25.09.2026: AfD Wahlerfolg nach Wahlerfolg. Aber Großteil der politischen Debatte in Deutschland dreht sich nur noch um Die Linke und Vorwürfe des Antisemitismus. ++ Antisemitismus-Kampagne gegen Linke soll soziale Wende stoppen ++ BlackRock-Kanzler Merz: Vergesellschaftung verbieten ++ Offener Brief von Berliner Jüdinnen und Juden für eine soziale und sichere Stadt
Die ultra-rechte, rassistische AfD erreichte in Sachsen-Anhalt fast 44 %. Zwei Wochen später erreichte sie in Mecklenburg-Vorpommern 38,2 %. Noch in derselben Nacht, in der die AfD diesen zweiten Sieg errang, gewann Die Linke in Berlin mit 25,7 % – mit einem Wahlkampf, der sich auf Mieten, Ungleichheit und die Vergesellschaftung von Hunderttausenden von Wohnungen im Besitz großer Immobilienkonzerne konzentrierte. (siehe kommunisten.de: Ein linker Wahlsieg in Berlin, ein Erfolg der extremen Rechten im Nordosten)
Und plötzlich dreht sich ein Großteil der politischen Debatte in Deutschland nur noch um Die Linke und Vorwürfe des Antisemitismus.
Der Sieg von Elif Eralp in Berlin löst Panik aus.
Nach drei Jahren unter einem CDU-SPD-Senat wäre jetzt eine rot-grün-rote Koalition unter Führung der Linkspartei möglich – in Berlin wäre das ein Novum. Doch eine Linke-Bürgermeisterin Elif Eralp und ihr Plan, sich mit Konzernen anzulegen, ist der Albtraum der Kapitallobby. Deshlab wird der Druck, einerseits auf die Berliner Linke, andererseits auf die möglichen Koalitionäre in Berlin, seit der Wahl immer weiter erhöht.
Seit dem Sieg der Linken in Berlin sind Vorwürfe des Antisemitismus rasch zu einem zentralen Thema in der Berliner Koalitionsdebatte geworden. Seit Sonntag wird das komplette Kulturkampf-Repertoire aufgefahren: Antisemitismus-Vorwürfe, SED-Vergleiche und – last but not least – das Schreckgespenst einer einer unheiligen Allianz zwischen Linken und Islamisten.
Der Erste, der mit der Antisemitismuskeule auf Die Linke einschlug, war der israelische Botschafter in Deutschland, Ron Prosor. Dieser hatte gesagt, durch den Wahlsieg der Linken bestehe eine "unmittelbare Existenzgefahr" für die jüdische Gemeinschaft in der Stadt und attestierte der Partei "systematischen Israel- und Judenhass" und "enthemmten Antisemitismus".
Am Mittwoch mahnten die SPD-Altbürgermeister Momper und Müller, ihre Partei dürfe "nicht mit Antisemiten und Terroristen gemeinsame Sache" machen. Die alte Garde der SPD hat die von Bundeskanzler Friedrich Merz ausgesprochene Warnung - "Niemand soll in Berlin Bündnisse mit der Linken eingehen" - voll und ganz verinnerlicht und die Partei gegen die Bürgermeisterkandidatin der Linken, Elif Eralp, in Stellung gebracht. "Sie hat sich nicht ausreichend vom Antisemitismus distanziert, der für uns eine unüberwindbare rote Linie bleibt", kritisiert eine große Gruppe weiterer SPD-Vertreter, darunter vier Landesministerpräsidenten, acht ehemalige Berliner Abgeordnete sowie ein weiteres Dutzend ehemaliger Senatoren und Staatssekretäre. Auf derselben Klaviatur spielt auch der ehemalige SPD-Generalsekretär und Außenminister Sigmar Gabriel, der in einer Live-Fernsehsendung die Sozialdemokraten davor warnte, eine Koalition mit einer Partei einzugehen, die islamistische Rhetorik in ihren Reihen duldet.
Da können führende Politiker:innen der Grünen nicht nachstehen. Der Ministerpräsident von Baden-Württemberg, Cem Özdemir, der Vizepräsident des Bundestages, Omid Nouripour und der Europaabgeordnete Sergey Lagodinsky, ebenfalls von den Grünen, warnen ihre eigene Partei: "Kein Bündnis in Berlin mit denen, die sich nicht unmissverständlich vom Antisemitismus distanzieren."
