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amazon Scottish Government19.05.2013: Beim Internet-Versandhändler amazon wurde erstmals in Deutschland gestreikt. Am größten deutschen Standort im osthessischen Bad Hersfeld und in Leipzig traten große Teile der Belegschaft am 14. Mai in einen eintägigen Ausstand und machten mit Trillerpfeifen, Gewerkschaftsfahnen und  Transparenten mit Aufschriften wie "Bekomme ich mehr Lohn, bestell' ich was bei Amazon" ihre Wut gegenüber der Konzernleitung deutlich. Die Dienstleistungsgewerkschaft ver.di spricht von 1700 Beschäftigten, die sich dem Streik angeschlossen hatten.

Hintergrund für den Streik ist die Forderung nach einem Tarifvertrag nach den Konditionen des Einzel- und Versandhandels. Das Unternehmen lehnt dies bisher ab. amazon orientiert sich an der Bezahlung in der Logistikbranche. Für die einzelnen Beschäftigten würde das laut Gewerkschaft bis zu 9000 Euro brutto im Jahr ausmachen. In Deutschland unterhält das Unternehmen Logistikzentren in Graben bei Augsburg, Bad Hersfeld, Leipzig, Rheinberg, Werne, Pforzheim und Koblenz. Dort arbeiten nach Auskunft von amazon etwa 7700 fest angestellte Vollzeitmitarbeiter. In Spitzenzeiten wie dem Weihnachtsgeschäft kommen in jedem dieser Zentren Tausende Saisonkräfte hinzu.

Bei einer Urabstimmung hatten sich 97,6 Prozent der Gewerkschaftsmitglieder bei amazon in Bad Hersfeld für den Arbeitskampf ausgesprochen. Zuvor hatten bereits Anfang April 97 Prozent der teilnehmenden, gewerkschaftlich organisierten amazon-Mitarbeiter für einen Streik in Leipzig gestimmt. Zu Warnstreiks war es an beiden amazon-Versandlagern bereits am 9. April gekommen.

Wie berechtigt die Forderungen der Beschäftigten nach mehr Lohn sind und der Konzern dies quasi aus seiner Portokasse zahlen könnte, verdeutlichen die just am Streiktag von der Branchenpresse veröffentlichten online-Versandbuchhandelszahlen, die amazon ein glänzendes Ergebnis bescheinigten: Von den 6,5 Milliarden Euro Gesamtumsatz in Deutschland entfallen demnach 1,6 Milliarden auf das Geschäft mit Büchern - was wiederum vierundsiebzig Prozent des gesamten Online-Versandbuchhandels entspricht. Das ist deutlich mehr als bislang angenommen - und ein Schlag ins Kontor für die deutsche Konkurrenz, namentlich für Thalia, Weltbild, Hugendubel und den Club Bertelsmann.

Und dabei darf nicht übersehen werden, dass amazon mittlerweile zwei Drittel seines Umsatzes mit Waren wie Computern, Digitalkameras, Mode oder Lebensmitteln macht. Darüber hinaus ist amazon ist auch einer der Vorreiter bei elektronischen Büchern sowie Musik- und Video-Downloads. Das weit verbreitete Kindle – Lesegerät  („der fortschrittlichste eReader der Welt“- so die Eigenwerbung) ist eine Produktserie von amazon, mit dem elektronische Bücher und elektronische Zeitungen (E-Papers) von amazon heruntergeladen und gelesen werden können. Damit kann man dann auch die Kindle-Leihbücherei nutzen. Mit einer Amazon Prime-Mitgliedschaft können Kindle-Besitzer mehr als 300.000 Kindle eBooks ausleihen.

Das in der Öffentlichkeit eher zurückhaltend agierende us-amerikanische Unternehmen stand zuletzt mehrfach im Fokus der Öffentlichkeit: Zu Jahresbeginn war amazon in Deutschland wegen der Behandlung von Leiharbeitern in die Kritik geraten, ausgelöst durch eine TV-Dokumentation. Die Hilfskräfte, so zeigte es der Film, wurden teilweise mit falschen Gehaltsangaben in die hessische Provinz gelockt, in Feriendörfern untergebracht und von einem Sicherheitsdienst bewacht, dem Verbindungen zur rechten Szene nachgesagt werden.

In einem jetzt erschienenen Buch (Carsten Knop, amazon kennt dich schon) wird aufgezeigt, wie der Konzern "wie eine Spinne im Netz" mit der Speicherung und Auswertung riesiger Datenmengen ihr Geschäft und damit ihren Profit in neue Sphären befördern will. Der Autor prophezeit in seinem Buch, dass amazon zukünftig nicht mehr in erster Linie ein Handelskonzern für traditionelle Waren sein werde sondern den größten Profit mit dem "Matrix-Handel" erzielen wird. d.h. mit dem Verkauf von erhobenen und speziell aufbereiteten  Daten an andere Konzerne. Für diesen Markt wurde extra die Sparte "Amazon Web Services (AWS)" gegründet.

Neben der Solidarität mit den im Tarifkampf stehenden amazon-Beschäfttigten ist es also angeraten, beim nächsten Buch/CD-Kauf lieber den Weg zum Buchhändler/zur Buchhändlerin des Vertrauens zu suchen (alternativ: online bestellen bei www.neue-impulse-verlag.de) anstatt die Spinne amazon zu füttern.

Wer sich über den Fortgang des Tarifkampfes bei amazon informieren möchte, kann dies auf der webside www.amazon-verdi.de tun.

Text: gst      Foto: Scottish Government


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