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Mit Ellen Weber und Georg Polikeit sind in diesem Sommer einige der Letzten aus jener Alterskohorte von Kommunistinnen und Kommunisten verstorben, die als sogenannte "FDJ-Generation" 1945 ganz neu anfingen, schnell in der KPD Führungsaufgaben übernehmen mussten und ab 1968 die DKP prägten.

 

Nachdem am 9. Juni der langjährige Chefredakteur der Zeitung UnsereZeit (UZ), Georg Polikeit, verstarb ist am 3. Oktober Ellen Weber verstorben. Georg Polikeit und Ellen Weber waren einige der Letzten aus jener Alterskohorte von Kommunistinnen und Kommunisten, die als sehr junge Leute (die sogenannte FDJ-Generation) 1945 ganz neu anfingen, schnell in der KPD Führungsaufgaben übernehmen mussten und ab 1968 die DKP prägten.

Georg Polikeit, geboren 1929, trat direkt nach der Befreiung vom Hitler-Faschismus als 16-Jähriger in die KPD ein. Wenig später bildete ihn die kommunistische Tageszeitung "Unser Tag" in Offenburg zum Journalisten aus. 1951 wurde er Chefredakteur der illegalen Zeitschrift "Junges Deutschland" der in Westdeutschland verbotenen Freien Deutschen Jugend (FDJ). Sein Weg führte ihn zum Weltbund der Demokratischen Jugend (WBDJ) nach Budapest. Nach seiner Rückkehr in die BRD half er mit seiner journalistischen Tätigkeit, die Neukonstituierung der DKP vorzubereiten. Er wurde erster Pressesprecher der Partei, bevor er 1972 die Leitung der UZ übernahm und bis 1988 als deren Chefredakteur wirkte.

Nachruf: https://kommnet.de/ein-nachruf-auf-georg-polikeit/

Ellen Weber wurde 1930 in einem sozialdemokratischen Elternhaus geboren. 1945 schloss sich ihr Vater der KPD an. Elllen Weber war Teil einer antifaschistisch-sozialistischen Szene von auch kulturell aktiven Jugendlichen, die vielleicht Frankfurt-spezifisch war und einen über spätere Parteigrenzen hinweg konstituierenden und teilweise bis heute nachwirkenden Zusammenhalt stiftete.

Nach dem Schulabschluss wurde sie zunächst zur Kindergärtnerin, dann zur Fürsorgerin ausgebildet. Inzwischen war Kalter Krieg, und in ihrem Abschlusszeugnis stand 1949: "Sie hat eigene gute Gedanken, aber sie ist weltanschaulich stark gebunden." Der zweite Teil des Satzes reichte aus, dass sie nirgends eingestellt wurde. Sie arbeitete als Organisationssekretärin für Betriebsarbeit der KPD in Hanau und Umgebung und nahm danach ein Studium an der Arbeiter- und Bauernfakultät (ABF) in Leipzig auf, das sie als Diplom-Gesellschaftswissenschaftlerin abschloss. 1955 ging sie nach Frankfurt am Main zurück. Das KPD-Verbot 1956 verlegte den vorgesehenen Weg als für Bildung zuständige hauptamtliche Parteifunktionärin. 1956 bis 1963 war sie Akkordarbeiterin bei den Torpedo-Werken in Frankfurt in der Schreibmaschinenmontage. Sie wurde Betriebsrätin und Vertrauensfrau der IG Metall. Während der Illegalität der KPD war sie Mitglied in deren Bezirkssekretariat Hessen sowie im Zentralkomitee.

Im Auftrag der KPD nahm Weber 1960 an der Gründung der Deutschen Friedensunion (DFU) teil und gehörte deren Bundesvorstand an. Sie engagierte sich dort vor allem gegen die geplante atomare Bewaffnung der Bundeswehr und trat trotz des Parteiverbots im Kreis ihrer bürgerlichen Bündnispartner offen als Kommunistin auf. Ab 1963 war sie hauptamtlich für die DFU tätig.

Anfang der 1070er-Jahre promovierte sie an der Humboldt-Universität in Berlin. Thema ihrer Dissertation war die von dem US-Strategen Zbigniew Brzezinski propagierte "indirekte Strategie" der USA und ihrer Verbündeten zur Untergrabung des Sozialismus.

Nach der Neukonstituierung der DKP war sie zunächst stellvertretende Bezirksvorsitzende der DKP in Hessen, 1981 trat sie selbst an die Spitze dort und führte die Partei in die Auseinandersetzungen um die Startbahn West des Rhein-Main-Flughafens, zumal die DKP mitten im Konfliktgebiet, in Mörfelden, nahezu ununterbrochen starke kommunale Positionen hatte. Früh nahm Ellen Weber zu den Umweltinitiativen Stellung und wollte sie in Verbindung mit der Friedensbewegung und betrieblichen Kämpfen bringen.

1986 würde sie zur stellvertretenden Parteivorsitzenden gewählt und blieb bis 2013 Mitglied des Parteivorstandes.

Nach 2013 standen Georg Polikeit und Ellen Weber der Politik der neuen DKP-Führung kritisch gegenüber und beteiligten sich an einem "Netzwerk kommunistische Politik", das nach Auswegen aus der Lage der Partei suchte.

Beide waren der marxistischen linken freundschaftlich verbunden. Solange es sein Gesundheitszustand zuließ, schrieb Georg Polikeit Artikel für kommunisten.de.

Langjährige Weggefährtinnen und Weggefährten von Ellen Weber haben einen Nachruf verfasst:

Unsere Genossin Ellen Weber lebt nicht mehr.

