Deutschland

25.09.2026: AfD Wahlerfolg nach Wahlerfolg. Aber Großteil der politischen Debatte in Deutschland dreht sich nur noch um Die Linke und Vorwürfe des Antisemitismus. ++ Antisemitismus-Kampagne gegen Linke soll soziale Wende stoppen ++ BlackRock-Kanzler Merz: Vergesellschaftung verbieten ++ Offener Brief von Berliner Jüdinnen und Juden für eine soziale und sichere Stadt

Die ultra-rechte, rassistische AfD erreichte in Sachsen-Anhalt fast 44 %. Zwei Wochen später erreichte sie in Mecklenburg-Vorpommern 38,2 %. Noch in derselben Nacht, in der die AfD diesen zweiten Sieg errang, gewann Die Linke in Berlin mit 25,7 % – mit einem Wahlkampf, der sich auf Mieten, Ungleichheit und die Vergesellschaftung von Hunderttausenden von Wohnungen im Besitz großer Immobilienkonzerne konzentrierte. (siehe kommunisten.de: Ein linker Wahlsieg in Berlin, ein Erfolg der extremen Rechten im Nordosten)

Und plötzlich dreht sich ein Großteil der politischen Debatte in Deutschland nur noch um Die Linke und Vorwürfe des Antisemitismus.

Der Sieg von Elif Eralp in Berlin löst Panik aus.

Nach drei Jahren unter einem CDU-SPD-Senat wäre jetzt eine rot-grün-rote Koalition unter Führung der Linkspartei möglich – in Berlin wäre das ein Novum. Doch eine Linke-Bürgermeisterin Elif Eralp und ihr Plan, sich mit Konzernen anzulegen, ist der Albtraum der Kapitallobby. Deshlab wird der Druck, einerseits auf die Berliner Linke, andererseits auf die möglichen Koalitionäre in Berlin, seit der Wahl immer weiter erhöht.

Seit dem Sieg der Linken in Berlin sind Vorwürfe des Antisemitismus rasch zu einem zentralen Thema in der Berliner Koalitionsdebatte geworden. Seit Sonntag wird das komplette Kulturkampf-Repertoire aufgefahren: Antisemitismus-Vorwürfe, SED-Vergleiche und – last but not least – das Schreckgespenst einer einer unheiligen Allianz zwischen Linken und Islamisten.

Der Erste, der mit der Antisemitismuskeule auf Die Linke einschlug, war der israelische Botschafter in Deutschland, Ron Prosor. Dieser hatte gesagt, durch den Wahlsieg der Linken bestehe eine "unmittelbare Existenzgefahr" für die jüdische Gemeinschaft in der Stadt und attestierte der Partei "systematischen Israel- und Judenhass" und "enthemmten Antisemitismus". 

Am Mittwoch mahnten die SPD-Altbürgermeister Momper und Müller, ihre Partei dürfe "nicht mit Antisemiten und Terroristen gemeinsame Sache" machen. Die alte Garde der SPD hat die von Bundeskanzler Friedrich Merz ausgesprochene Warnung - "Niemand soll in Berlin Bündnisse mit der Linken eingehen" - voll und ganz verinnerlicht und die Partei gegen die Bürgermeisterkandidatin der Linken, Elif Eralp, in Stellung gebracht. "Sie hat sich nicht ausreichend vom Antisemitismus distanziert, der für uns eine unüberwindbare rote Linie bleibt", kritisiert eine große Gruppe weiterer SPD-Vertreter, darunter vier Landesministerpräsidenten, acht ehemalige Berliner Abgeordnete sowie ein weiteres Dutzend ehemaliger Senatoren und Staatssekretäre. Auf derselben Klaviatur spielt auch der ehemalige SPD-Generalsekretär und Außenminister Sigmar Gabriel, der in einer Live-Fernsehsendung die Sozialdemokraten davor warnte, eine Koalition mit einer Partei einzugehen, die islamistische Rhetorik in ihren Reihen duldet.

