"Nein, nein, nein! Old Man Trump!"

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Woody-Guthrie03.10.2017: 
zum 50. Todestag von Woody Guthrie | 14. Juli 1912 ~ 3. Oktober 1967

"Ich denke / der alte Trump weiß / wie viel / Rassenhass / er aufgewühlt hat / in den Herzen der Menschen / als er eine Linie zog / zwischen Schwarz und Weiß / rund um seinen / Wohnkomplex für achtzehnhundert Familien / Beach Haven sieht aus wie der Himmel / in dem es heißt: Schwarze raus! / Nein, nein, nein! Old Man Trump! / Beach Haven ist nicht mein Zuhaus’!"

 

In diesem Wohnkomplex in Brooklyn, über den Woody Guthrie hier singt, hat der Sänger Anfang der 50er Jahre mit Frau und Kindern zur Miete gewohnt. Sein Vermieter hieß Trump, Fred Trump. Es war der Vater des jetzigen US-Präsidenten, ein Baulöwe wie sein Sohn. Fred Trump errichtete seine Sozialwohnanlage nach dem Krieg mit staatlicher Förderung. Sie war gedacht für heimkehrende Soldaten, die, wie Woody Guthrie, gegen Hitler-Deutschland gekämpft hatten. Old Man Trump stand dabei nicht nur im Verdacht, Gelder in Millionenhöhe veruntreut zu haben; er zog auch jene color line, von der Guthrie singt. Schwarze wurden systematisch abgewimmelt.

1.000 Songs gegen Trump

Aus Guthries Versen machten die US-Künstler Ryan Harvey, Tom Morello und Ani DiFranco im Wahlkampfjahr einen Protesthit. Und in einer Aktion “30 Songs in 30 Days“ hatten vom 10. Oktober vorigen Jahres an bekannte Künstler und Bands täglich einen neuen Song für “ein Trump-freies Amerika“ veröffentlicht, um Trumps Wahl zu verhindern. Nach der Wahl Trumps beschlossen die Initiatoren, die Playlist auf die Dauer seiner Amtszeit auszuweiten. So wird jetzt jede Woche von Montag bis Freitag täglich ein Song als Opposition zu Trumps Politik veröffentlicht. Die Songs sind auf YouTube, Spotify und Apple Music verfügbar. Die Erlöse aus dem Streaming gehen an die Non-Profit-Organisation Center for Popular Democracy.

Die musikalische Bandbreite der Songs reicht von Indie über Folk, Rock bis hin zu Elektronic und Hip-Hop. Während anfangs neue Kompositionen im Fokus standen, werden mittlerweile zunehmend ältere Lieder mit politischer Botschaft ausgewählt, wie z.B Woody Guthries This Land Is Your Land (1945) oder David Bowies This Is Not America (1985).

Über Woody Guthries Klassiker This Land Is Your Land tobt unterdessen ein Urheberrechtsstreit. Guthries Tochter will verhindern, dass die Rechte frei werden und der Song womöglich demnächst bei Trump-Auftritten zu hören ist. Wie in seiner Inaugurationsrede hatte der die Titelzeile nämlich schon öfter für seinen völkischen Patriotismus missbraucht. "This, the United States of America, is your country!", rief er am 20. Januar von den Stufen des Kapitols.

Woody Guthrie: Der Kämpfer mit der Gitarre

"Ein Folksong handelt von Problemen und wie man sie löst", formulierte Woody Guthrie, dessen 50. Todestag (3.10.1967) sich nun jährt, kurz und bündig seine „Musiktheorie“. Guthrie schrieb Dinge und Geschichten, die er in den Klassenkämpfen seiner Zeit gehört oder erlebt hatte, als Lieder auf, die er dann bei Konzerten, Demonstrationen, Versammlungen und Streiks zur einfachen Gitarrenbegleitung als „eingreifende Kommentare“ vortrug.

Anfang der 40er Jahren geht Guthrie von Kalifornien nach New York. Dort begegnet er Pete Seeger, Leadbelly und Alan Lomax, der als Songsammler für das Klangarchiv der Kongressbibliothek an authentischer "Okie"-Musik interessiert ist, als deren Repräsentant Guthrie seit der Veröffentlichung seiner „Dust Bowl Ballads“ gilt. Im Sommer 1941 überfällt Hitler-Deutschland die Sowjetunion und Guthrie singt gemeinsam mit Pete Seegers Polit-Folk-Kommune "The Almanac Singers" Lieder wie "Round and Round Hitler?s Grave" oder den Hit "Reuben James", über ein von deutschen U-Booten versenktes Kriegsschiff. Zu jener Zeit schreibt sich Guthrie "This Machine Kills Fascists" auf seine Gitarre, sein Credo, das er auch nach dem Kriege beibehält und das zu seinem Markenzeichen wird.

