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26.10.2026: Lula wird wiedergewählt und besiegt Flávio Bolsonaro in einem unerwarteten Umschwung ++ Erstmals besiegte die Linke die Ultrarechte auf dem Terrain der sozialen Netzwerke ++ Brasilien ist das größte Land in Lateinamerika, eine große geopolitische Macht und ein Gründungsmitglied der BRICS-Staaten.

 

Mit 80 Jahren hat Präsident Luiz Inácio Lula da Silva einen außergewöhnlichen politischen Sieg errungen. Nachdem er in der ersten Runde gegen den ultrarechten Flavio Bolsonaro, Sohn des ehemaligen Präsidenten Jair Bolsonaro, mit 47 Prozent zu 45 Prozent unterlegen war, trotzte Lula allen Prognosen und sicherte sich einen beeindruckenden Sieg in der Stichwahl. Vor drei Wochen hatte Lula noch mit einem Rückstand von 2,2 Mill. Stimmen verloren. Bei der Stichwahl am Sonntag gewann er mit 64.256.232 Stimmen gegen die 59.826.041 Stimmen der von Flávio Bolsonaro vertretenen extremen Rechten. Ein Vorsprung von 4,4 Mill. Stimmen: 51,79 Prozent gegenüber 48,21 Prozent.

Im Vergleich zum ersten Wahlgang am 4. Oktober, der von einer Rekordwahlenthaltung von 21,08 Prozent geprägt war – was mehr als 33,4 Millionen Nichtwählern entspricht –, verzeichnete die Stichwahl einen deutlichen Rückgang der Wahlenthaltungen auf 19,11 Prozent, den niedrigsten Wert der letzten zwanzig Jahre. Fast drei Millionen Wähler kehrten an die Urnen zurück und sorgten für eine beispiellose Wende: Lula holte dank der außergewöhnlichen Mobilisierung der Bevölkerung und des Schwungs, den die kollektive Parole Bora Virar (das Motto, das "Lasst uns das Blatt wenden" bedeutet) verlieh, landesweit auf.

Verlängerung der Wahlzeit ohne Auswirkung auf das Wahlergebnis

Für Irritationen sorgte die Verlängerung der Öffnung der Wahllokale. Kurz vor dem offiziellen Ende der Wahl um 17 Uhr (Ortszeit) und damit kurz nach Beginn der Auszählungen hatte der Oberste Gerichtshof (TSE) eine Verlängerung der Wahl um insgesamt zwei Stunden bekannt gegeben. Das TSE stoppte für diese Zeit auch die Auszählung der bereits erfolgten Stimmabgaben. Grund hierfür waren anhaltende Probleme im öffentlichen Personenverkehr. Die von der Rechten regierten Städte hatten den öffentlichen Nahverkehr reduziert, was zu einer angespannten Stimmung unter den Wähler:innen geführt hatte. Daraufhin hatte Lulas Wahlkampfteam das Bundeswahlgericht (TSE) dazu aufgefordert, das Ende der Wahl um zwei Stunden nach hinten zu verschieben.

Auch das Wahlkampfteam von Flávio Bolsonaro hatte das TSE im Verlauf des Tages aufgefordert, das Ende der Wahl um eine Stunde nach hinten zu verschieben, allerdings aufgrund des schlechten Wetters in einzelnen Regionen, die als Hochburgen der Rechten gelten.

Daraufhin verlängerte der Richter des TSE, Cristiano Zanin, die Wahl und sagte, er erfülle zwei Anträge: den der PT-Kampagne und den von Flávio Bolsonaro. Diese Anweisung gelte aber nur für die Wahllokale, die zum Zeitpunkt seines Beschlusses noch offen waren.

Als der noch in der Regierungszeit von Jair Bolsonaro ernannte Präsident des TSE, Nunes Marques, den Wahlsieg von Lula bekanntgab, betonte er, dass die Verlängerung das Ergebnis nicht beeinflusst und das Wahlsystem nicht gefährdet habe. Nach 17 Uhr wurden lediglich 0,027 % der Stimmen registriert: 34.424 von 127.697.270 (ohne Ausland). Es ist offensichtlich, dass Lula bereits um 17 Uhr gewählt war, und diese zusätzlichen 2 Stunden Wahldauer das Endergebnis nicht beeinflusst haben.

Lulas Triumph widerlegte alle Umfragen vor der Wahl und krönte ein dramatisches Comeback im Wahlkampf, das nur wenige erwartet hatten.