Da können führende Politiker:innen der Grünen nicht nachstehen. Der Ministerpräsident von Baden-Württemberg, Cem Özdemir, der Vizepräsident des Bundestages, Omid Nouripour und der Europaabgeordnete Sergey Lagodinsky, ebenfalls von den Grünen, warnen ihre eigene Partei: "Kein Bündnis in Berlin mit denen, die sich nicht unmissverständlich vom Antisemitismus distanzieren."

Laut der Fraktionsvorsitzenden der Grünen im Bundestag, Katharina Dröge, "ist der Abgeordnete der Linken wiederholt wegen seiner Nähe zu Personen aufgefallen, die den Terrorismus verherrlichen, den Staat Israel in Frage stellen und in antisemitische Vorfälle verwickelt sind“.

Bei dem von Dröge genannten Abgeordneten geht es Ferat Kocak. Der mit seiner jüdischen Lebenspartnerin im Süden Berlin-Neuköllns lebende Kocak gewann bei der zurückliegenden Bundestagswahl das Direktmandat im Wahlkreis Neukölln. Der große Vorwurf des Antisemitismus wird mit einem von den Medien verbreiteten Bild begründet, auf dem er neben einem Anhänger der in Deutschland verbotenen Volksfront für die Befreiung Palästinas (PFLP) zu sehen ist.

Und alle gemeinsam betonen sie unisono das Thema der organisierten Kriminalität, nachdem – neben dem Foto eines Mitglieds des Rummo-Mafia-Clans, das auf der Wahlnachfeier der Linken in Neukölln zu sehen war – auch ein Chat zwischen dem Bundestagsabgeordneten der Linken Ferat Kocak und Firas Remmo, dem Sohn des Bosses der gleichnamigen Familie, aufgetaucht ist. Ferat Kocak verteidigt sich hingegen damit, dass er Firas Remmo nicht kenne und auf dessen Nachricht "lediglich aus Höflichkeit" geantwortet habe; dennoch muss er einräumen, dass "jeder Kontakt zu Personen, die mit der organisierten Kriminalität in Verbindung stehen, nicht zu rechtfertigen ist".

Auf jeden Fall sind Elif Eralp, aber auch die nationalen Ko-Vorsitzenden der Linken, Luigi Pantisano und Ines Schwerdtner, in die Defensive gezwungen.
Vergeblich ist die klare Stellungnahme von Elif Eralp Bürgermeisterkandidatin: "Für Antisemitismus und Gewalt gibt es in meiner Partei keinen Platz"; der Hammer, mit dem ihre Partei gestoppt werden soll, bevor sie ihr "erschreckendes" Enteignungsprogramm umsetzen kann, übertönt jedes ihrer Worte.

Auch die Suspendierung des Abgeordneten Ferat Kocak von seinen parlamentarischen Ämtern reicht nicht aus. Dem Vorsitzenden der Bundestagsfraktionsvorsitzenden Sören Pellmann wird die Stellungnahme zu dem Thema anvertraut. "Kocak hat seine parlamentarischen Aufgaben vorübergehend ausgesetzt", erklärt Sören Pellmann. "Er wird sich aus dem Innenausschuss des Bundestages zurückziehen, bis sein Fall vollständig aufgeklärt ist“. Um die Partei in den kommenden Wochen zu schützen, wird "Kocak jeglichen öffentlichen Auftritt vermeiden".

Die Debatte habe die Funktion, die Linke zu schwächen, um Druck auf sie sowie auf die SPD und Grüne auszuüben, nicht mit ihr zu koalieren, meint Peter Ullrich, Professor für Soziologie an der HWR Berlin und Fellow am Zentrum für Antisemitismusforschung der TU Berlin, in der Taz. Die "verrückte Debatte" sei dabei, jeden Realitätsbezug zu verlieren.