Laut der Fraktionsvorsitzenden der Grünen im Bundestag, Katharina Dröge, "ist der Abgeordnete der Linken wiederholt wegen seiner Nähe zu Personen aufgefallen, die den Terrorismus verherrlichen, den Staat Israel in Frage stellen und in antisemitische Vorfälle verwickelt sind“.
Bei dem von Dröge genannten Abgeordneten geht es Ferat Kocak. Der mit seiner jüdischen Lebenspartnerin im Süden Berlin-Neuköllns lebende Kocak gewann bei der zurückliegenden Bundestagswahl das Direktmandat im Wahlkreis Neukölln. Der große Vorwurf des Antisemitismus wird mit einem von den Medien verbreiteten Bild begründet, auf dem er neben einem Anhänger der in Deutschland verbotenen Volksfront für die Befreiung Palästinas (PFLP) zu sehen ist.
Und alle gemeinsam betonen sie unisono das Thema der organisierten Kriminalität, nachdem – neben dem Foto eines Mitglieds des Rummo-Mafia-Clans, das auf der Wahlnachfeier der Linken in Neukölln zu sehen war – auch ein Chat zwischen dem Bundestagsabgeordneten der Linken Ferat Kocak und Firas Remmo, dem Sohn des Bosses der gleichnamigen Familie, aufgetaucht ist. Ferat Kocak verteidigt sich hingegen damit, dass er Firas Remmo nicht kenne und auf dessen Nachricht "lediglich aus Höflichkeit" geantwortet habe; dennoch muss er einräumen, dass "jeder Kontakt zu Personen, die mit der organisierten Kriminalität in Verbindung stehen, nicht zu rechtfertigen ist".
Auf jeden Fall sind Elif Eralp, aber auch die nationalen Ko-Vorsitzenden der Linken, Luigi Pantisano und Ines Schwerdtner, in die Defensive gezwungen.
Vergeblich ist die klare Stellungnahme von Elif Eralp Bürgermeisterkandidatin: "Für Antisemitismus und Gewalt gibt es in meiner Partei keinen Platz"; der Hammer, mit dem ihre Partei gestoppt werden soll, bevor sie ihr "erschreckendes" Enteignungsprogramm umsetzen kann, übertönt jedes ihrer Worte.
Auch die Suspendierung des Abgeordneten Ferat Kocak von seinen parlamentarischen Ämtern reicht nicht aus. Dem Vorsitzenden der Bundestagsfraktionsvorsitzenden Sören Pellmann wird die Stellungnahme zu dem Thema anvertraut. "Kocak hat seine parlamentarischen Aufgaben vorübergehend ausgesetzt", erklärt Sören Pellmann. "Er wird sich aus dem Innenausschuss des Bundestages zurückziehen, bis sein Fall vollständig aufgeklärt ist“. Um die Partei in den kommenden Wochen zu schützen, wird "Kocak jeglichen öffentlichen Auftritt vermeiden".
Die Debatte habe die Funktion, die Linke zu schwächen, um Druck auf sie sowie auf die SPD und Grüne auszuüben, nicht mit ihr zu koalieren, meint Peter Ullrich, Professor für Soziologie an der HWR Berlin und Fellow am Zentrum für Antisemitismusforschung der TU Berlin, in der Taz. Die "verrückte Debatte" sei dabei, jeden Realitätsbezug zu verlieren.
"Was wir hier beobachten, ist ein verzweifelter Versuch des Establishments, Die Linke zu diffamieren, indem es den Antisemitismus als Waffe einsetzt. Das ist etwas, was das deutsche Establishment in den letzten drei Jahren unerbittlich getan hat, um sich selbst sowie Israel vor der Rechenschaftspflicht für Kriegsverbrechen und den Völkermord im Gazastreifen zu schützen. Schließlich liefern Deutschland und die USA nach wie vor 99% der Waffen an Israel."
DiEM25, https://x.com/DiEM_25/status/2103058177419874598.
Antisemitismus-Kampagne gegen Linke soll soziale Wende stoppen
Es gibt noch ein weiteres Thema, das hinter dieser Debatte nicht in den Hintergrund geraten sollte: Wohnungswesen und Wirtschaftsmacht.