"Wir haben es geschafft, Brasilien! Wir haben Geschichte auf den Straßen und an den Urnen geschrieben, mit dem Volk als Protagonisten eines Weges, der noch viel vor sich hat. Die Demokratie hat gesiegt, die Hoffnung hat sich gestärkt und Brasilien geht weiter voran. Dieser Sieg gehört uns. Und wir werden zusammen viel mehr erreichen!"
Lula auf X, https://x.com/LulaOficial/status/2114593118649487383

Schwere Schlag für interventionistischen Agenda von US-Präsident Donald Trump

Lulas Sieg im größten Land Lateinamerikas verhindert nicht nur die Rückkehr der extremen Rechten an die Regierung in Brasilien. Er durchbricht eine Reihe von Wahlsiegen der Rechten in der gesamten Region und versetzt der zunehmend interventionistischen Agenda von US-Präsident Donald Trump in der westlichen Hemisphäre einen schweren Schlag.

Lulas Sieg könnte einen Wendepunkt im Rechtsruck Lateinamerikas markieren. Seit Trumps Rückkehr ins Weiße Haus hat die Rechte unter anderem in Honduras, El Salvador, Ecuador, Chile, Kolumbien und Bolivien eine Reihe von Wahlsiegen errungen. Doch Lulas Wiederwahl deutet darauf hin, dass ihr Schwung nachlassen könnte. In Argentinien verliert Präsident Javier Milei – der Lula regelmäßig attackiert und sich voll und ganz hinter Bolsonaro gestellt hat – im Vorfeld der Präsidentschaftswahlen im nächsten Jahr in den Umfragen an Boden. In Chile hat Präsident José Antonio Kast einen noch steileren Einbruch der öffentlichen Unterstützung hinnehmen müssen.

Mexikos Claudia Sheinbaum dürfte ihrerseits erleichtert aufgeatmet haben. Eine Niederlage Lulas hätte sie in einer Region, die sich zunehmend dem nördlichen Nachbarn Mexikos zuwendet, zunehmend isoliert. Stattdessen werden die beiden bevölkerungsreichsten Länder und größten Volkswirtschaften Lateinamerikas auf absehbare Zeit fest auf der linken Seite stehen.

Lulas Sieg ist eine Bestätigung für ein Leben, das er dem Kampf für die am stärksten marginalisierten und entrechteten Mitglieder der Gesellschaft gewidmet hat. Und seine Bedeutung reicht weit über Brasiliens Grenzen hinaus. Für die Verfechter von Demokratie, Multilateralismus, Völkerrecht, Umweltschutz und der Souveränität des Globalen Südens sendet er eine kraftvolle Botschaft: Der Vormarsch der extremen Rechten ist weder unvermeidlich noch unumkehrbar. Nicht in Brasilien. Nirgendwo.

Kein radikaler Wandel, aber erhebliche Verbesserungen für die brasilianische Bevölkerung

Auch wenn Lula während seiner Amtszeiten keinen radikalen Wandel in Brasilien vorangetrieben hat, so hat er doch erhebliche Verbesserungen für die brasilianische Bevölkerung erreicht. Dabei muss man die Grenzen der Regierung unter Lula berücksichtigen, deren Handlungsspielraum durch einen konservativen Kongress und die Abhängigkeit vom Agrarexportmodell eingeschränkt war.

Die wirtschaftliche Bilanz entsprach kaum der einer Regierung, die auf eine Niederlage zusteuerte. Brasiliens Wirtschaft wuchs zwischen 2023 und 2025 kumulativ um 9,2 Prozent, verglichen mit einem Durchschnitt von nur 5,6 Prozent bei den südamerikanischen Nachbarländern. Die Arbeitslosigkeit sank von 9,3 Prozent im Jahr 2022 auf ein historisches Tief von 5,4 Prozent im Jahr 2026.

Brasilien verschwand 2025 zudem wieder von der Hungerkarte der Vereinten Nationen, nachdem es unter der Regierung von Bolsonaro senior wieder darauf gelandet war. Im Amazonasgebiet sank die Entwaldung auf den niedrigsten Stand seit Jahrzehnten – eine deutliche Umkehr des Trends unter seinem Vorgänger.

Trotz dieser Verbesserungen: Millionen Brasilianer sind weiterhin in Kreditkartenschulden gefangen und kämpfen mit extrem hohen Zinsen, während eine Explosion des Online-Glücksspiels die Lebensgrundlagen vieler Familien zerstört hat. Das Ergebnis der Stichwahl war ein klares Signal für die soziale Unzufriedenheit.