"Was wir hier beobachten, ist ein verzweifelter Versuch des Establishments, Die Linke zu diffamieren, indem es den Antisemitismus als Waffe einsetzt. Das ist etwas, was das deutsche Establishment in den letzten drei Jahren unerbittlich getan hat, um sich selbst sowie Israel vor der Rechenschaftspflicht für Kriegsverbrechen und den Völkermord im Gazastreifen zu schützen. Schließlich liefern Deutschland und die USA nach wie vor 99% der Waffen an Israel."
DiEM25, https://x.com/DiEM_25/status/2103058177419874598.

Antisemitismus-Kampagne gegen Linke soll soziale Wende stoppen

Es gibt noch ein weiteres Thema, das hinter dieser Debatte nicht in den Hintergrund geraten sollte: Wohnungswesen und Wirtschaftsmacht.

Für Martha Kleedörfer, stellvertretende Landesvorsitzende der Berliner Linken, geht es um ein Ablenkungsmanöver. Man rede in der Presse über die vermeintlichen Antisemitismusprobleme in der Linken, aber nicht darüber, dass die Linke einen verdienten Wahlerfolg eingefahren habe, "weil sie über die Themen, die die Berlinerinnen und Berliner wichtig finden, nämlich bezahlbares Wohnen und soziale Gerechtigkeit, gesprochen hat", so die direkt gewählte Abgeordnete aus dem Bezirk Mitte. Für diese Themen habe die Linke die besten Vorschläge gemacht.

Die Linke fordert die Umsetzung des Berliner Volksentscheids von 2021 zur Vergesellschaftung des Wohnungsbestands großer Immobilienkonzerne wie Vonovia oder Deutsche Wohnen. Die Berliner Grünen sind ebenfalls dafür, diesen Plan umzusetzen, für den es bei einem Volksentscheid 2021 eine Mehrheit gab. SPD-Spitzenkandidat Steffen Krach sagte hingegen im Wahlkampf, mit ihm werde es keine Enteignungen geben.

Die Antisemitismuskampagne gegen die Linke dient offensichtlich dem Zweck, Vergesellschaftung zu verhindern und dafür zu sorgen, dass die Mieten weiterhin den Großteil eines Gehalts verschlingen. Eine Regierung ohne Die Linke – möglicherweise aus CDU, SPD und Grünen – ist rechnerisch möglich.

Die Berliner Jusos entlarven das Doppelspiel der SPD gegen die Linke. "Wir sind überzeugt, dass die Ablehnung des Enteignungsplans der Linken durch die Parteispitze unserer Partei ein schwerwiegender Fehler ist", betont die Vorsitzende Svenja Diedrich und fordert, "den Willen der Wähler umzusetzen" und nicht die letzten, verzweifelten politischen Spielchen zu spielen.

BlackRock-Kanzler Merz: Vergesellschaftung verbieten

Ohne Umschweife schießt BlackRock-Kanzler Friedrich Merz (CDU) gegen die Vergesellschaftungspläne der Berliner Linken. Am Dienstag, zwei Tage nach der Wahl, kündigte er die rasche Verabschiedung eines Gesetzes gegen die Enteignung großer Immobilienkonzerne an. Die ersten Gesetzentwürfe würden bereits im Justiz- und Innenministerium geprüft. (siehe auch kommunisten.de, 6.7.2026: Bundesregierung plant Gesetz gegen "drohende" Vergesellschaftung von Wohnungskonzernen) Mit diesem speziellen Anti-Enteignungsgesetz will er den Plan der Linken zur Vergesellschaftung der Wohnungen im Besitz der großen Immobilienkonzerne vereiteln, den die designierte Berliner Bürgermeisterin Elif Eralp angekündigt hat.

Unterdessen setzt die ulrarechte AfD ihren Vormarsch in den politischen Mainstream fort.

