Deutschland

kieler woche 2014 fluechtlingsbott gst 528029.06.2014: Das dänische „Flüchtlingsboot“ MS Anton mit 70 lebensgroßen Skulpturen des dänischen bildenden Künstlers Jens Galschot bildete ein „ver-störendes“ Kontrastprogramm inmitten der Party-Meile der Kieler Woche. Der Kutter und die an Bord befindlichen Skulpturen wollen anschaulich die unerträgliche Situation der Bootflüchtlinge auf See zeigen, die Jahr für Jahr zu zigtausenden die lebensgefährliche Überfahrt vom afrikanischen Kontinent über das Mittelmeer wagen.

Stumm sehen die Boots-Flüchtlinge den Betrachter an, ihre Gesichter erzählen von Not und Armut, aber auch von der stillen Hoffnung, aufgenommen und nicht abgewiesen zu werden. „Die Europäische Union hat in den letzten Jahren große Anstrengungen unternommen bei Ausbau und Befestigung ihrer Außengrenzen. Mehr Geld wurde investiert in die technische Aufrüstung, Grenzsicherung durch Frontex und Eurosur und die Verlagerung von Sicherungsmaßnahmen in die Herkunfts- und Transitländer als in eine faire und Menschen willkommen heißende Integration. Zugleich greifen Europa und Deutschland durch ihre Wirtschafts- und Fischereipolitik ein in die Lebenschancen von Menschen in Afrika und liefern u.a. damit viele Gründe zur Flucht“ heißt es in dem Begleitprospekt dieser Kunst-Aktion.

Organisiert vom Diakonischen Werk Schleswig-Holstein gemeinsam mit vielen mit Flüchtlingsfragen vor Ort engagierten Organisationen - wie z.B. dem Flüchtlingsrat, bot das Schiff zehn Tage lang Interessierten Bürgern und Schulklassen Anschauliches (neben den Skulpturen wurde der Film „Yaayboy- Vom Fischen im Trüben“gezeigt), Gedrucktes (Infos über Migrationsursachen und Beratungsstellen in Kiel) und vor allem Gespräche – u.a. auch darüber, wie Solidarität mit Flüchtlingen vor Ort aussehen und organisiert werden könnte und wie gegenüber der Bundesregierung der Druck erhöht werden kann, einen substanziellen Beitrag zur Aufnahme syrischer Flüchtlinge zu leisten.

Erinnert wurde an eine Rechnung des  Flüchtlingshilfswerks der Vereinten Nationen (UNHCR) vom Frühjahr diesen Jahres: Wenn die Zahl der im Libanon registrierten syrischen Flüchtlinge auf die Bevölkerung Deutschlands hochgerechnet werde, sei dies so, als würde die Bundesrepublik fast 19 Millionen Syrer aufgenommen haben.

Text/Fotos: gst

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