Lula reagierte mit ungewöhnlich mutigen Maßnahmen: einer umfassenden Entschuldungsinitiative und Einschränkungen für Online-Wetten sowie erweiterten Sozialleistungen, Kraftstoffsubventionen und der Umstellung von einer Sechs- auf eine Fünf-Tage-Woche. Diese Politik zielte darauf ab, die makroökonomischen Erfolge der Regierung wieder mit den alltäglichen wirtschaftlichen Sorgen der brasilianischen Wähler in Einklang zu bringen.

Bolsonaro bot eine radikal andere Vision für Brasilien an: umfassende Ausgabenkürzungen, Privatisierungen, Steuersenkungen und vor allem ein hartes Vorgehen gegen Kriminalität und Unsicherheit. Zu seinen Vorschlägen gehörten der Bau von fünf Hochsicherheitsgefängnissen nach dem Vorbild des berüchtigten Strafvollzugssystems in El Salvador sowie die Genehmigung tödlicher Gewalt gegen schwer bewaffnete Kriminelle.

Kampf um Souveränität

Letztendlich wurde die Wahl zu einem Kampf nicht nur um Brasiliens Demokratie, sondern auch um seine Souveränität. Trumps Regierung hat während Lulas gesamter Amtszeit auffällig in die brasilianische Politik eingegriffen, indem sie Strafzölle verhängte, einen an der Strafverfolgung von Jair Bolsonaro beteiligten Richter des Obersten Gerichtshofs sanktionierte und die Kandidatur seines Sohnes Flávio offen unterstützte.

Während Trump bestrebt ist, Lateinamerikas größtes Land in Washingtons sich ausweitendes System hemisphärischer militärischer Vorherrschaft einzubinden, hat Lula die strategische Autonomie Brasiliens verteidigt und darauf bestanden, dass die Zusammenarbeit im Kampf gegen das organisierte Verbrechen die nationale Souveränität respektieren muss.

Im Gegensatz dazu steht sein Hauptkonkurrent. Zwei seiner wichtigsten Vorschläge stehen in vollem Einklang mit den Forderungen der USA: Zum einen soll Brasilien dem "Schild der Amerikas" beitreten, um den "Drogenterrorismus" zu bekämpfen, und zum anderen soll das Land sich von China distanzieren.

Allgemein gesagt steht Bolsonaro für die Fortsetzung der grenzenlosen imperialen Vorherrschaft, während Lula deren Infragestellung verkörpert. Die Kontroverse beschränkt sich nicht nur auf die nationale Ebene, sondern reicht über die Grenzen hinaus. In seiner Rede vor der UN-Generalversammlung erwähnte der brasilianische Präsident, dass "die Weltöffentlichkeit mit Entsetzen beobachtet, wie in Kuba durch ein illegales Wirtschafts- und Energieembargo eine kollektive Bestrafung über 10 Millionen Menschen verhängt wird".

In seiner Rede erwähnte Lula auch die "Generationen von Palästinensern, [die] den Schmerz und das Trauma mit sich tragen, das der von der Netanjahu-Regierung in Gaza verübte Völkermord an Frauen und Kindern hinterlassen hat". Brasilien hat sich der Völkermordklage Südafrikas gegen Israel vor dem Internationalen Gerichtshof angeschlossen.

So stellte die Wahl eine Entscheidung zwischen einem souveränen Brasilien, das seinen eigenen Kurs bestimmt, und einem Brasilien dar, das Washingtons geopolitischer Agenda untergeordnet ist. Das Wahlergebnis vom Sonntag zeigt, dass das brasilianische Volk seine Entscheidung getroffen hat.

Erstmals besiegte die Linke die Ultrarechte auf dem Terrain der sozialen Netzwerke

Als Bolsonaro Lula in der ersten Runde unerwartet besiegte, schlug das Ergebnis in ganz Brasilien und darüber hinaus hohe Wellen. Für die Regierung war die Niederlage angesichts ihrer starken sozioökonomischen Bilanz besonders überraschend. Was folgte, war eine außergewöhnliche dreiwöchige politische Mobilisierung, die den schleppenden Wahlkampf der Arbeiterpartei (PT) in der ersten Runde in eine existenzielle Auseinandersetzung um die Zukunft der Demokratie und Souveränität in Brasilien verwandelte.

Nach der Niederlage am 4. Oktober kam Lulas Wahlkampf mit neuer Energie zurück, wobei sich viele junge Brasilianer an der Basis mobilisierten. Es war ein Weckruf, sowohl für die bis dahin träge Wahlkampagne der Arbeiterpartei (PT) als auch für viele Menschen im Land, denen offenbar klar wurde, was eine weitere Bolsonaro-Regierung im Bund mit US-Präsident Donald Trump und vielen anderen rechtsextremen Regierungen in der Region für Brasilien bedeuten würde.