Genau in den Stunden, in denen Merz seine Tirade gegen die "Sozialkommunisten" vortrug, einigen sich die Stadträte seiner CDU in der sächsischen Stadt Heidenau mit ihren Kollegen der AfD darauf, mit einem parteiübergreifenden Antrag die Verlegung neuer "Stolpersteine" auf den Bürgersteigen der Stadt zu verhindern. Der Verband der Verfolgten des NS-Regimes protestiert und deckt das wahre Ziel dieses Schachzugs auf: "Sie wollen die Stolpersteine nicht mehr, weil sie vorhaben, die Erinnerung von einem allgemeinen Gedenkort auf den örtlichen Friedhof zu verlagern. Auf diese Weise wird sie aus dem täglichen öffentlichen Bewusstsein ausgelöscht."

Still und fernab vom Rampenlicht sind die wahren Antisemiten – für Friedrich Merz können Juden keine Deutschen sein: "Die perfideste Form der Ausländerfeindlichkeit ist Antisemitismus." – dabei, die Erinnerung an die schändliche Vergangenheit Deutschlands physisch auszulöschen. Das deutsche Establishment richtet sein Feuer im Namen der Bekämpfung des Antisemitismus gegen die Linke, während eine ultrarechte, rassistische Partei mit einer langen Geschichte antisemitischer und rassistischer Rhetorik in den politischen Mainstream vordringt – und damit jüdische, muslimische, LGBTQI+- und andere Minderheiten bedroht.

Berliner Jüdinnen und Juden für eine soziale und sichere Stadt

Diese Scheinheiligkeit der Christdemokraten wird ausgerechnet von denselben entlarvt, die CDU, SPD und Grüne – auf dem Papier – angeblich schützen wollen. In Berlin haben 150 Jüdinnen und Juden die Koalitionsverhandlungen zwischen der Linken, der SPD und den Grünen verteidigt und sich damit gegen den Zentralrat der Juden in Deutschland und den israelischen Botschafter in Deutschland gestellt, die beiden Hauptinitiatoren der Antisemitismuskampagne, die nach dem Sieg von Elif Eralp ausgelöst wurde.

"Für eine soziale und sichere Stadt" lautet die Prämisse ihres offenen Briefes in dieser von Propaganda vergifteten Debatte.

"Dass gerade die Linken ständig des Antisemitismus beschuldigt werden, ist nicht nur eine zynische politische Instrumentalisierung, sondern setzt beinahe jede Kritik an der israelischen Politik mit Antisemitismus gleich", heißt es in dem offenen Brief von 150 Personen, darunter die bekannten Autorinnen Eva Menasse, der Musiker Merrill Nisker, Deborah Feldman und Esther Dischereit sowie die US-amerikanisch-israelisch-deutsche Philosophin Susan Neiman, die unter anderem Direktorin des Einstein Forums in Potsdam ist; aber auch dem Videokünstler Arun Chaudhary; dem Regisseur Udi Aloni, den Historikern Adam Raz und Ben Miller, dem internationalen Anwalt Itamar Mann und Dutzenden weiterer waschechter Berliner:innen.

"Wir sind Berliner Jüdinnen und Juden und kommen aus unterschiedlichen Milieus; wir beten in unterschiedlichen Synagogen oder gar nicht; wir wählen unterschiedliche Parteien – und wir schreiben diesen Brief, weil wir in den vergangenen Wochen immer wieder dieselbe Behauptung gehört haben: Die Linke sei gefährlich für Juden, eine Koalition unter ihrer Beteiligung ein Sicherheitsrisiko für unsere Gemeinden. Wir widersprechen dieser Darstellung – nicht, weil wir die Sorgen kleinreden, sondern weil wir sie ernster nehmen, als es plakative Warnungen tun.
In einer Zeit, in der eine teilweise offen faschistische Partei quer durch Deutschland auf dem Weg zur Macht ist, entziehen sich die großen Publikumsmedien und (wichtige) Teile unserer eigenen jüdischen Gemeinschaft ihrer Verantwortung, wenn sie weiterhin so tun, als würde die Linke die größte Gefahr für jüdische Sicherheit darstellen."
Offener Brief: Berliner Jüdinnen und Juden für eine soziale und sichere Stadt

