Aus Bewegungen und Parteien

22.07.2026: Nobelpreisträger, internationale Experten, religiöse Führer sowie ehemalige Staats- und Regierungschefs versammelten sich in Rom, um die "Römische Erklärung für einen unbewaffneten und abrüstenden Frieden“ im Zeitalter der künstlichen Intelligenz und der Atomwaffen zu unterzeichnen. Der gemeinsame Appell fordert angesichts der immensen Herausforderungen durch Atomwaffen und KI eine erneuerte internationale Zusammenarbeit.

 

Vom 14. bis 16. Juli 2026 fand im Vatikan, im "Borgo Laudato Si’" in den Päpstlichen Villen von Castel Gandolfo, die Weltversammlung der Nobelpreisträger zum Thema Künstliche Intelligenz und Atomkrieg statt. Der Gipfel brachte mehr als 200 der weltweit angesehensten Persönlichkeiten sowie Vertreter führender internationaler Forschungseinrichtungen aus den Bereichen Frieden und künstliche Intelligenz zusammen.

Inspiriert von der neuen Enzyklika Magnifica humanitas von Papst Leo XIV., die sich dem Schutz des Menschen im Zeitalter der künstlichen Intelligenz widmet, fand die Versammlung in einer Zeit statt, die von internationalen Konflikten, Instabilität und einer sich verschärfenden nuklearen Lage geprägt ist, und spiegelt die Vision des Papstes von einem "unbewaffneten und abrüstenden Frieden" wider.

In vielen internationalen Erklärungen wurde zwar separat entweder vor Atomwaffen oder vor künstlicher Intelligenz gewarnt, aber bei diesem Treffen wurde betont, dass diese beiden Themen mittlerweile untrennbar miteinander verbunden sind. KI ist zunehmend in der Lage, militärische Informationen zu verarbeiten, Entscheidungen auf dem Schlachtfeld zu beschleunigen und autonome Systeme mit übermenschlicher Geschwindigkeit zu steuern. In einer nuklearen Krise könnte schon ein kleiner Fehler, eine Fehleinschätzung oder eine Cybermanipulation katastrophale Folgen haben.

"Alles ist miteinander verbunden. Ökologische Zerstörung, technologische Innovation, Wirtschaftssysteme, soziale Ausgrenzung und geopolitische Instabilität sind keine voneinander unabhängigen Phänomene, sondern miteinander verknüpfte Ausdrucksformen einer einzigen menschlichen Realität."
Papst Franziskus, Laudato Si’

Die Teilnehmenden argumentierten, dass KI mittlerweile weit mehr als nur eine technologische Neuerung sei; sie stelle heute eine tiefgreifende politische, kulturelle und ethische Herausforderung dar, die die internationalen Beziehungen über Generationen hinweg prägen werde.

Die Versammlung hat die Herausforderung daher nicht einfach als Regulierung neuer Technologien bezeichnet, sondern als Neudefinition der Beziehung der Menschheit zur Technologie an sich. Die Teilnehmenden machten geltend, dass der wissenschaftliche Fortschritt der ethischen Verantwortung und dem Gemeinwohl untergeordnet bleiben müsse.

Wenn künstliche Intelligenz zu einer der größten Errungenschaften der Geschichte werden soll, so argumentiert die Versammlung, muss sie als allererstes eindeutig menschlicher Verantwortung unterstellt bleiben und sich an den Prinzipien der Zusammenarbeit, der Würde und der Erhaltung des Lebens orientieren.

Römische Erklärung für einen unbewaffneten und abrüstenden Frieden

Zum Abschluss der Versammlung wurde am Donnerstag, dem 16. Juli, auf dem Kapitol in Rom die "Römische Erklärung für einen unbewaffneten und abrüstenden Frieden im Zeitalter der künstlichen Intelligenz, von Atom- und autonomen Waffen, neuer digitaler Technologien und aufkommender digitaler Entwicklungsmodelle" unterzeichnet.[1]

Neben den Wissenschaftlern nahmen religiöse Persönlichkeiten sowie ehemalige Staats- und Regierungschefs teil.

