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Thomas Sankara08.04.2021: 34 Jahre nach der Ermordung von Thomas Sankara werden seine Mörder verurteilt ++ Thomas Sankara war Marxist, Revolutionär und vier Jahre Präsident von Burkina Faso, geliebt von den Burkinabes und anderen afrikanischen Völkern, aber gehasst von den westlichen Ländern, allen voran Frankreich und den USA, wegen seiner Haltung gegen Imperialismus und Kolonialismus. ++ Mariam Sankara: "Seine Revolution bleibt in den Köpfen und Herzen unseres Volkes und in den Herzen aller Afrikaner." ++ Dokumentiert: Rede von Thomas Sankara auf dem Gipfeltreffen der Organisation für Afrikanische Einheit im Jahr 1987

Burkina Faso: 34 Jahre nach der Ermordung von Thomas Sankara, der als "afrikanischer Che Guevara" bekannt ist und zusammen mit 12 anderen während des Staatsstreichs vom 15. Oktober 1987 ermordet wurde, hat das Gericht von Ouagadougou am Mittwoch (6.4.)  drei Haftstrafen verhängt, die über den Antrag der Militärstaatsanwaltschaft hinausgehen. Blaise Compaoré, der nach dem Staatsstreich Präsident wurde und dies fast drei Jahrzehnte lang blieb, wurde in Abwesenheit zu einer lebenslangen Haftstrafe verurteilt. Compaoré lebt seit 2014 im Exil im Nachbarland Côte d'Ivoire, nachdem er durch einen Volksaufstand gestürzt worden war. Lebenslang auch für Compaorés Sicherheitskommandant Hyacinthe Kafando, der seit 2016 auf der Flucht ist, und lebenslang für den einzigen bei der Verhandlung anwesenden hochrangigen Funktionär, General Gilbert Dienderé. Acht weitere Angeklagte wurden wegen "Angriffs auf die Staatssicherheit" zu Haftstrafen zwischen 3 und 20 Jahren verurteilt.

Das blutige Regime von Blaise Compaoré war 2014 vor allem von der junge Generation, die Sankara gar nicht mehr kennt, für die Sankara aber ein Idol ist, nach wochenlangen Proteste gestürzt worden. Die Aufarbeitung des Staatsstreichs und der Ermordung von Sankara begann nun auch von Regierungsseite. Unter der Übergangsregierung von Michel Kafando wurde Sankaras Leichnam exhumiert. Unter anderem bescheinigte ein Militärarzt, dass die Leiche "von Kugeln durchsiebt" war. Zuvor hatte es geheißen, er sei eines "natürlichen Todes" gestorben. Burkina Faso forderte Frankreich 2017 zur Freigabe militärischer Dokumente auf, die den Verdacht einer französischen Beteiligung an Sankaras Ermordung klären sollten.

Der seit Jahren erwartete Prozess begann am 11. Oktober 2021 und wurde mehrmals unterbrochen, vor allem während des Staatsstreichs vom 24. Januar 2022, bei dem Oberstleutnant Paul-Henri Sandaogo Damiba den Präsidenten Roch Marc Christian Kaboré absetzte.

Thomas Sankara - Marxist, Revolutionär und vier Jahre Präsident von Burkina Faso

Thomas Sankara DenkmalThomas Sankara war Marxist, Revolutionär und vier Jahre Präsident von Burkina Faso. Er war 33 Jahre alt, als er 1983 durch einen Staatsstreich im "Land der aufrechten Menschen" (Burkina Faso in der Landessprache Djoula) an die Macht kam. Er wurde von den Burkinabes und anderen afrikanischen Völkern geliebt, aber gehasst von den westlichen Ländern, allen voran Frankreich und den USA, wegen seiner Haltung gegen Imperialismus und Kolonialismus, seiner Forderung, die Schulden gegenüber dem Westen nicht zu bezahlen, seiner integrativen Sozialpolitik gegen Armut und für die Gleichstellung der Geschlechter. Er wurde am 15. Oktober 1987 am Ende einer Sitzung des regierenden Nationalen Revolutionsrates von einem Killerkommando erschossen. Die Ermordung fiel mit dem Staatsstreich und der Machtübernahme von Blaise Compaoré zusammen.