Weiter heißt es darin: "Diese Flut an Anschuldigungen zielt darauf ab, andere Meinungen zu unterdrücken und das internationale Völkerrecht auszuhöhlen. Vor dem Hintergrund des überall anschwellenden Antisemitismus ist es nicht einfach eine neutrale Beobachtung, eine demokratische linke Partei herauszugreifen, sondern ein politisches Instrument, um Aufmerksamkeit ab- und umzulenken."

Weiter schreiben die Unterzeichner:innen: "Prekäre Beschäftigung, überlastete Schulen, ein Gesundheitssystem am Limit, wachsende soziale Spaltung – all das erzeugt genau jene gesellschaftlichen Spannungen, die auch den Judenhass fördern." Eine rot-grün-rote Koalition hätte die Kraft, "die materiellen Ursachen gesellschaftlicher Spannungen anzugehen". (vollständiger Text hier)


zum Thema


Offener Brief: Berliner Jüdinnen und Juden für eine soziale und sichere Stadt

Berlin, den Tag nach der Wahl

Wir sind Berliner Jüdinnen und Juden und kommen aus unterschiedlichen Milieus; wir beten in unterschiedlichen Synagogen oder gar nicht; wir wählen unterschiedliche Parteien – und wir schreiben diesen Brief, weil wir in den vergangenen Wochen immer wieder dieselbe Behauptung gehört haben: Die Linke sei gefährlich für Juden, eine Koalition unter ihrer Beteiligung ein Sicherheitsrisiko für unsere Gemeinden. Wir widersprechen dieser Darstellung – nicht, weil wir die Sorgen kleinreden, sondern weil wir sie ernster nehmen, als es plakative Warnungen tun.

In einer Zeit, in der eine teilweise offen faschistische Partei quer durch Deutschland auf dem Weg zur Macht ist, entziehen sich die großen Publikumsmedien und (wichtige) Teile unserer eigenen jüdischen Gemeinschaft ihrer Verantwortung, wenn sie weiterhin so tun, als würde die Linke die größte Gefahr für jüdische Sicherheit darstellen. Wie alle Arten von Ressentiment und Vorurteil tritt auch der Antisemitismus in vielen verschiedenen Teilen der Gesellschaft auf. Und genau wie die anderen Formen von Gruppenhass wird er dort am gefährlichsten, wo er mit rechtsextremer Ideologie und mit den antidemokratischen Tendenzen und Konflikten zusammenfällt, die sich manchmal auch gewaltsam auf unseren Straßen Bahn brechen. Dass gerade die Linken ständig des Antisemitismus beschuldigt werden, ist nicht nur eine zynische politische Instrumentalisierung, sondern setzt beinahe jede Kritik an der israelischen Politik mit Antisemitismus gleich. Diese Flut an Anschuldigungen zielt darauf ab, andere Meinungen zu unterdrücken und das internationale Völkerrecht auszuhöhlen. Vor dem Hintergrund des überall anschwellenden Antisemitismus ist es nicht einfach eine neutrale Beobachtung, eine demokratische linke Partei herauszugreifen, sondern ein politisches Instrument, um Aufmerksamkeit ab- und umzulenken.

Uns beschäftigt etwas anderes mindestens genauso: Wie werden wir – und alle Berlinerinnen und Berliner – in dieser Stadt in den nächsten fünf Jahren leben? Steigende Mieten treffen jüdische Familien genauso wie alle anderen. Prekäre Beschäftigung, überlastete Schulen, ein Gesundheitssystem am Limit, wachsende soziale Spaltung – all das erzeugt genau jene gesellschaftlichen Spannungen, die auch  den Judenhass fördern. Wer soziale Missstände ignoriert, überlässt das Feld denen, die immer als erstes  nach Sündenböcken suchen. Eine Stadtregierung, die bezahlbaren Wohnraum sichert, öffentliche Daseinsvorsorge stärkt und soziale Ungleichheit spürbar reduziert, tut mehr für den gesellschaftlichen Zusammenhalt – und damit auch für unsere Sicherheit! – als bloß eine demokratische Partei auszugrenzen. 

