Angriff auf die gesamte Gesellschaft ist. Es sollte ein erster Schritt getan werden, um die Lücke zwischen antirassistischer Bewegung und der migrantischen Community zu schließen, welche vorallem durch den NSU-Terror deutlich wurde. Denn obwohl die Angehörigen der Opfer sofort von Rassismus als mögliches Tatmotiv für die Anschläge sprachen und Angehörige 2006 unter dem Motto "Kein 10. Opfer" in Kassel eine Demonstration organisierten, wurde dieses Wissen ignoriert und kein Zusammenhang zwischen den Taten hergestellt.

Die gemeinschaftliche Planung und die bis hierhin einzigartige Zusammenkunft von Gruppen, Initiativen und Einzelpersonen auf dem Tribunal zeigt, das ein erster erfolgreicher Schritt getan wurde.

Massimo Perinelli von der Rosa-Luxemburg Stiftung fasst in seinem Fazit treffend zusammen, wofür das Tribunal ein Anstoß sein kann: "Das Tribunal hat ein wichtiges Zeichen gesetzt. In Zeiten relativer Bewegungsarmut und linker Fraktionierung hat es verdeutlicht, wie groß das Bedürfnis und das Potential ist, sich auf eine migrantisch-situierte, demokratische und solidarische Perspektive einzulassen, die ausgehend von den Narrativen der von Rassismus Betroffenen umfassende gesellschaftliche Teilhabe zu thematisieren im Stande ist. Eine echte Chance für die Mosaiklinke, ihre Konzepte zu überprüfen."

txt: Stefanos Kontovitsis


 

Links für weitere Info:

 

Pro-Asyl Familiennachzug

" .. Wir fordern alle Abgeordneten des Deutschen Bundestags dazu auf, die erzwungene Trennung von Flüchtlingsfamilien zu beenden. .."

Zur Petition »Familien gehören zusammen!«


Tödliche Agri Kultur - Wie Monsanto die Welt vergiftet

Monsanto-Glifosato

Die EU hat für weitere fünf Jahre die Zulassung von Glyphosat verlängert. Der deutsche Agrarminister Christian Schmidt (CSU) gab mit seiner Zustimmung den Ausschlag.(siehe Der Monsanto-Mann)

Seit 20 Jahren werden in Argentinien riesige Flächen mit gentechnisch veränderter Soja bepflanzt. In Monokultur. Anfangs war das für die Landwirte, die Saatgutverkäufer und die Chemie-Konzerne ein Freudenfest. Allen voran: Monsanto. Heute ist das Modell Monsanto gescheitert. Nicht für die Investmentfonds, aber für die Landwirte vor Ort und für die Verbraucher in den Städten.

Tödliche Agri Kultur - Wie Monsanto die Welt vergiftet
Ein Film von Gaby Weber

siehe auch


 

wenn die umstaende 300p

marxistische linke: Jetzt Mitglied werden


Stadt Lingen: Sozialpass durchgesetzt

Stadt Lingen: Sozialpass durchgesetzt

04.12.2017: marxistische linke Emsland brachte mit Initiative "Lingener Bürger für die Einführung eines Sozialpasses“ und der Vorbereitung eines Bürgerbegehrens den Stein ins Rollen ++ im Oktober stimmte der Stadtrat dem Vorschlag der Initiative zu ++ ab 1. Januar 2018 gibt es mit dem "Lingenpass" auch in Lingen (Emsland) einen Sozialpass ++  Christian Weinstock (marxistische linke): "Der Ausbau von Demokratie ist eng verbunden mit einer Kommunalisierung der Politik ..., dass sich Menschen selbstverwaltend und aus freiwilligem Entschluss in kommunalen Initiativen zusammenschließen, um gemeinsame Ziele zu formulieren und nach Wegen suchen diese auch zu erreichen."

Weiterlesen...

Marsch ins militärische Kerneuropa

Marsch ins militärische Kerneuropa

Kommentar von Leo Mayer
15.11.2017: Am Montag haben die Außen- und Verteidigungsminister von 23 der 28 EU-Staaten mitgeteilt, eine Militärunion zu gründen. "Ein großer Tag für Europa", sagte Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen (CDU) in Brüssel dazu. Ein großer Tag vor allem für die Rüstungsindustrie. Denn jeder EU-Staat, der sich an der Militärunion beteiligen will, muss sich verpflichten, die nationalen Rüstungsausgaben regelmäßig zu steigern.

Weiterlesen...

Rojava: im globalen kapitalistischen System einen Freiheitsraum eröffnen

Rojava: im globalen kapitalistischen System einen Freiheitsraum eröffnen

Interview mit Riza Altun , Mitglied des KCK-Exekutivrats, über die Frage, wie es möglich ist, gleichzeitig mit den USA zusammenzuarbeiten und dabei die Ideale des Sozialismus zu vertreten.

05.12.2107: Kobané wurde Ende 2014 beinahe vom sogenannten Islamischen Staat eingenommen, konnte jedoch durch die Entschlossenheit tausender junger Kurdinnen und Kurden verteidigt und gehalten werden. Der Sieg in Kobané im Januar 2015 war die erste schwere Niederlage des sogenannten Islamischen Staat und markiert einen Wendepunkt des Kriegs in Syrien. Mit Kobané war die kurdische Befreiungsbewegung in der deutschen Linken plötzlich »in«. Mittlerweile dominieren Romantisierung einerseits, Verunglimpfung als imperialistischer Trojaner andererseits. Riza Altun , Mitglied des KCK-Exekutivrates, über die Situation...

Weiterlesen...

Dossier "Linke Strategien"

Im Dossier "Linke Strategien" sind Artikel zusammengestellt, die auf kommunisten.de in verschiedenen Rubriken erschienen sind und sich mit Fragen linker Strategie, Neuformierung der Linken, etc. befassen.

Zum Dossier


Logo-Marx200