Für Martha Kleedörfer, stellvertretende Landesvorsitzende der Berliner Linken, geht es um ein Ablenkungsmanöver. Man rede in der Presse über die vermeintlichen Antisemitismusprobleme in der Linken, aber nicht darüber, dass die Linke einen verdienten Wahlerfolg eingefahren habe, "weil sie über die Themen, die die Berlinerinnen und Berliner wichtig finden, nämlich bezahlbares Wohnen und soziale Gerechtigkeit, gesprochen hat", so die direkt gewählte Abgeordnete aus dem Bezirk Mitte. Für diese Themen habe die Linke die besten Vorschläge gemacht.
Die Linke fordert die Umsetzung des Berliner Volksentscheids von 2021 zur Vergesellschaftung des Wohnungsbestands großer Immobilienkonzerne wie Vonovia oder Deutsche Wohnen. Die Berliner Grünen sind ebenfalls dafür, diesen Plan umzusetzen, für den es bei einem Volksentscheid 2021 eine Mehrheit gab. SPD-Spitzenkandidat Steffen Krach sagte hingegen im Wahlkampf, mit ihm werde es keine Enteignungen geben.
Die Antisemitismuskampagne gegen die Linke dient offensichtlich dem Zweck, Vergesellschaftung zu verhindern und dafür zu sorgen, dass die Mieten weiterhin den Großteil eines Gehalts verschlingen. Eine Regierung ohne Die Linke – möglicherweise aus CDU, SPD und Grünen – ist rechnerisch möglich.
Die Berliner Jusos entlarven das Doppelspiel der SPD gegen die Linke. "Wir sind überzeugt, dass die Ablehnung des Enteignungsplans der Linken durch die Parteispitze unserer Partei ein schwerwiegender Fehler ist", betont die Vorsitzende Svenja Diedrich und fordert, "den Willen der Wähler umzusetzen" und nicht die letzten, verzweifelten politischen Spielchen zu spielen.
BlackRock-Kanzler Merz: Vergesellschaftung verbieten
Ohne Umschweife schießt BlackRock-Kanzler Friedrich Merz (CDU) gegen die Vergesellschaftungspläne der Berliner Linken. Am Dienstag, zwei Tage nach der Wahl, kündigte er die rasche Verabschiedung eines Gesetzes gegen die Enteignung großer Immobilienkonzerne an. Die ersten Gesetzentwürfe würden bereits im Justiz- und Innenministerium geprüft. (siehe auch kommunisten.de, 6.7.2026: Bundesregierung plant Gesetz gegen "drohende" Vergesellschaftung von Wohnungskonzernen) Mit diesem speziellen Anti-Enteignungsgesetz will er den Plan der Linken zur Vergesellschaftung der Wohnungen im Besitz der großen Immobilienkonzerne vereiteln, den die designierte Berliner Bürgermeisterin Elif Eralp angekündigt hat.
Unterdessen setzt die ulrarechte AfD ihren Vormarsch in den politischen Mainstream fort.
Genau in den Stunden, in denen Merz seine Tirade gegen die "Sozialkommunisten" vortrug, einigen sich die Stadträte seiner CDU in der sächsischen Stadt Heidenau mit ihren Kollegen der AfD darauf, mit einem parteiübergreifenden Antrag die Verlegung neuer "Stolpersteine" auf den Bürgersteigen der Stadt zu verhindern. Der Verband der Verfolgten des NS-Regimes protestiert und deckt das wahre Ziel dieses Schachzugs auf: "Sie wollen die Stolpersteine nicht mehr, weil sie vorhaben, die Erinnerung von einem allgemeinen Gedenkort auf den örtlichen Friedhof zu verlagern. Auf diese Weise wird sie aus dem täglichen öffentlichen Bewusstsein ausgelöscht."
Still und fernab vom Rampenlicht sind die wahren Antisemiten – für Friedrich Merz können Juden keine Deutschen sein: "Die perfideste Form der Ausländerfeindlichkeit ist Antisemitismus." – dabei, die Erinnerung an die schändliche Vergangenheit Deutschlands physisch auszulöschen. Das deutsche Establishment richtet sein Feuer im Namen der Bekämpfung des Antisemitismus gegen die Linke, während eine ultrarechte, rassistische Partei mit einer langen Geschichte antisemitischer und rassistischer Rhetorik in den politischen Mainstream vordringt – und damit jüdische, muslimische, LGBTQI+- und andere Minderheiten bedroht.