Deshalb sagen wir: Die klar bessere Wahl für diese Stadt, auch für uns Juden, ist eine Koalition, die das sozialökonomische Programm ernst nimmt, das jetzt so dringend gebraucht wird. Nicht weil wir alle Positionen in der Linken oder irgendeiner anderen Partei teilen – das tun wir nicht, und wir werden weiter kritisch bleiben, wo es nötig ist. Sondern weil eine rot-rot-grüne Koalition die Kraft hat, die materiellen Ursachen gesellschaftlicher Spannungen anzugehen, während eine Fortsetzung des Status quo oder ein Rechtsruck diese Spannungen nur verschärfen würde.

Wir bitten die künftige Regierende Bürgermeisterin und ihre Koalitionspartner um zweierlei: Nehmen Sie unsere Sicherheit als das, was sie ist – eine rote Linie, keinen zynischen Spielball für Propaganda. Und nehmen Sie unsere sozialen Nöte ebenso ernst wie die aller anderen Berlinerinnen und Berliner. Beides gehört zusammen. Eine Stadt, die gerechter wird, wird zu einer Stadt, in der auch wir sicherer leben.

Berliner Jüdinnen und Juden für eine soziale und sichere Stadt

Quelle: https://docs.google.com/document/d/1S68jVIW24xBefy90cmeRGFcMhCimb22RedGnr7sQYk0/edit

Unterschriftenliste (Stand 26.9.2026):

