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19.02.2013: Hammer und Sichel sind weg, alarmierten besorgte GenossInnen. War doch erst vor kurzem dem Gebäckhersteller Bahlsen von der Außenfassade des Stammhauses in Hannover sein Wahrzeichen geklaut worden: der goldene Keks. Und nun in Paris: Hammer und Sichel sind verschwunden. „Ohne vorherige Diskussion in der Partei“ hätten sich Frankreichs Kommunisten auf ihrem jüngsten Parteitag vom traditionsreichen Symbol verabschiedet, behauptet der rote Globus und kam vor Entrüstung fast aus der Umlaufbahn. Und das Schändlichste, Bettina Jürgensen, Vorsitzende der DKP und Gast beim Parteitag der PCF, habe dies wohlweislich in ihrem Bericht verschwiegen.

Den antirevisionistischen Kämpfern war ganz entgangen, dass Bettina Jürgensen gar nichts darüber berichten konnte, denn die französischen GenossInnen waren nicht so entrüstet, wie hierzulande behauptet. Von den über 750 Delegierten thematisierte lediglich ein einziger, dass auf dem neuen Mitgliedsausweis Hammer und Sichel fehlen. Eine Randnotiz. Zudem konnte sich der Parteitag gar nicht von Hammer und Sichel verabschieden, denn es gab weder Antrag noch Beschluss dazu. Hammer und Sichel sind seit weit mehr als zwei Jahrzehnten von der Titelseite der Parteizeitung Humanité und als Saalschmuck für Parteitage verschwunden. Vermutlich ohne Beschluss, denn Hammer und Sichel waren nie das offizielle Logo der PCF.

Als hätte Metis, die Göttin der Weisheit, persönlich gesprochen, hieß es dazu aus einer deutschen Kulturhauptstadt: „Für mich sind auch KPs, die auf Abwegen sind, weiterhin Schwesterparteien, jedenfalls, solange es keine anderen in dem entsprechenden Land gibt. Gibt es andere, dann präferiere ich Beziehungen zu mehreren. So ein Fall ist in meinen Augen Spanien.“

Spanien und die PCE? Führt diese Partei nicht stolz den Hammer und die Sichel in ihrem Wappen. Doch so heißt es aus Athen, diese Partei sei nicht einmal würdig, das nächste Internationale Treffen der kommunistischen Parteien auszurichten, da sie „im Präsidium des opportunistischen Zentrums in Europa, der sogenannten Partei der Europäischen Linken“ sitzt. Da schützen dann auch Hammer und Sichel nicht vor den vom Olymp geschleuderten Blitzen.

Auch im Falle der PCF kam der Bannstrahl gegen die Partei und vor allem gegen ihren Nationalen Sekretär und Vorsitzenden der Europäischen Linken, Pierre Laurent, aus dem Land der Hellenen. In einem scharf formulierten Kommentar wirft die Kommunistischen Partei Griechenlands KKE der PCF offenen Verrat vor. Nach der Verabschiedung von Hammer und Sichel habe die PCF, die „an der Spitze des europäischen Opportunismus“ stehe, nichts mehr mit einer kommunistischen Partei zu tun. Da konnten die antirevisionistischen Kämpfer auch hierzulande nicht nachstehen. Außerdem steht doch der eigene Parteitag vor der Tür. Und man schaue sich doch nur das eigene Parteibuch an. Hammer und Sichel - Fehlanzeige.

Quelle all dieser Berichte und Stellungnahmen war die Berichterstattung der französischen bürgerlichen Presse über den Parteitag der PCF. Dort wurde lieber über die nicht vorhandenen Hämmer und Sicheln auf dem seit Jahresbeginn ausgegebenen Mitgliedsbüchern spekuliert, als über die erfolgreiche Politik der PCF berichtet. Die PCF hat starken Anteil an dem wachsenden Einfluss der Linksfront bei gleichzeitiger Weiterentwicklung der eigenen Partei mit unverkennbar kommunistischer Identität. 23.000 neue Mitglieder seit dem Parteitag vor vier Jahren sprechen ebenso dafür wie die Wiederwahl von Pierre Laurent zum Nationalen Sekretär der Partei. Er wurde von den 750 Delegierten bei ca. 100 Enthaltungen ohne Gegenstimme gewählt.

Da glaubten wohl einige hierzulande, auf Pegasus den Kampf gegen den Revisionismus und die Europäische Linke zu führen, dabei ritten sie nur auf der Sau, die von der bürgerlichen Presse durch’s Dorf getrieben wurde.

Leo Mayer


 

 

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