Berliner Jüdinnen und Juden für eine soziale und sichere Stadt
Diese Scheinheiligkeit der Christdemokraten wird ausgerechnet von denselben entlarvt, die CDU, SPD und Grüne – auf dem Papier – angeblich schützen wollen. In Berlin haben 150 Jüdinnen und Juden die Koalitionsverhandlungen zwischen der Linken, der SPD und den Grünen verteidigt und sich damit gegen den Zentralrat der Juden in Deutschland und den israelischen Botschafter in Deutschland gestellt, die beiden Hauptinitiatoren der Antisemitismuskampagne, die nach dem Sieg von Elif Eralp ausgelöst wurde.
"Für eine soziale und sichere Stadt" lautet die Prämisse ihres offenen Briefes in dieser von Propaganda vergifteten Debatte.
"Dass gerade die Linken ständig des Antisemitismus beschuldigt werden, ist nicht nur eine zynische politische Instrumentalisierung, sondern setzt beinahe jede Kritik an der israelischen Politik mit Antisemitismus gleich", heißt es in dem offenen Brief von 150 Personen, darunter die bekannten Autorinnen Eva Menasse, der Musiker Merrill Nisker, Deborah Feldman und Esther Dischereit sowie die US-amerikanisch-israelisch-deutsche Philosophin Susan Neiman, die unter anderem Direktorin des Einstein Forums in Potsdam ist; aber auch dem Videokünstler Arun Chaudhary; dem Regisseur Udi Aloni, den Historikern Adam Raz und Ben Miller, dem internationalen Anwalt Itamar Mann und Dutzenden weiterer waschechter Berliner:innen.
"Wir sind Berliner Jüdinnen und Juden und kommen aus unterschiedlichen Milieus; wir beten in unterschiedlichen Synagogen oder gar nicht; wir wählen unterschiedliche Parteien – und wir schreiben diesen Brief, weil wir in den vergangenen Wochen immer wieder dieselbe Behauptung gehört haben: Die Linke sei gefährlich für Juden, eine Koalition unter ihrer Beteiligung ein Sicherheitsrisiko für unsere Gemeinden. Wir widersprechen dieser Darstellung – nicht, weil wir die Sorgen kleinreden, sondern weil wir sie ernster nehmen, als es plakative Warnungen tun.
In einer Zeit, in der eine teilweise offen faschistische Partei quer durch Deutschland auf dem Weg zur Macht ist, entziehen sich die großen Publikumsmedien und (wichtige) Teile unserer eigenen jüdischen Gemeinschaft ihrer Verantwortung, wenn sie weiterhin so tun, als würde die Linke die größte Gefahr für jüdische Sicherheit darstellen."
Offener Brief: Berliner Jüdinnen und Juden für eine soziale und sichere Stadt
Weiter heißt es darin: "Diese Flut an Anschuldigungen zielt darauf ab, andere Meinungen zu unterdrücken und das internationale Völkerrecht auszuhöhlen. Vor dem Hintergrund des überall anschwellenden Antisemitismus ist es nicht einfach eine neutrale Beobachtung, eine demokratische linke Partei herauszugreifen, sondern ein politisches Instrument, um Aufmerksamkeit ab- und umzulenken."
Weiter schreiben die Unterzeichner:innen: "Prekäre Beschäftigung, überlastete Schulen, ein Gesundheitssystem am Limit, wachsende soziale Spaltung – all das erzeugt genau jene gesellschaftlichen Spannungen, die auch den Judenhass fördern." Eine rot-grün-rote Koalition hätte die Kraft, "die materiellen Ursachen gesellschaftlicher Spannungen anzugehen". (vollständiger Text hier)
zum Thema
Offener Brief: Berliner Jüdinnen und Juden für eine soziale und sichere Stadt
Berlin, den Tag nach der Wahl
Wir sind Berliner Jüdinnen und Juden und kommen aus unterschiedlichen Milieus; wir beten in unterschiedlichen Synagogen oder gar nicht; wir wählen unterschiedliche Parteien – und wir schreiben diesen Brief, weil wir in den vergangenen Wochen immer wieder dieselbe Behauptung gehört haben: Die Linke sei gefährlich für Juden, eine Koalition unter ihrer Beteiligung ein Sicherheitsrisiko für unsere Gemeinden. Wir widersprechen dieser Darstellung – nicht, weil wir die Sorgen kleinreden, sondern weil wir sie ernster nehmen, als es plakative Warnungen tun.