Der Wahlkampf konnte sogar algorithmische Verzerrungen durch Social-Media-Giganten wie Meta überwinden, die Bolsonaro begünstigten.

Lula ist nicht nur gegen Flávio Bolsonaro angetreten. Lulas Rivalen waren die High-Tech-Giganten des Silicon Valley – eingebunden in die Strategien des Deep State und des Trumpismus. Diese haben sich in Brasilien mit voller Wucht in den Wahlkampf eingemischt. META, der Mutterkonzern von Facebook, Instagram und WhatsApp, wurde dabei erwischt, wie er die algorithmischen Abläufe auf Instagram, Facebook und WhatsApp manipulierte, um Flávio Bolsonaro zu begünstigen und Lulas Wahlkampf zu benachteiligen, was die Anwälte der PT dazu zwang, den Wahlmissbrauch vor dem Obersten Wahlgericht anzuzeigen. Und in den ersten zwei Wochen der Kampagne für die Stichwahl war es offensichtlich, wie Beiträge zugunsten von Bolsonaro eine viel größere Reichweite hatten. Diese sozialen Netzwerke und die KI sind keine bloßen Werkzeuge; sie sind die Infrastruktur, durch die der überwältigende Großteil dessen fließt, was die Menschen als Information betrachten.

Parallel dazu stützte sich der reaktionäre Block auf die ideologische Verbindung zwischen den Evangelikalen – ausgestattet mit Medienkonzernen wie Record TV, aggressiven Parlamentsfraktionen und allgegenwärtigen WhatsApp-Netzwerken – und dem transnationalen politischen Zionismus.

Lula AndreJanonesLula mit André Janones bei der Kundgebung nach der Wahl

 

Doch am Sonntag gewann nicht nur zum ersten Mal ein Präsidentschaftskandidat, der in der ersten Runde verloren hatte, sondern zum ersten Mal besiegte die Linke die Ultrarechte auf dem Terrain der sozialen Netzwerke. Lulas digitale Kampagne hatte sich nach der ersten Runde erheblich verbessert.

Nach der Niederlage in der ersten Runde organisierte der junge Abgeordneten André Janones eine Struktur für digitale Mobilisierung und die Aushebelung der Algorithmen von Facebook, X etc.. Sein WhatsApp-Kanal, mit dem er das Exercito do Lula (Lulas Armee) schuf, wuchs von 50.000 Personen in der ersten Runde auf 10 Millionen für die zweite.

Brasilien ist das größte Land in Lateinamerika, eine große geopolitische Macht und ein Gründungsmitglied der BRICS-Staaten.

Brasilien ist eines der Länder mit dem größten wirtschaftlichen, politischen, sozialen und kulturellen Gewicht in Lateinamerika. Aus diesem Grund ist die Zukunft seiner Regierung in den kommenden Jahren von entscheidender Bedeutung für die geopolitische Dynamik der gesamten Region, insbesondere angesichts des überwältigenden Vormarsches der Rechten in die Regierungsführung vieler lateinamerikanischer Länder in den letzten Jahren.

Brasilien ist eine der führenden Volkswirtschaften der Welt. Zudem verfügt es über die weltweit größten Wasserressourcen, die etwa 13 % der weltweiten Gesamtmenge ausmachen; es verfügt über Gas- und Ölvorkommen, ein großes Potenzial an erneuerbaren Energien sowie kritische Mineralien: 5,8 % der weltweiten Bauxitreserven, 3,7 % der Goldreserven, 17 % der Roh-Eisenerzreserven, 1,4 % der Lithiumreserven, etwa 66,6 % des Niobs und 14,6 % der Seltenen Erden, um nur einige Beispiele zu nennen.

Aus diesen Gründen ist Brasilien zu einer strategischen Frage für transnationale Konzerne und den Machtkomplex in Washington geworden.

Nachdem der US-Imperialismus in Eurasien und im Mittleren Osten schwere Rückschläge erlitten hat, versucht er mit aller Kraft, seinen "Hinterhof" im Süden unter Kontrolle zu halten. Und im Zentrum dieser kontinentalen Strategie steht unweigerlich Brasilien.

In Zeiten tiefer Krisen greift das Großkapital auf zwei klassische Auswege zurück, um den Rückgang seiner Profitraten umzukehren: das Wettrüsten und die private, räuberische und direkte Aneignung der öffentlichen Güter der Natur. Brasilien ist schlichtweg das größte Reservoir dieser Güter in der westlichen Hemisphäre.