Nach seiner Ermordung wurde Thomas Sankara zu einer Ikone. Selbst der derzeitige Präsident Damiba hat sich in seiner Antrittsrede mehrfach von seinen Idealen inspirieren lassen -, was bei mehreren Staatsoberhäuptern in Afrika und im Westen auf Ablehnung stieß.

Sankara wollte die Mentalitäten in seinem Land und in Afrika "entkolonialisieren". Er forderte Afrika auf, "seine Schulden bei den westlichen Ländern nicht zu bezahlen". Sankara und seine Regierung lehnten die Auslandshilfe und die Politik des Internationalen Währungsfonds und der Weltbank ab. Die Schuldenpolitik und die Korruption der sogenannten “Entwicklungshilfe” waren für Sankara eine Fortsetzung der kolonialen Unterdrückung. "Die uns Geld geliehen haben haben uns zuvor kolonisiert. Sie haben zuvor unsere Staaten und Wirtschaften organisiert. Wir können die Schulden nicht zahlen weil uns die Mittel fehlen. Wir können die Schulden nicht zahlen, weil wir nicht für sie verantwortlich sind.” (Text der Rede auf dem Gipfeltreffen der Organisation für Afrikanische Einheit 1987 hier)

Burkina Faso trat aus dem Internationalen Währungsfond aus und verstaatlichte den gesamten Land- und Mineralreichtum.Thomas Sankara Fidel

Sankara engagierte sich für die Schaffung von wirtschaftlichen Beziehungen zwischen einigen Ländern der Sahelzone, um "Selbstversorgung" und "Freiheit von Handelsabkommen mit westlichen Kolonialmächten" zu erreichen. Er prangerte bei der UNO "imperialistische" Kriege, Apartheid und Armut an und verteidigte das Recht unterdrückter Völker auf Selbstbestimmung, wie in Palästina oder der Westsahara.

Die Regierung von Sankara führte verschiedene progressive Maßnahmen ein, einschließlich der Stärkung und Befreiung von Frauen und eine Bildungsoffensive gegen den weit verbreiteten Analphabetismus. Unter seiner Regierung sank die Kindersterblichkeit deutlich ab und Burkina Faso war das erste Land, dass die AIDS-Krise als relevante Bedrohung für die Bevölkerung anerkannte. Und Sankara war einer der wenigen, die bereits damals Konsequenzen aus der drohenden Klimakrise zog. Innerhalb von 15 Monaten wurden in Burkina Faso 10 Millionen Bäume gegen die Verwüstung gepflanzt.

Thomas Sankara Zitat

Nach seiner Ermordung wurden die meisten Maßnahmen rückgängig gemacht. Die Rolle der einstigen Kolonialmacht Frankreich und der USA sind nicht vollständig aufgeklärt. Klar ist jedoch, dass der Putsch gegen Sankara kein lokales Komplott war, sondern ein internationales, um den revolutionären Prozess in einem jungen, aufstrebenden, selbstbewussten Afrika zu beenden.

"Seine Revolution bleibt in den Köpfen und Herzen unseres Volkes und in den Herzen aller Afrikaner. Mit dem heutigen Urteil zeigt Burkina Faso, das 'Land der aufrechten Menschen', dass es auf den Willen des Volkes gehört hat", sagte die Witwe von Thomas Sankara, Mariam Sankara, zum Ende des Gerichtsprozesses.



Thomas Sankara: Eine vereinigte Front gegen Schulden

Auf dem Gipfeltreffen der Organisation für Afrikanische Einheit in Adis Abeba (Äthiopien) im Juli 1987 rief Thomas Sankara zu einer vereinigten Front gegen Schulden auf. Er warnte davor, dass er ein weiteres Treffen nicht erleben würde, wenn Burkina Faso sich allein gegen seine Schuldenverpflichtungen widersetzen würde. Wenige Monate später wurde er in einem von Frankreich unterstützten Putsch ermordet, weil er den neokolonialistischen und imperialen Charakter der Schulden, die den afrikanischen Ländern auferlegt wurden, aufzeigte und die afrikanische Einheit und Freiheit forderte.