Erstunterzeichner*innen / First Signatories

  1. Nimrod Adam, Technologist
  2. Udi Aloni, Film maker 
  3. Hila Amit, Autorin
  4. Nadav Avruch 
  5. David Bakum
  6. Gal Bar Nisan
  7. Raz Bdv
  8. Susanne Beer
  9. Eliana Ben-David 
  10. Gilad BenDavid
  11. Vered Berman, Ansprechperson zu Antisemitismus, Alice-Salomon-Hochschule
  12. Dr. Sanders Isaac Bernstein
  13. Michelle Bernstein, Yiddishist / Filmmaker / Writer 
  14. Raquel Elena Blum
  15. Jacob Blumenfeld
  16. Assaf Bondy
  17. Julia Bosson, Editor-in-Chief, the Diasporist 
  18. Micah Brashear, Lehrer (AdL)
  19. Amos Brison
  20. Dalia Castel 
  21. Arun Chaudhary, Former Videographer for Barack Obama
  22. Gal Chen, Analyst
  23. Jordan Coll
  24. Ben Cruchley, Musiker
  25. Irene Dische
  26. Emily Dische-Becker
  27. Esther Dischereit, Schriftstellerin
  28. Guli Dolev-Hashiloni
  29. Tomer Dotan-Dreyfus, Autor, Publizist
  30. Danit Dottan
  31. Nika Dubrovsky, Director of David Graeber Institute 
  32. Michael Dunajevsky 
  33. Walter Einat
  34. Max Elias
  35. Debby Farber, Curator and researcher
  36. Deborah Feldman, Autorin, Publizistin
  37. Dr. Noa Feldman
  38. Orsolya Ferenczi 
  39. Nimrod Flaschenberg, Israelis für Frieden
  40. Ruth Fruchtman, Autorin
  41. Dr. Yael Gaulan
  42. Tom Givol
  43. Dr. Michal Givoni
  44. Harry Glass, Executive Director, Berlin Atonal
  45. Milena Glimbovski, Unternehmerin, Autorin
  46. Maya Gorkin
  47. Scott Grabell, Varietè Artist
  48. Dr. Shany Grossman 
  49. Assaf Gruber, Artist and filmmaker 
  50. Nia Grünberg
  51. Maya Guttmann
  52. Karen Emma Haber, Schriftstellerin
  53. Michal Halevy
  54. Gali Har-Gil
  55. Camille Hausken-Brates
  56. Iris Hefets, Psychoanalytikerin
  57. Naomi Heimann
  58. Rafael Heimann 
  59. Rotem Heyman
  60. Alma Itzhaky, Künstlerin 
  61. Hori Izhaki 
  62. Sarah Milena Jochwed 
  63. Michal Kaiser-Livne, Psychoanalytikerin
  64. Noy Avinoam Katsman 
  65. Dr. Jordan D. Klein
  66. Sonja Knüppel 
  67. Oded Korach
  68. Omer Krieger, Artist
  69. Na'ama Landau
  70. Josef Laor
  71. Jacob Lefton
  72. Shay Lerner 
  73. Avisar Alon Lev 
  74. Naomi Levari
  75. Nadine Levin
  76. Dr. Romm Lewkowicz, Research Fellow, Max Planck Institute 
  77. Eyal Li
  78. Shelly Lieber
  79. Rapha Linden, Writer
  80. Adi Liraz
  81. Shoshana London Sappir
  82. Dr. Jossef Loss
  83. Avital Lutzky, Educator
  84. Itamar Mann
  85. Naomi Mark 
  86. Dr. Asher J. Mattern, Rabbiner
  87. Eva Menasse, Schriftstellerin
  88. Yael Merlini, Lehrerin 
  89. Dr. Ben Miller, Historiker, Autor; Vorstand, Schwules Museum
  90. Yonatan Miller, Gewerkschafter
  91. Elya Milner, PhD
  92. Irit Mogilevsky 
  93. Laura Moser, Writer
  94. Irit Naaman, Teacher 
  95. Etay Naor
  96. Prof. Susan Neiman, Director Emerita, Einstein Forum/Senior Fellow, New York University
  97. Merrill Nisker, Musician
  98. Noki Olchovsky
  99. Eli Osheorff 
  100. Shlomo Owen
  101. Jonathan Peaceman, freier Journalist
  102. Noam Perry
  103. Einat Podjarny
  104. Avraham Ramati
  105. Tamar Raphael, Schriftstellerin, Lehrerin 
  106. Adam Raz, Historian
  107. Prof. em. Dr. Fanny-Michaela Reisin
  108. Theresia Rexeisen 
  109. Emilia Zenzile Roig, Author
  110. Ron Rothschild
  111. Robert Rotifer, Journalist und Musiker
  112. Ryan Ruby, Writer
  113. Gaia Saati 
  114. Dror Sadot
  115. Alon Sahar, Founder, Staatsräson Monitor
  116. Ravit Sandler Jaffe
  117. Naftali Sappir
  118. Michael Sappir, Writer
  119. Tali Schaefer
  120. Eran Schaerf, Artist
  121. Feli Schuler, Studentin
  122. Ben Schuman-Stoler, Kollo Media Founder, HEIST Founding Publisher
  123. Charlotte Sebes 
  124. Jonathan Shamir 
  125. Nil Shani
  126. Mati Shemeolof, Author
  127. Or Shemesh
  128. Milan Shiff
  129. Gil Shohat, Historiker, politischer Bildner
  130. Sonia Simmenauer
  131. Walter Solon, Artist / Filmmaker
  132. Lili Sommerfeld, Musikerin
  133. Nirit Sommerfeld
  134. Jacob Sperber, Public Relations
  135. Shaked Spier
  136. Maya Steinberg, Filmmaker
  137. Adina Stern
  138. Lilli Stern
  139. Maayan Strauss
  140. Eliad Vagner
  141. Dr. Katharina Verleger
  142. Joel Vogel, Artist
  143. Emily Weingarten, Sozialarbeitende
  144. Laura Weiss, Ärztin
  145. Yehudit Yinhar, Artist
  146. Dr. Or Yizhar
  147. Dr. Kim Yuval
  148. Lili Zahavi, Director 
  149. Roni Zahavi-Brunner
  150. Roy Zinger, Marketing Specialist 