Die Erklärung erkennt an, dass die Menschheit mit einer noch nie dagewesenen Bündelung von transformativen Technologien und zerstörerischen militärischen Fähigkeiten konfrontiert ist.

Während künstliche Intelligenz enorme Vorteile in den Bereichen Medizin, Bildung, wissenschaftliche Forschung und Umweltschutz verspricht, könnte ihre Einbindung in militärische Systeme – einschließlich autonomer Waffen und nuklearer Kommando- und Kontrollstrukturen – die Gefahr unbeabsichtigter Konflikte dramatisch erhöhen.

Zu den zentralen Grundsätzen der Erklärung von Rom gehört die Forderung, dass Entscheidungen über den Einsatz tödlicher Gewalt – und insbesondere von Atomwaffen – niemals vollständig an Maschinen delegiert werden dürfen. Sie fordert eine sinnvolle menschliche Kontrolle über KI-Systeme, eine erneuerte internationale Zusammenarbeit bei der nuklearen Abrüstung, eine stärkere Regulierung neuer Technologien und ein Entwicklungsmodell, bei dem die Menschenwürde im Mittelpunkt steht und nicht der geopolitische Wettbewerb.

Das nächste Wettrüsten entschärfen
Wir erkennen an, dass KI ein Schauplatz strategischen Wettbewerbs ist, so wie es zuvor bei Atomwaffen der Fall war. Wir fordern Regierungen, führende KI-Entwickler, Forscher und die internationale Gemeinschaft auf, jetzt zu handeln – durch Regulierungsmaßnahmen wie Mechanismen zur gemeinsamen Nutzung von Vorteilen, die Förderung von KI-Anwendungen, die dem Wohlergehen der Menschen dienen, und Zurückhaltung bei den am stärksten destabilisierenden Anwendungen –, um diese Risiken zu verringern, solange die Entscheidung noch in unserer Hand liegt. Wir müssen das nächste Wettrüsten – sowohl im Bereich der KI als auch im nuklearen Bereich – entschärfen, bevor es auch das nächste Jahrhundert prägt.
Erklärung von Rom, Juli 2026: Die Menschheit am Scheideweg. Eine Erklärung zu künstlicher Intelligenz und Atomwaffen
https://globalnobelassembly.org/rome-declaration 

Kardinal Reina: Keine Maschine und kein Algorithmus kann über existenzielle Fragen entscheiden

Der Generalvikar von Rom, Kardinal Baldo Reina, erklärte, die Römische Erklärung habe heute eine besondere Bedeutung. "Sie erscheint in einer Zeit, die von raschem Wandel und tiefgreifenden Risiken geprägt ist: künstliche Intelligenz, Atomwaffen, geopolitische Instabilität, die Krise des Multilateralismus und die Versuchung, die Sicherheit der Angst, der Abschreckung und gegenseitigen Drohungen anzuvertrauen."

Kardinal Reina betonte, dass die Menschheit an einem "entscheidenden Wendepunkt" der Geschichte stünde. "Der wissenschaftliche und technologische Fortschritt bietet außergewöhnliche Chancen für das Gesundheitswesen, die Bildung, die öffentliche Gesundheit, den Umweltschutz, die Bekämpfung der Armut und die Friedensstiftung. Doch derselbe Fortschritt kann, wenn er von Ethik, Verantwortung und der Achtung der Würde des Menschen losgelöst ist, zu einem Instrument der Herrschaft, der Ausgrenzung und sogar der Zerstörung werden."

Global Nobel Laureates Assembly 2026 07 2

"Die heute vorgestellte Erklärung erinnert uns mit großer Deutlichkeit daran, dass keine Maschine, kein Algorithmus und kein autonomes System in den Mittelpunkt von Entscheidungen gestellt werden darf, von denen das Überleben der Menschheit abhängt."

Er sagte, dass "Entscheidungen über Leben und Tod, Krieg und Frieden sowie über die Zukunft der Völker und künftiger Generationen unter vollständiger, verantwortungsvoller und sinnvoller menschlicher Kontrolle bleiben müssen."