Rede von Thomas Sankara:

Herr Präsident, meine Damen und Herren Delegationsleiter!

in diesem Moment möchte ich, dass wir über ein anderes drängendes Thema sprechen: die Frage der Schulden, die Frage der wirtschaftlichen Situation in Afrika. Sie ist eine wichtige Bedingung für unser Überleben, genauso wie der Frieden. Und deshalb habe ich es für notwendig erachtet, einige zusätzliche Punkte auf den Tisch zu legen, über die wir sprechen können.

Burkina Faso möchte zunächst einmal über unsere Angst sprechen. Unsere Befürchtung ist, dass es ständig Treffen der Vereinten Nationen gibt, andere ähnliche Treffen, aber immer weniger Interesse an dem, was wir tun.

Herr Präsident, wie viele afrikanische Staatsoberhäupter sind anwesend hier, wenn sie ordnungsgemäß eingeladen wurden, um in Afrika über Afrika zu sprechen?

Herr Präsident, wie viele Staatsoberhäupter sind bereit, nach Paris, London oder Washington zu fahren, wenn sie dort zu einem Treffen eingeladen werden, können aber nicht zu einem Treffen hier in Addis Abeba, in Afrika, kommen?

Ich weiß, dass einige von ihnen triftige Gründe haben, nicht hierher zu kommen. Deshalb würde ich vorschlagen, Herr Präsident, dass wir eine Skala von Sanktionen oder Strafen für die Staatsoberhäupter einführen, die diesem Aufruf nicht Folge leisten. Lasst es uns so machen, dass durch eine Reihe von Punkten für gutes Verhalten diejenigen, die regelmäßig kommen – wie wir zum Beispiel –, in einigen ihrer Bemühungen unterstützt werden können. Zum Beispiel: Die Projekte, die wir bei der Afrikanischen Entwicklungsbank einreichen, sollten mit einem Koeffizienten der Afrikanität multipliziert werden. Wer am wenigsten afrikanisch ist, sollte bestraft werden. Dadurch werden alle zu den Treffen kommen.

Die Ursprünge der Verschuldung liegen in den Ursprüngen des Kolonialismus.

Ich möchte Ihnen sagen, Herr Präsident, dass die Schuldenfrage eine Frage ist, um die wir uns nicht drücken können. Sie selbst wissen um eine Situation in Ihrem Land, in der Sie mutige, ja sogar rücksichtslose Entscheidungen treffen müssen – Entscheidungen, die nichts mit Ihrem Alter oder grauen Haaren zu tun zu haben scheinen. Seine Exzellenz, Präsident Habib Bourguiba, der nicht kommen konnte, uns aber angesichts dieses anderen Beispiels in Afrika eine wichtige Botschaft überbringen ließ, hat in Tunesien aus politischen, sozialen und wirtschaftlichen Gründen ebenfalls mutige Entscheidungen treffen müssen.

Aber, Herr Präsident, wollen wir es weiterhin zulassen, dass die Staatsoberhäupter einzeln nach Lösungen für die Schuldenfrage suchen, auf die Gefahr hin, dass zu Hause soziale Konflikte entstehen, die ihre Stabilität und sogar den Aufbau der afrikanischen Einheit gefährden könnten? Die Beispiele, die ich genannt habe – und es gibt noch weitere – erfordern, dass die UN-Gipfel eine beruhigende Antwort für jeden von uns in Bezug auf die Schuldenfrage geben.

Wir glauben, dass die Schulden aus der Perspektive ihrer Ursprünge betrachtet werden müssen. Die Ursprünge der Verschuldung liegen in den Ursprüngen des Kolonialismus. Diejenigen, die uns Geld leihen, sind diejenigen, die uns kolonisiert haben. Es sind dieselben, die früher unsere Staaten und Volkswirtschaften verwaltet haben. Das sind die Kolonisatoren, die Afrika durch ihre Brüder und Cousins, die ihre Kreditgeber waren, verschuldet haben. Wir hatten mit diesen Schulden nichts zu tun. Deshalb sollten wir sie nicht bezahlen.

Schulden sind Neokolonialismus, bei dem sich die Kolonisatoren in „technische Assistenten“ verwandelt haben. Wir sollten eher „technische Mörder“ sagen. Sie präsentieren uns mit Finanzierungen, mit Geldgebern. Als ob die Geber für Entwicklung sorgen könnten. Man hat uns geraten, mit diesen Geldgebern zu sprechen. Man hat uns nette finanzielle Arrangements angeboten. Wir haben uns für 50, 60 Jahre und noch länger verschuldet. Das bedeutet, dass wir seit über 50 Jahren gezwungen sind, Kompromisse einzugehen.