In einer Zeit, in der eine teilweise offen faschistische Partei quer durch Deutschland auf dem Weg zur Macht ist, entziehen sich die großen Publikumsmedien und (wichtige) Teile unserer eigenen jüdischen Gemeinschaft ihrer Verantwortung, wenn sie weiterhin so tun, als würde die Linke die größte Gefahr für jüdische Sicherheit darstellen. Wie alle Arten von Ressentiment und Vorurteil tritt auch der Antisemitismus in vielen verschiedenen Teilen der Gesellschaft auf. Und genau wie die anderen Formen von Gruppenhass wird er dort am gefährlichsten, wo er mit rechtsextremer Ideologie und mit den antidemokratischen Tendenzen und Konflikten zusammenfällt, die sich manchmal auch gewaltsam auf unseren Straßen Bahn brechen. Dass gerade die Linken ständig des Antisemitismus beschuldigt werden, ist nicht nur eine zynische politische Instrumentalisierung, sondern setzt beinahe jede Kritik an der israelischen Politik mit Antisemitismus gleich. Diese Flut an Anschuldigungen zielt darauf ab, andere Meinungen zu unterdrücken und das internationale Völkerrecht auszuhöhlen. Vor dem Hintergrund des überall anschwellenden Antisemitismus ist es nicht einfach eine neutrale Beobachtung, eine demokratische linke Partei herauszugreifen, sondern ein politisches Instrument, um Aufmerksamkeit ab- und umzulenken.
Uns beschäftigt etwas anderes mindestens genauso: Wie werden wir – und alle Berlinerinnen und Berliner – in dieser Stadt in den nächsten fünf Jahren leben? Steigende Mieten treffen jüdische Familien genauso wie alle anderen. Prekäre Beschäftigung, überlastete Schulen, ein Gesundheitssystem am Limit, wachsende soziale Spaltung – all das erzeugt genau jene gesellschaftlichen Spannungen, die auch den Judenhass fördern. Wer soziale Missstände ignoriert, überlässt das Feld denen, die immer als erstes nach Sündenböcken suchen. Eine Stadtregierung, die bezahlbaren Wohnraum sichert, öffentliche Daseinsvorsorge stärkt und soziale Ungleichheit spürbar reduziert, tut mehr für den gesellschaftlichen Zusammenhalt – und damit auch für unsere Sicherheit! – als bloß eine demokratische Partei auszugrenzen.
Deshalb sagen wir: Die klar bessere Wahl für diese Stadt, auch für uns Juden, ist eine Koalition, die das sozialökonomische Programm ernst nimmt, das jetzt so dringend gebraucht wird. Nicht weil wir alle Positionen in der Linken oder irgendeiner anderen Partei teilen – das tun wir nicht, und wir werden weiter kritisch bleiben, wo es nötig ist. Sondern weil eine rot-rot-grüne Koalition die Kraft hat, die materiellen Ursachen gesellschaftlicher Spannungen anzugehen, während eine Fortsetzung des Status quo oder ein Rechtsruck diese Spannungen nur verschärfen würde.
Wir bitten die künftige Regierende Bürgermeisterin und ihre Koalitionspartner um zweierlei: Nehmen Sie unsere Sicherheit als das, was sie ist – eine rote Linie, keinen zynischen Spielball für Propaganda. Und nehmen Sie unsere sozialen Nöte ebenso ernst wie die aller anderen Berlinerinnen und Berliner. Beides gehört zusammen. Eine Stadt, die gerechter wird, wird zu einer Stadt, in der auch wir sicherer leben.