Wir, alte und junge Mitstreiterinnen und Mitstreiter, Freundinnen und Freunde, Genossinnen und Genossen, nehmen Abschied von einer großen Vertreterin der kommunistischen Bewegung unseres Landes.

1930 in Frankfurt am Main geboren, fanden Ellens Kindheit und frühe Jugend in der Zeit der faschistischen Herrschaft statt. Nach der Befreiung im Mai 1945 erlebte sie die gesellschaftliche Aufbruchstimmung, die sich auch in einer freien kulturellen Entwicklung widerspiegelte. Ellen, schon früh kulturell interessiert, wurde Teil dieses Aufbruchs und begleitete Jugend- und Kindergruppen bei eigenen Theateraufführungen. Zwei Theaterstücke hat sie damals selbst geschrieben und mit ihrer FDJ-Gruppe auch inszeniert. Diese enge Beziehung zur fortschrittlichen Kultur pflegte Ellen ein Leben lang. Sie ermahnte uns bisweilen, uns kulturellen Formen der Aneignung gesellschaftlicher Realität nicht zu verschließen.

Dass Politik im Interesse der arbeitenden Menschen wissenschaftliche Durchdringung erfordert, war Ellen schon früh selbstverständlich. So kam ihr entgegen, dass sie 1952 einen Studienplatz in Leipzig erhielt. Ihr Studium der Geschichte und Pädagogik bzw. Gesellschaftswissenschaften schloss sie mit dem Examen 1955 ab. Viele Jahre später, 1971, promovierte sie an der Humboldt-Universität, Berlin.

1955 aus der DDR zurück in der Bundesrepublik, arbeitete Ellen als Bildungsverantwortliche der KPD in Hanau, wo sie Vorträge hielt und viele Seminare zu marxistischen Grundlagenthemen durchführte. Nach dem verfassungswidrigen Verbot der KPD bewarb sich Ellen, die eine abgeschlossene Ausbildung als Fürsorgerin – heute Sozialarbeiterin – hatte, bewusst um eine Stelle in einem Betrieb und wurde von der Firma Torpedo in Frankfurt eingestellt. Hier blieb sie sieben Jahre bis 1963, wurde aktives Mitglied der IG Metall und von ihren Kolleginnen und Kollegen in den Betriebsrat gewählt.

Ab 1960 eröffnete sich mit Gründung der Deutschen Friedensunion DFU eine neue Option für politische Arbeit. Ellen bewarb sich und erhielt einen Sitz im damaligen Bundesvorstand. Sie brachte sich engagiert in die Friedensarbeit ein, vor allem in den Kampf gegen die von Strauß und anderen angestrebte atomare Bewaffnung der Bundeswehr. Es wurden damals interessante Veranstaltungen mit bekannten internationalen Gästen durchgeführt, u. a. mit dem US-amerikanischen Chemie-Nobelpreisträger Linus Pauling, der auch in den 1980er Jahren konsequenter Unterstützer der Friedensbewegung war.

1968, als es mit der DKP wieder eine legale kommunistische Partei gab, hat Ellen sich dort organisiert. Viele gesellschaftlichen Auseinandersetzungen und Kämpfe der 1970er, 80er und 90er Jahre hat sie mitgestaltet und durchgekämpft. Genannt seien u. a. die Bewegung gegen den Krieg der USA in Vietnam, die Ostermärsche, der Kampf gegen die Berufsverbote, der wochenlange Streik der Metaller bei Opel für die 35-Stunden-Woche, die Friedensbewegung der 1980er Jahre mit dem Krefelder Apell gegen den Nato-Nachrüstungsbeschluss und in Frankfurt der monatelange Kampf gegen die Startbahn West des Rein-Main-Flughafens.

Ellen wurde in den 1970er Jahren zunächst stellvertretende Vorsitzende und dann Vorsitzende der DKP in Hessen, Anfang der 1980er Jahre stellvertretende Vorsitzende der Bundespartei. Ein Schwerpunkt ihrer politischen Arbeit lag immer auf der Bündnispolitik, sei es die Zusammenarbeit mit anderen Organisationen oder alten und neuen Bewegungen. Sie war im Kampf gegen die Berufsverbote aktiv. Sie war insbesondere der Friedensbewegung von Anfang an verbunden und wirkte oft auch als Impulsgeberin. Sie arbeitete im Kasseler Ratschlag der Friedensbewegung mit und war lange Jahre in ihrer Heimatgemeinde Gersfeld/Rhön in der Flüchtlingshilfe aktiv.

Wir kannten Ellen Weber als tiefgründige Denkerin, als radikale Analytikerin aber auch als weltoffene Genossin, die unbefangen auf neue Bewegungen und ihre Mitglieder zuging, um gemeinsam nach Lösungen für die aktuellen Probleme der Menschheit zu suchen.

Ellen liebte das offene, freie Wort in ihrer Partei und im Umgang mit Anderen. Wir werden sie sehr vermissen.

Die Trauerfeier findet am Dienstag, 20. Oktober.2026 um 12.45 Uhr auf dem Friedhof Westhausen, Kollwitzstraße 27, 60488 Frankfurt am Main statt.

32. isw-forum:

Jenseits der westlichen Linken – Eine marxistische Dialektik aus Antifaschismus und Antiimperialismus

Ein Vortrag von Lukas Meisner (Philosoph & Herausgeber "Das Argument") über die Zukunft des Marxismus

Samstag, 07. November 2026, 19:00 Uhr

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Neues von der Solidaritätskampagne: 
Schulranzen für Kinder in Gaza. Gaza wird nicht vergessen!

Gaza Soliprojekt 2026 09 06
zum Text hier
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