In ihrer gegenwärtigen Form, die vom Imperialismus kontrolliert und dominiert wird, ist die Verschuldung eine geschickte Rückeroberung Afrikas, die darauf abzielt, sein Wachstum und seine Entwicklung durch fremde Regeln zu unterwerfen. So wird jeder von uns zum finanziellen Sklaven, das heißt zu einem wahren Sklaven, der denen unterworfen ist, die so verräterisch waren, Geld in unsere Länder zu stecken, mit der Verpflichtung zur Rückzahlung. Uns wird gesagt, wir sollen zurückzahlen, aber das ist keine moralische Frage. Es geht nicht um die sogenannte Ehre, zurückzuzahlen oder nicht.

Herr Präsident, wir haben der norwegischen Ministerpräsidentin [Gro Harlem Brundtland] zugehört und applaudiert, als sie hier sprach. Sie ist Europäerin, aber sie sagte, dass die gesamten Schulden unmöglich zurückgezahlt werden können. Die Schulden können nicht zurückgezahlt werden, weil die Kreditgeber nicht sterben werden, wenn wir die Schulden nicht zurückzahlen. Das ist ganz sicher. Aber wenn wir sie zurückzahlen, werden wir sterben. Auch das ist sicher. Diejenigen, die uns in die Verschuldung führten, haben sich aufgeführt wie in einem Kasino. Solange sie gewannen, gab es keine Diskussion. Jetzt, wo sie im Spiel verloren haben, fordern sie von uns die Rückzahlung. Und nun ist von Krise die Rede. Nein, Herr Präsident, sie haben gespielt und sie haben verloren, so sind die Spielregeln und das Leben geht weiter.

Wir können nicht zurückzahlen, weil wir dazu nicht die Mittel haben.

Wir können nicht zurückzahlen, weil wir für diese Schuld nicht verantwortlich sind.

Wir können die Schulden nicht zurückzahlen, aber die anderen schulden uns das, was der größte Reichtum niemals zurückzahlen könnte, nämlich eine Blutschuld. Unser Blut ist geflossen. Wir hören vom Marshall-Plan, der die europäische Wirtschaft wieder aufbaute. Aber wir hören nie von dem afrikanischen Plan, der es Europa ermöglichte, sich den Hitlerhorden zu stellen, als seine Wirtschaft und seine Stabilität auf dem Spiel standen. Wer hat Europa gerettet? Afrika. Es wird selten erwähnt, und zwar so selten, dass wir nicht die Komplizen dieses undankbaren Schweigens sein können. Wenn andere unser Lob nicht singen können, müssen wir wenigstens sagen, dass unsere Väter mutig waren und dass unsere Truppen Europa gerettet und die Welt vom Nazismus befreit haben.

Diejenigen, die Afrika ausbeuten wollen, sind auch diejenigen, die Europa ausbeuten. Wir haben einen gemeinsamen Feind.

Schulden sind auch das Ergebnis einer Konfrontation. Wenn uns von der Wirtschaftskrise erzählt wird, sagt niemand, dass diese Krise plötzlich entstanden ist. Die Krise war schon immer da, aber sie hat sich jedes Mal verschlimmert, wenn sich die breite Masse ihrer Rechte gegenüber den Ausbeutern immer mehr bewusst wurden. Wir sind heute in einer Krise, weil es das Volk ablehnt, dass der Reichtum in den Händen einiger weniger Individuen konzentriert ist. Wir sind in einer Krise, weil einige Leute enorme Geldsummen auf ausländischen Bankkonten sparen, die ausreichen würden, um Afrika zu entwickeln. Wir sind in einer Krise, weil wir es mit diesem privaten Reichtum zu tun haben, den wir nicht benennen können. Das Volk möchte nicht in Ghettos und Slums leben. Wir sind in einer Krise, weil die Menschen sich überall weigern, die Probleme von Soweto und Johannesburg zu wiederholen. Es gibt einen Kampf und seine Verschärfung beunruhigt diejenigen mit finanzieller Macht. Jetzt werden wir aufgefordert, Komplizen eines Ausgleichs zu sein – eines Ausgleichs, der diejenigen mit der Finanzmacht begünstigt; eines Ausgleichs gegen die breite Masse des Volkes. Nein! Wir dürfen nicht Komplizen sein. Nein! Wir können nicht mit denen gehen, die das Blut unseres Volkes aussaugen und vom Schweiß unseres Volkes leben. Wir können ihnen nicht auf ihrem mörderischen Weg folgen.