Berliner Jüdinnen und Juden für eine soziale und sichere Stadt
Quelle: https://docs.google.com/document/d/1S68jVIW24xBefy90cmeRGFcMhCimb22RedGnr7sQYk0/edit
Unterschriftenliste (Stand 26.9.2026):
Erstunterzeichner*innen / First Signatories
- Nimrod Adam, Technologist
- Udi Aloni, Film maker
- Hila Amit, Autorin
- Nadav Avruch
- David Bakum
- Gal Bar Nisan
- Raz Bdv
- Susanne Beer
- Eliana Ben-David
- Gilad BenDavid
- Vered Berman, Ansprechperson zu Antisemitismus, Alice-Salomon-Hochschule
- Dr. Sanders Isaac Bernstein
- Michelle Bernstein, Yiddishist / Filmmaker / Writer
- Raquel Elena Blum
- Jacob Blumenfeld
- Assaf Bondy
- Julia Bosson, Editor-in-Chief, the Diasporist
- Micah Brashear, Lehrer (AdL)
- Amos Brison
- Dalia Castel
- Arun Chaudhary, Former Videographer for Barack Obama
- Gal Chen, Analyst
- Jordan Coll
- Ben Cruchley, Musiker
- Irene Dische
- Emily Dische-Becker
- Esther Dischereit, Schriftstellerin
- Guli Dolev-Hashiloni
- Tomer Dotan-Dreyfus, Autor, Publizist
- Danit Dottan
- Nika Dubrovsky, Director of David Graeber Institute
- Michael Dunajevsky
- Walter Einat
- Max Elias
- Debby Farber, Curator and researcher
- Deborah Feldman, Autorin, Publizistin
- Dr. Noa Feldman
- Orsolya Ferenczi
- Nimrod Flaschenberg, Israelis für Frieden
- Ruth Fruchtman, Autorin
- Dr. Yael Gaulan
- Tom Givol
- Dr. Michal Givoni
- Harry Glass, Executive Director, Berlin Atonal
- Milena Glimbovski, Unternehmerin, Autorin
- Maya Gorkin
- Scott Grabell, Varietè Artist
- Dr. Shany Grossman
- Assaf Gruber, Artist and filmmaker
- Nia Grünberg
- Maya Guttmann
- Karen Emma Haber, Schriftstellerin
- Michal Halevy
- Gali Har-Gil
- Camille Hausken-Brates
- Iris Hefets, Psychoanalytikerin
- Naomi Heimann
- Rafael Heimann
- Rotem Heyman
- Alma Itzhaky, Künstlerin
- Hori Izhaki
- Sarah Milena Jochwed
- Michal Kaiser-Livne, Psychoanalytikerin
- Noy Avinoam Katsman
- Dr. Jordan D. Klein
- Sonja Knüppel
- Oded Korach
- Omer Krieger, Artist
- Na'ama Landau
- Josef Laor
- Jacob Lefton
- Shay Lerner
- Avisar Alon Lev
- Naomi Levari
- Nadine Levin
- Dr. Romm Lewkowicz, Research Fellow, Max Planck Institute
- Eyal Li
- Shelly Lieber
- Rapha Linden, Writer
- Adi Liraz
- Shoshana London Sappir
- Dr. Jossef Loss
- Avital Lutzky, Educator
- Itamar Mann
- Naomi Mark
- Dr. Asher J. Mattern, Rabbiner
- Eva Menasse, Schriftstellerin
- Yael Merlini, Lehrerin
- Dr. Ben Miller, Historiker, Autor; Vorstand, Schwules Museum
- Yonatan Miller, Gewerkschafter
- Elya Milner, PhD
- Irit Mogilevsky
- Laura Moser, Writer
- Irit Naaman, Teacher
- Etay Naor
- Prof. Susan Neiman, Director Emerita, Einstein Forum/Senior Fellow, New York University
- Merrill Nisker, Musician
- Noki Olchovsky
- Eli Osheorff
- Shlomo Owen
- Jonathan Peaceman, freier Journalist
- Noam Perry
- Einat Podjarny
- Avraham Ramati
- Tamar Raphael, Schriftstellerin, Lehrerin
- Adam Raz, Historian
- Prof. em. Dr. Fanny-Michaela Reisin
- Theresia Rexeisen
