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Euro Geldhaufen 203.12.2021: Die Superreichen in Deutschland sind noch viel reicher als bisher angenommen. Nach den üblichen Statistiken verfügt das reichste Hundertstel der deutschen Haushalte über etwa zwei Billionen Euro. Tatsächlich könnten es dreieinhalb Mal so viel sein.

 

Der Informationsdienst der Hans-Böckler-Stiftung [1] veröffentlicht eine Studie des Bamberger Wirtschaftsprofessors Mishael Milaković und seines Kollegen Jan Schulz, die in der Fachzeitschrift "Review of Income and Wealth" publiziert wurde. [2]

Da Deutschland aufgrund fehlender Vermögenssteuer oder Registerdaten über keine amtlichen Vermögensstatistiken verfügt, ist die Frage, wie reich die Superreichen wirklich sind, statistisch schwer zu beantworten. Die Ungleichheitsforschung behilft sich damit, Daten aus Umfragestudien mit journalistischen Reichenlisten zu kombinieren. Doch selbst die modernsten ökonometrischen Methoden dürften nicht dafür ausreichen, die Vermögen der Reichsten "akkurat, geschweige denn vollständig abzubilden", so die Bamberger Wirtschaftswissenschaftler.

Die Schwierigkeiten bei der Erfassung des Reichtums liegen den Wissenschaftlern zufolge vor allem in der Natur von Umfragen begründet. "Deren Stichprobengrößen in Kombination mit gut dokumentierten Effekten sozialer Erwünschtheit machen es äußerst unwahrscheinlich, dass die Reichsten mit ihrem Vermögen überhaupt Berücksichtigung finden." Das betreffe selbst groß angelegte Befragungen wie das Sozio-oekonomische Panel (SOEP).

Nach Berechnungen der Bamberger Forscher sind es zwar nur 0,1 bis 0,4 Prozent der Vermögenden an der äußersten Spitze, die im SOEP systematisch nicht erfasst werden. Durch die extreme Vermögenskonzentration haben diese winzigen Anteile jedoch massive Auswirkungen auf das geschätzte Gesamtvermögen: Ohne statistische Korrekturen belief sich das geschätzte Gesamtvermögen der reichsten fünf Prozent der Deutschen 2012 – dem letzten Jahr, für das im SOEP verwertbare Vermögensdaten vorliegen – auf ungefähr 2,9 Billionen Euro, tatsächlich dürften es aber eher 8 Billionen gewesen sein.

Beim obersten Prozent wächst das Vermögen sogar um das Dreieinhalbfache von etwa 2 auf 7 Billionen. Auch die öffentlich breit diskutierten Kennzahlen zur Vermögensungleichheit wie der Vermögensanteil des obersten Prozents am Gesamtvermögen wären demnach "viel zu niedrig gegriffen und die Vermögensungleichheit in Deutschland damit weit größer als bisher vermutet".

"Diese extreme Konzentration unterstreicht auch die Notwendigkeit, das höchste Vermögen korrekt zu erfassen: Wird dieses, wie in Umfragestudien, unterschätzt oder nicht berücksichtigt, setzt sich der Messfehler über die gesamte Verteilung nach unten fort und verstärkt sich. Wer das Gesamtvermögen richtig erfassen will, muss also auf das Spitzenvermögen schauen", so die Forscher.

Und diese Spitzenvermögen sind im Corona-Jahr 2020 noch einmal kräftig gewachsen.

 

 

Anmerkungen

[1] Böckler Impuls, 2021 (Jahrgang) 19 (Ausgabe)
https://www.boeckler.de/de/boeckler-impuls.htm?input-selectAusgabe=19&input-selectJahrgang=2021

[2] HOW WEALTHY ARE THE RICH? BY JAN SCHULZ* and MISHAEL MILAKOVIC:
https://onlinelibrary.wiley.com/doi/epdf/10.1111/roiw.12550

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