Herr Präsident, wir hören von Clubs – dem Club von Rom, dem Club von Paris, Club was auch immer. Wir hören von der Gruppe der Fünf, der Gruppe der Sieben, der Gruppe der Zehn und vielleicht der Gruppe der Hundert. Und was noch? Es ist normal, dass auch wir unseren eigenen Club und unsere eigene Gruppe haben. Lassen wir Addis-Ababa nun zum Zentrum werden, aus dem ein neuer Anfang entstehen wird. Ein Addis-Ababa-Club. Es ist unsere Pflicht, eine Addis-Ababa-Einheitsfront gegen die Schulden zu schaffen. Nur so können wir behaupten, dass die Verweigerung der Rückzahlung kein aggressiver Schritt unsererseits ist, sondern ein brüderlicher Schritt, um die Wahrheit zu sagen. Außerdem ist das Volk in Europa nicht gegen das Volk in Afrika. Diejenigen, die Afrika ausbeuten wollen, sind auch diejenigen, die Europa ausbeuten. Wir haben einen gemeinsamen Feind. Unser Addis-Ababa-Klub wird also allen erklären müssen, dass die Schulden nicht zurückgezahlt werden sollen. Und indem wir das sagen, sind wir nicht gegen die Moral, die Würde und das Einhalten des eigenen Wortes. Wir gluaben, dass wir nicht die gleiche Moral haben wie andere. Die Reichen und die Armen haben nicht die gleiche Moral. Die Bibel, der Koran kann nicht denen dienen, die das Volk ausbeuten und denen, die ausgebeutet werden, in gleicher Weise. Es könnte zu Gunsten beider Seiten verwendet werden, es sollte zwei verschiedene Ausgaben der Bibel und zwei verschiedene Ausgaben des Korans geben. Wir können nicht akzeptieren, dass man uns etwas über die Würde erzählt. Wir können nicht akzeptieren, dass man uns vom Verdienst derer erzählt, die zurückzahlen, und vom Misstrauen gegenüber denen, die es nicht tun. Im Gegenteil: Wir müssen heute erkennen, dass es normal ist, dass die Reichsten die größten Diebe sind. Wenn ein Armer stiehlt, ist es nur ein Diebstahl, ein Bagatelldelikt – es geht nur ums Überleben und um die Notwendigkeit. Die Reichen sind diejenigen, die aus der Staatskasse stehlen, Zölle erheben und das Volk ausbeuten.