"Hey, hey, Woody Guthrie, I sing you a song"

"So groß war die Wirkung, die Woodys Songs auf mich ausübten; ihr Einfluss erstreckte sich auf alles, was ich unternahm, darauf, was ich aß, wie ich mich kleidete, wen ich kennenlernen wollte und wen nicht", schreibt Bob Dylan in seiner Biografie "Chronicles". Für Dylan, der sich bis dahin mit der Folk- und Blues-Geschichte seines Landes beschäftigt hatte, ist Guthrie die Stimme, die in die Zukunft weist, weil sie die Kraft hat, aus der Tradition Neues zu schöpfen.

Als Dylan 1961 nach New York kommt, borgt er sich für sein Debütalbum die Melodie von Guthries 1913 Massacre. Es wird sein Song To Woody. "Hey, hey, Woody Guthrie, I sing you a song." Mit diesen Worten holte der damals knapp 20jährige Bob Dylan die durch die antikommunistische McCarthy-Ära schon im Halbdunkel des Vergessens verschwundene Gestalt ins Scheinwerferlicht zurück.

In Woody Guthries Nachlass fanden sich viele Texte, die er aufgrund seiner Anfang der 50er Jahre einsetzenden Krankheit nicht mehr zu Songs verarbeiten konnte. Daran versucht haben sich in Zusammenarbeit mit Woodys Tochter Nora so verschiedene Musiker wie der Brite Billy Bragg gemeinsam mit dem us-amerikanischen Country-Rocker Jeff Tweedy und seiner Band Band Wilco oder der deutsche Liedermacher Hans-Eckardt Wenzel.

Friede den Lehmhütten

Übrigens hat Woody Guthrie neben seinen Songs auch einen Roman hinterlassen. "Haus aus Erde", der zwischen 1940 und 47 entstanden ist, wurde 2013 erstmals veröffentlicht. Gegenstand des Romans: In den 30er Jahren wird ein riesiger Teil der USA - von Dakota bis hinunter nach Texas - von Staubstürmen heimgesucht, die der Gegend den Namen "Dust Bowl" einbrachten. Am Ende der dreißiger Jahre waren 1,25 Millionen Menschen auf der Flucht, viele trieben hungrig über die Highways Richtung Kalifornien, sofern sie Wagen hatten, oft genug wanderten sie auch daran entlang. Musikalisch hatte Guthrie diese ökologische und soziale Katastrophe in seinem Album "Dust Bowl Ballads" thematisiert, das ihn 1940 schlagartig berühmt machte.

Als literarischer Chronist dieser Katastrophe gilt gemeinhin John Steinbeck mit seinem Roman „Früchte des Zorns“.

In Guthries Roman wird die Katastrophe exemplarisch am Schicksal des Paares Tike Hamlin und seine Frau Ella May erzählt, die sich als Landpächter in einem Kaff namens Pampa im nördlichen Texas durchschlagen und die - das ist der Unterschied zu Steinbeck - nicht auswandern, sondern allen Widrigkeiten und den gierigen Grundbesitzern zum Trotz dort bleiben wollen.

Der Titel des Romans "Haus aus Erde", verweist auf die Idee Guthries, dass im Gegensatz zu den zugigen, nicht wetterfesten Holzhäusern, Lehm die Rettung aus dem Staubsturm-Elend bedeuten könnte. Diese Idee kam Woody Guthrie im Jahr 1936 nach einem Besuch eines Pueblos der Nambe-Indianer in New Mexico und durch Bekanntschaft mit einer Broschüre des Landwirtschaftsministeriums über "Die Verwendung von Adobe beim Hausbau."

Guthrie sah darin ein probates Mittel der armen Landbevölkerung, weil man außer Lehm, Stroh und der richtigen Technik nichts weiter dazu benötigte. Diesen Traum versucht Tike Hamlin, die Hauptfigur in Guthries Roman, in die Tat umzusetzen - in dem "das Holz eine Metapher für kapitalistische Plünderer ist, während Adobe, ungebrannte Lehmziegel, ein sozialistisches Utopia repräsentieren", schreiben Douglas Brinkley und Johnny Depp in ihrem Vorwort zum Roman.

Günther Stamer

Billy Bragg & Wilco, Mermaid Avenue – The Complete Session. 3 CDs mit DVD. Nonesuch 2277933 (Warner Music) 2012

Ticky Tock. Wenzel singt Woody Guthrie. Conträr Musik 2003

Woody Guthrie: "Haus aus Erde". Roman. Eichborn Verlag, Köln 2013. 304 S., 16,99 €

http://www.woodyguthrie.org/


 

siehe auch den Artikel von Eva Petermann in der UZ-Ausgabe vom 29. September 2017

 

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