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LM AfrinmotivEin Kommentar von Leo Mayer  

16.03.2018: Heute jährt sich zum 50. Mal das Massaker von My Lai. Eine US-amerikanische Einheit hat damals, am 16. März 1968, mehr als 500 Bewohner eines vietnamesischen Dorfes - alles unbewaffnete Zivilisten, Frauen, Kinder, Babys, Greise - abgeschlachtet. Es dauerte ein Jahr bis dieses Verbrechen an die Öffentlichkeit kam. Bis dahin wurde geglaubt, was US-Regierung, ihre Verbündeten und die Medien erzählten, dass sie in Vietnam Freiheit und Demokratie verteidigen. Doch das Massaker von My Lai veränderte die Sicht auf den Vietnamkrieg entscheidend: Die Stimmung in den USA und in der westlichen Welt drehte sich. Die Bewegung gegen den Vietnamkrieg erhielt einen wichtigen Impuls. Am Ende und nachdem Millionen Menschen Opfer des Krieges wurden und das Land verwüstet war, mussten die USA geschlagen abziehen.

 

Die Fronten waren damals klar. Hier die "Guten": Nordvietnam, der Vietcong - verkörpert durch Ho Chi Minh. Politisch, wirtschaftlich und militärisch unterstützt von der Sowjetunion. Auf der anderen Seite die Verbrecher: das Marionettenregime der USA in Saigon und der US-Imperialismus.

Heute findet wieder ein Massaker statt. Vor den Augen der Weltöffentlichkeit. Doch diese schweigt bislang teilnahmslos. Die UNO schaut weg.

Im Unterschied zum Vietnamkrieg ist es heute schwierig zu sagen, wo die "Guten" sind. Die Allianzen in diesem siebenjährigen Krieg in Syrien haben sich immer wieder verschoben, Groß- und Regionalmächte wie Russland und die USA, Türkei, Iran, Saudi Arabien oder Katar haben eingegriffen und verfolgen ihre eigenen egoistischen Ziele.

Afrin symbolisiert sozusagen die Endphase des Krieges in Syrien. In dieser letzten Runde wollen die verschiedenen Interessengruppen einige geostrategisch wichtige Regionen für die spätere Aufteilung klären, um bessere Karten am Verhandlungstisch zu haben. Der Krieg ist wieder da, wo er begonnen hat: bei den nackten Interessen von Welt- und Regionalmächten. Dafür wird die Bevölkerung Afrins von Russland, den USA, der EU, der Türkei, von Saudi-Arabien auf die Schlachtbank von Erdoğans Mördern gelegt. Erdoğan wird die ethnische Säuberung und Besetzung eines Teils von Syrien erlaubt. Im Gegenzug dürfen Russland und das russische Marionettenregime in Damaskus die islamistischen Banden aus Ost-Ghouta vertreiben und dabei die Zivilbevölkerung massakrieren. Und nebenbei wird das demokratische Projekt der kurdischen Freiheitsbewegung, das allen globalen und regionalen Mächten ein Dorn im Auge ist, liquidiert.

Die Nato, die Europäische Union und die Regierungen ihrer Mitgliedsländer tolerieren den völkerrechtswidrigen Angriffskrieg der Türkei oder unterstützen ihn sogar aktiv mit Waffenlieferungen und Finanzmitteln. Russland, das den Luftraum über Afrin kontrolliert, hat grünes Licht für das Massaker gegeben.

Doch heute dauert es kein Jahr, bis die Wahrheit ans Licht kommt. Täglich erreichen uns Bilder und Videos (ZDF und The Region) aus Afrin über das Morden. Niemand kann sagen, er/sie hätten es nicht gewusst.

Noch kann das Massaker verhindert werden.

Vor allem Russland könnte dieses drohende Massaker noch verhindern, indem es den Luftraum für türkische Kriegsflugzeuge wieder sperrt. Auch Assad könnte dies, indem er die syrische Armee zur Unterstützung an die Grenze zur Türkei schickt.

Die USA könnten eine Flugverbotszone verhängen.

Deutschland, bzw. Europa könnte das drohende Massaker verhindern, indem sie der Türkei sofort den Waffen- und Geldhahn zudrehen. Die Begründung lieferte der wissenschaftliche Dienst des Bundestages, als er feststellte, dass für das von der Türkei postulierte Recht zur Selbstverteidigung in Syrien Beweise fehlen.

Die UNO und die NATO könnte ein Massaker verhindern, indem sie die Türkei zur Einhaltung der UN-Resolution zur 30-tägigen Waffenruhe zwingt.

Doch nur weltweiter Protest kann die Herrschenden dazu zwingen! Dann kann Afrin zum Vietnam von Erdogan werden. Und zwar bevor das Massaker in Afrin zu einem blutigen Ende kommt!
Das wäre der Unterschied zu My Lai.

Flugverbotszone sofort! Frieden für Afrin! Solidarität mit YPG und YPJ!

 

 Leo Mayer, Redaktion kommunisten.de, Vorstandsmitglied marxistische linke

 

 Wir haben es satt

"Der Agrarindustrie den Geldhahn abdrehen!"
Wir haben es satt!-Demonstration
Samstag 19.1.2019, 12 Uhr
Auftaktkundgebung: Brandenburger Tor Berlin (Eberstraße)

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