Erstens geht es um die Frage der Energie und der Kohlenwasserstoffe. Die Reserven im "Presal"-Gebiet haben Brasilien zu einem der weltweit größten Erdölproduzenten gemacht. In einer Welt, in der die traditionelle Energiematrix nach wie vor die industrielle und militärische Souveränität bestimmt, ist die Kontrolle über unsere Ölfelder und über Petrobras für die Energiesicherheit Washingtons von entscheidender Bedeutung

Zweitens hat die unternehmensgetriebene Energiewende einen ungebremsten Wettlauf um strategische Mineralien und Seltene Erden ausgelöst. Lithium, Niob, Nickel, Kupfer und Eisenerz sind die unersetzlichen Rohstoffe für die neue digitale, automobile und Luft- und Raumfahrtinfrastruktur.

Ein Großteil dieser weltweiten Reserven liegt im brasilianischen Untergrund, oft unter öffentlichem Land, Naturschutzgebieten oder traditionellen Territorien. Die Aneignung dieser Vorkommen durch multinationale Bergbauunternehmen ist für die vom Westen kontrollierten globalen Lieferketten eine Frage des Überlebens. Es handelt sich um unverzichtbare Komponenten im aktuellen Wettrennen der USA unter Trump, um die Führung in der KI-Entwicklung gegenüber China zu übernehmen – durch private Unternehmen, die diesen Prozess auf US-Territorium kontrollieren.

Drittens hat Brasilien Süßwasser, Artenvielfalt und fruchtbares Land. Das Guaraní-Grundwasserreservoir und das Amazonas-Becken stellen die größten Trinkwasserreserven des Planeten dar – in einem Jahrhundert, in dem der Zugang zu Wasser über Leben und Tod ganzer Bevölkerungsgruppen entscheiden wird. Hinzu kommen Hunderte Millionen Hektar Ackerland, um die das Kapital für den Monokulturanbau zur Ausfuhr konkurriert, wodurch die Ernährungssouveränität der Bevölkerung den Interessen der internationalen Getreidehändler unterworfen wird.

Viertens. Es gibt jedoch eine für die Vereinigten Staaten noch gefährlichere Dimension: die geopolitische Rolle, die Brasilien spielt, wenn es beschließt, eine souveräne und selbstbewusste Außenpolitik zu betreiben. Die Stärkung der BRICS-Staaten und das Aufkommen des Globalen Südens stellen die größte historische Herausforderung für die Hegemonie des Dollars und die seit dem Zweiten Weltkrieg auferlegte unipolare Weltordnung dar. Indem Brasilien mit Lula den Handel in lokalen Währungen verteidigt, alternative Finanzmechanismen zum IWF und zur Weltbank schafft und eine souveräne Integration zwischen den aufstrebenden Nationen vorantreibt, trifft es den empfindlichsten Nerv der imperialen Macht.

Eine Wirtschaft von der Größe Brasiliens ist, wenn sie sich mit strategischen Partnern wie China und Russland vernetzt, in der Lage, den Isolationsring zu durchbrechen, den Washington seit jeher den Nationen auferlegt, die eigene Entwicklungswege suchen.

Starke rechte Opposition in Brasilien

In Brasilien gewann das rechte Lager bei der Parlamentswahl vor drei Wochen deutlich hinzu: Bolsonaros Liberale Partei (PL) stellt mit 121 der 513 Abgeordneten die stärkste Kraft in der Abgeordnetenkammer und verfügt über 28 der 81 Sitze im Senat.

Lula sieht sich nun einem feindlichen institutionellen Umfeld gegenüber, mit einem Kongress mit konservativer Mehrheit und der anhaltenden Bedrohung durch einen permanenten Lawfare, der von großen Medienkonzernen wie O Globo und Folha de S.Paulo angeheizt wird. Dennoch hat der Präsident bekräftigt, dass er regieren wird, ohne sich den Diktaten Washingtons oder der Erpressung durch die Oligarchie zu unterwerfen, und dabei den Multilateralismus, die Erweiterung der BRICS sowie die Süd-Süd-Zusammenarbeit fördern wird.

Flávio Bolsonaro erklärte noch in der Wahlnacht, seine Niederlage nicht zu akzeptieren, und forderte die Annullierung des Urnengangs.

32. isw-forum:

Jenseits der westlichen Linken – Eine marxistische Dialektik aus Antifaschismus und Antiimperialismus

Ein Vortrag von Lukas Meisner (Philosoph & Herausgeber "Das Argument") über die Zukunft des Marxismus

Samstag, 07. November 2026, 19:00 Uhr

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Neues von der Solidaritätskampagne: 
Schulranzen für Kinder in Gaza. Gaza wird nicht vergessen!

Gaza Soliprojekt 2026 09 06
zum Text hier
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