KI kann Menschen dazu bewegen, zu erschaffen oder zu zerstören

Pater Andrea Ciucci, Kanzler der Päpstlichen Akademie für das Leben, reflektierte über den menschlichen Erfindungsreichtum. Er stellte fest, dass Menschen einerseits in der Lage sind, unglaubliche Meisterwerke zu schaffen, andererseits aber der menschliche Erfindungsreichtum auch große Verwüstung anrichten kann.

Er sagte, dass KI und Atomkraft keine Ausnahme bilden, und merkte an: "KI kann Menschen dazu bewegen, zu erschaffen oder zu zerstören."

Kardinal Silvano Maria Tomasi und die Friedensnobelpreisträgerin Professorin Maria Ressa von der Columbia University wandten sich ebenfalls mit eindringlichen Worten an die Anwesenden – über das Wettrüsten und die Notwendigkeit eines moralischen Kompasses in diesen Zeiten beispielloser Risiken.

Unser Überleben steht auf dem Spiel

Professor David Gross, Nobelpreisträger für Physik und Inhaber des Kanzlerlehrstuhls für Theoretische Physik an der University of California, erklärte, dass er die Gefahr durch Atomwaffen heute als weitaus größer einschätze als noch vor 30 Jahren.

Er beklagte, dass Rüstungskontrollverträge weggefallen sind und dass mittlerweile neun Staaten über Atomwaffen verfügen. "Wir befinden uns mitten in einem beschleunigten Wettrüsten." Die Menschen weltweit, so sagte er, dürften sich nicht länger darüber im Unklaren sein, wie sich diese Bedrohungen nicht nur auf ihr eigenes Leben, sondern ganz sicher auch auf das ihrer Kinder und Enkelkinder auswirken könnten.

Unter Bezugnahme auf die Erklärung betonte Professor Gross, dass deren Vorschläge einfach seien und dass wir sie bereits zuvor gehört hätten.

Er hob hervor: "Wir fordern, dass die Atomwaffenstaaten eine Politik fördern, die das Risiko von Krieg, Atomkrieg und Vernichtung verringert."

Er sagte, dass die Anwesenden, inspiriert von den Worten des Papstes, der Kirche und aller Menschen mit moralischem Empfinden, handeln müssten.

"Denkt an eure Menschlichkeit und vergesst den Rest", wiederholte der Nobelpreisträger und warnte, dass unser Überleben und das künftiger Generationen eindeutig auf dem Spiel stehe.

"Menschenwürde ist kein Algorithmus"
Sharon Stone

Professor Daniel Holz von der Universität Chicago, Gründungsdirektor des "Existential Risk Lab" (X Lab), meinte, dass "die schlechte Nachricht" darin bestehe, dass "wir in einer Zeit beispielloser Gefahr leben", aber "die gute Nachricht ist, dass es viele Dinge gibt, die wir tun können, um uns vor Atomwaffen und vor KI besser zu schützen".

Auch Friedensbotschafterin Sharon Stone ergriff das Wort und erklärte, dass – vereint im Ziel des Gemeinwohls und des Respekts vor jedem Menschen – mit der zunehmenden Leistungsfähigkeit der Maschinen auch die moralischen Anstrengungen derer wachsen müssten, die sie bauen. "Menschenwürde", sagte sie, "ist kein Algorithmus."

Von einer Ökonomie der Angst zu einer Ökonomie des Friedens

"Eine Wirtschaft, die von Angst abhängt, ist letztendlich auf die Aufrechterhaltung dieser Angst angewiesen. Die Herausforderung für die Menschheit besteht darin, sich einen anderen Weg vorzustellen: einen Weg, auf dem sich technologische Innovation, Wirtschaftswachstum und globale Sicherheit durch Zusammenarbeit statt durch permanente Konfrontation gegenseitig stärken." (https://globalnobelassembly.org/)

Anmerkungen

[1] Rome Declaration
https://globalnobelassembly.org/rome-declaration

Quellen
Vatican News: Nobel Laureates sign Rome Declaration on Nuclear Weapons and AI
https://www.vaticannews.va/en/world/news/2026-07/global-nobel-laureates-assembly-sign-declaration-on-peace-ai.html?utm_source=chatgpt.com

Geschafft: Auch Deutschland überspringt die Schwelle
Trotzdem weiter unterzeichnen

EBI Assoziierungsabkommen EU Israel klein

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