Herr Präsident, mein Vorschlag zielt nicht darauf ab, einfach zu provozieren oder ein Spektakel zu veranstalten. Ich möchte nur sagen, was jeder von uns denkt und wünscht. Wer hier möchte nicht, dass die Schulden vollständig erlassen werden? Wer das nicht will, kann gehen, in sein Flugzeug steigen und direkt zur Weltbank gehen, um zu bezahlen! Wir alle haben diesen Wunsch...mein Vorschlag ist nichts weiter. Ich möchte nicht, dass die Leute denken, der Vorschlag von Burkina Faso käme im Namen einer Jugend ohne Reife und Erfahrung. Ich möchte auch nicht, dass die Leute denken, dass nur Revolutionäre so sprechen. Ich würde wollen, dass man zugibt, dass es nur Objektivität und Pflict ist. Und ich kann Beispiele von anderen nennen, die dazu geraten haben, die Schuld nicht zurückzuzahlen – Revolutionäre und Nicht-Revolutionäre, junge und alte. Ich würde zum Beispiel Fidel Castro erwähnen, der sagte, man solle sie nicht zurückzahlen; er ist nicht in meinem Alter, obwohl er ein Revolutionär ist. Ich würde auch François Mitterand erwähnen, der sagte, dass afrikanische Länder, arme Länder, nicht zurückzahlen sollten. Ich würde Frau Ministerpräsidentin [die norwegische Ministerpräsidentin Gro Harlem Brundtland] erwähnen – ich kenne ihr Alter nicht und ich würde es mir verbitten, sie zu fragen – aber sie ist ein Beispiel. Ich würde auch Präsident Félix Houphouët-Boigny erwähnen; er ist nicht in meinem Alter, aber er hat offiziell, öffentlich erklärt, dass die Elfenbeinküste, zumindest was sein eigenes Land betrifft, nicht zurückzahlen kann. Nun gehört die Elfenbeinküste zu den reichsten Ländern Afrikas, zumindest des frankophonen Afrikas; deshalb muss sie hier natürlich auch einen größeren Anteil zahlen. Herr Präsident, das ist definitiv keine Provokation. Ich würde mir wünschen, dass Sie uns einige sehr intelligente Lösungen anbieten. Ich würde mir wünschen, dass unsere Konferenz die dringende Notwendigkeit aufgreift, deutlich zu sagen, dass wir die Schulden nicht zurückzahlen können. Nicht in einem kriegerischen oder kriegslüsternen Geist – aber um zu verhindern, dass wir individuell ermordet werden. Wenn Burkina Faso mit seiner Zahlungsverweigerung alleine dasteht, werde ich bei der nächsten Konferenz nicht mehr dabei sein! Aber mit der Unterstützung aller, die ich brauche, mit der Unterstützung aller würden wir nicht zahlen müssen. Damit würden wir unsere spärlichen Mittel für unsere eigene Entwicklung einsetzen.

Lassen Sie uns die Verpflichtung eingehen, die Aufrüstung der schwachen und armen Länder zu begrenzen.

Und ich möchte abschließend sagen, dass jedes Mal, wenn ein afrikanisches Land eine Waffe kauft, es gegen ein afrikanisches Land ist. Nicht gegen ein europäisches Land, nicht gegen ein asiatisches Land. Es ist gegen ein afrikanisches Land. Deshalb sollten wir die Schuldenfrage nutzen, um das Waffenproblem zu lösen. Ich bin ein Soldat und trage eine Waffe. Aber, Herr Präsident, ich würde wollen, dass wir uns entwaffnen. Denn ich trage die einzige Waffe, die ich besitze, und andere haben die Pistolen oder Waffen versteckt, die sie besitzen. Also meine lieben Brüder, mit jedermanns Unterstützung werden wir zu Hause Frieden schaffen. Wir werden auch unsere immensen Potentiale nutzen, um Afrika zu entwickeln, denn unser Boden und unser Untergrund sind reich. Wir haben genügend Körper und einen riesigen Markt – von Nord bis Süd, von Ost bis West. Wir haben genug intellektuelle Kapazität, um Technologie und Wissenschaft zu schaffen oder zumindest zu nutzen, wo immer wir sie finden.

Herr Präsident, lassen Sie uns diese Addis-Ababa-Einheitsfront gegen die Schulden bilden. Lassen Sie uns die Verpflichtung eingehen, die Aufrüstung der schwachen und armen Länder zu begrenzen. Die Keulen und Messer, die wir kaufen, sind nutzlos. Lassen Sie uns auch den afrikanischen Markt zum Markt für Afrikaner machen: in Afrika produzieren, in Afrika umwandeln, in Afrika konsumieren. Lasst uns produzieren, was wir brauchen, und lasst uns konsumieren, was wir produzieren, anstatt zu importieren. Burkina Faso kam hierher und zeigte den Baumwollstoff, der in Burkina Faso produziert, in Burkina Faso gewebt und in Burkina Faso gesät wurde, um die Bürger von Burkina Faso zu kleiden. Unsere Delegation und ich werden von unseren Weberinnen und Webern, unseren Bauern, eingekleidet. Es gibt keinen einzigen Faden, der aus Europa oder Amerika kommt. Ich würde keine Modenschau machen, sondern einfach sagen, dass wir akzeptieren müssen, als Afrikaner zu leben – das ist die einzige Möglichkeit, frei und würdevoll zu leben.

Ich danke Ihnen, Herr Präsident.

Vaterland oder Tod, wir werden siegen!

Quelle: Progressive Internationale
https://progressive.international/wire/2021-02-26-thomas-sankara-a-united-front-against-debt/de

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