Weitere Unterstützende / Additional Supporters

  1. Noga Abramovitch
  2. Regine Ahrem, Autorin
  3. Abigail Akavia, PhD
  4. Dr. Adi Angert
  5. Cornelia Antes-Aceves Vivanco 
  6. Sabina Astete, Microbiologist
  7. Keren Avrahan
  8. Michal Baror, PhD candidate at HfBk
  9. Mary Beer 
  10. Neta Ben Porat, Musician and Social Volunteer
  11. Sivan Ben Yishai 
  12. Ina-Tatjana von Berg, Doula & Mütterpflegerin
  13. Uri Berger, Musician
  14. Daniel Bernstein, Translator
  15. Adam Berry, Fotograf/Fernsehproduzent/Journalist 
  16. Gerd Brehm
  17. Adam Broomberg
  18. Karin Bukovac
  19. Pery Castiel
  20. Dr. Caleb Ward, Researcher
  21. Yuval Carasso, Künstler
  22. Shira Shani Cohen , Kantorin
  23. Michael Cohen - Weissert
  24. Adva Cotani Lehmann
  25. Dr. Arie Dayan
  26. Dr. Yael Dayan 
  27. Cornelia Ditsch, Dipl. Ing
  28. Asaf Dvori
  29. M. Eckert, Pensionär 
  30. Alex Gabriel Elsohn, Unternehmer
  31. Emet Ezell, Artist 
  32. Amir Firestone, Consultant
  33. Tomer Gardi
  34. William Noah Glucroft, Journalist
  35. Ronald Golz
  36. Esther Hamburger
  37. Dr. Yara Haskiel
  38. Samuel Hatchwell
  39. Inbal Heyne
  40. Abraham Ingber, Historiker
  41. Selin Estroti Ipeker, Graphic Designer
  42. Eytan Ipeker, filmmaker
  43. Eliana Jacobs
  44. Juta Jakobsone
  45. Alex Jarewski
  46. Maya Klar
  47. Dr. Vera Koshkina
  48. Ian Leveson
  49. Dikla Levinger, Sozialarbeiterin & politische Bildnerin
  50. Anastasia Levy
  51. Avital Li
  52. Gemma Mattern
  53. Yael Merlini, Teacher 
  54. Yael Michael
  55. Tamar Novick
  56. Hagar Ophir
  57. Ann Oren, Filmmaker
  58. Stef Pinsker, Referentin 
  59. Kim Ofira Preis
  60. Udi Raz, PhD student, FU Berlin
  61. Joseph Rebling, Lehrer
  62. Liz Rosenfeld, Artist
  63. Rebecca Rukeyser, Writer
  64. Sagi Schaefer
  65. Miriam Schickler
  66. Dr. Gal Schkolnik, CEO Aut2Aut gUG
  67. Shemi Shabat
  68. Ira Shiran
  69. Tal Siano
  70. Prof. Dr. Marc Siegel
  71. Benjamin Stein, Dramaturg
  72. Amir Ovadia Steklov 
  73. Dr. Phil. Avinoam Stillman
  74. Dirk Stock , Rechtsanwalt / Notar a.D.
  75. Eyal Vexler, Cultural Producer
  76. Edgar Weimer 
  77. Bard Wildly, Berliner, Künstler
  78. Christiane Wittenbecher 
  79. Dan Wyman, Jewish Bookseller
  80. Lily Zlotover

Neues von der Solidaritätskampagne: 
Schulranzen für Kinder in Gaza. Gaza wird nicht vergessen!

Gaza Soliprojekt 2026 09 06
zum Text hier
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