- Emilia Zenzile Roig, Author
- Ron Rothschild
- Robert Rotifer, Journalist und Musiker
- Ryan Ruby, Writer
- Gaia Saati
- Dror Sadot
- Alon Sahar, Founder, Staatsräson Monitor
- Ravit Sandler Jaffe
- Naftali Sappir
- Michael Sappir, Writer
- Tali Schaefer
- Eran Schaerf, Artist
- Feli Schuler, Studentin
- Ben Schuman-Stoler, Kollo Media Founder, HEIST Founding Publisher
- Charlotte Sebes
- Jonathan Shamir
- Nil Shani
- Mati Shemeolof, Author
- Or Shemesh
- Milan Shiff
- Gil Shohat, Historiker, politischer Bildner
- Sonia Simmenauer
- Walter Solon, Artist / Filmmaker
- Lili Sommerfeld, Musikerin
- Nirit Sommerfeld
- Jacob Sperber, Public Relations
- Shaked Spier
- Maya Steinberg, Filmmaker
- Adina Stern
- Lilli Stern
- Maayan Strauss
- Eliad Vagner
- Dr. Katharina Verleger
- Joel Vogel, Artist
- Emily Weingarten, Sozialarbeitende
- Laura Weiss, Ärztin
- Yehudit Yinhar, Artist
- Dr. Or Yizhar
- Dr. Kim Yuval
- Lili Zahavi, Director
- Roni Zahavi-Brunner
- Roy Zinger, Marketing Specialist
Weitere Unterstützende / Additional Supporters
- Noga Abramovitch
- Regine Ahrem, Autorin
- Abigail Akavia, PhD
- Dr. Adi Angert
- Cornelia Antes-Aceves Vivanco
- Sabina Astete, Microbiologist
- Keren Avrahan
- Michal Baror, PhD candidate at HfBk
- Mary Beer
- Neta Ben Porat, Musician and Social Volunteer
- Sivan Ben Yishai
- Ina-Tatjana von Berg, Doula & Mütterpflegerin
- Uri Berger, Musician
- Daniel Bernstein, Translator
- Adam Berry, Fotograf/Fernsehproduzent/Journalist
- Gerd Brehm
- Adam Broomberg
- Karin Bukovac
- Pery Castiel
- Dr. Caleb Ward, Researcher
- Yuval Carasso, Künstler
- Shira Shani Cohen , Kantorin
- Michael Cohen - Weissert
- Adva Cotani Lehmann
- Dr. Arie Dayan
- Dr. Yael Dayan
- Cornelia Ditsch, Dipl. Ing
- Asaf Dvori
- M. Eckert, Pensionär
- Alex Gabriel Elsohn, Unternehmer
- Emet Ezell, Artist
- Amir Firestone, Consultant
- Tomer Gardi
- William Noah Glucroft, Journalist
- Ronald Golz
- Esther Hamburger
- Dr. Yara Haskiel
- Samuel Hatchwell
- Inbal Heyne
- Abraham Ingber, Historiker
- Selin Estroti Ipeker, Graphic Designer
- Eytan Ipeker, filmmaker
- Eliana Jacobs
- Juta Jakobsone
- Alex Jarewski
- Maya Klar
- Dr. Vera Koshkina
- Ian Leveson
- Dikla Levinger, Sozialarbeiterin & politische Bildnerin
- Anastasia Levy
- Avital Li
- Gemma Mattern
- Yael Merlini, Teacher
- Yael Michael
- Tamar Novick
- Hagar Ophir
- Ann Oren, Filmmaker
- Stef Pinsker, Referentin
- Kim Ofira Preis
- Udi Raz, PhD student, FU Berlin
- Joseph Rebling, Lehrer
- Liz Rosenfeld, Artist
- Rebecca Rukeyser, Writer
- Sagi Schaefer
- Miriam Schickler
- Dr. Gal Schkolnik, CEO Aut2Aut gUG
- Shemi Shabat
- Ira Shiran
- Tal Siano
- Prof. Dr. Marc Siegel
- Benjamin Stein, Dramaturg
- Amir Ovadia Steklov
- Dr. Phil. Avinoam Stillman
- Dirk Stock , Rechtsanwalt / Notar a.D.
- Eyal Vexler, Cultural Producer
- Edgar Weimer
- Bard Wildly, Berliner, Künstler
- Christiane Wittenbecher
- Dan Wyman, Jewish Bookseller
- Lily Zlotover



