Wirtschaft

12.03.2026: Der Blitzkrieg gegen den Iran ist ausgeblieben. Teheran leistet nicht nur Widerstand, sondern führt auch erfolgreich seinen eigenen Krieg: einen Wirtschaftskrieg, der dem globalen Energiesystem schwere Schläge versetzt. ++ Es gibt diejenigen, die unter den Bomben sterben, und diejenigen, die an einem Computer versuchen, aus diesen Todesfällen Kapital zu schlagen.

 

Der Blitzkrieg gegen den Iran ist ausgeblieben. Teheran leistet nicht nur Widerstand, sondern führt auch erfolgreich seinen eigenen Krieg: einen Wirtschaftskrieg, der dem globalen Energiesystem schwere Schläge versetzt. Die Angriffe auf die US-Basen in den Golfstaaten, der Druck auf deren Ölinfrastruktur und die faktische Kontrolle über die Straße von Hormuz haben die anderen regionalen Produzenten in die Knie gezwungen. Saudi-Arabien, Irak, Vereinigte Arabische Emirate und Kuwait haben insgesamt 6,7 Millionen Barrel pro Tag gekürzt, Katar hat die größte Flüssiggas-Anlage der Welt stillgelegt. Die Raffinerien in der Region schließen oder drosseln ihre Produktion. Sie können das Öl bzw. Flüssiggas nicht abtranportieren. 

"Dies ist die größte Krise, mit der die Öl- und Gasindustrie der Region jemals konfrontiert war", erklärte Amin Nasser, CEO von Aramco, der staatlichen saudischen Ölgesellschaft.

 

brennender Oeltanker HormuzBrennender Öltanker in der Straße von Hormuz

Nicht betroffen von der Sperre sind Schiffe aus Ländern, die sich nicht an der Aggression gegen Iran beteiligen. So haben Tanker mit Ziel China seit dem 28. Februar 11,7 Millionen Barrel iranisches Rohöl durch die Meerenge transportiert. Das Wall Street Journal berichtet sogar, dass Iran heute mehr Öl exportiert als vor dem Konflikt, und zwar über genau diese Meerenge, die für andere weiterhin gesperrt ist.

Das Ergebnis ist eine sich rapide verschärfende Energiekrise. Der Brent-Preis ist wieder über 90 Dollar gestiegen (der WTI-Preis liegt knapp darunter), die Lieferungen durch Hormuz sind unterbrochen oder stark reduziert. Etwa 20 Millionen Barrel pro Tag bleiben blockiert. Nach aktuellen Daten (Stand Anfang 2026) passierten etwa 20 % des weltweiten Erdölverbrauchs täglich diese Meerenge. Das selbe gilt für Flüssiggas LNG, von dem ebenfalls etwa 20 Prozent des weltweiten Verbrauch mit Tankern durch die Straße von Hormuz transportiert werden. Der Großteil des LNG, das diese Route nimmt, stammt aus Katar.

"Die IEA-Länder haben einstimmig beschlossen, die größte Freigabe von Notfallölreserven aller Zeiten zu starten."

Vor diesem Hintergrund hat die Internationale Energieagentur die größte Freigabe von Reserven in ihrer Geschichte angekündigt: 400 Millionen Barrel. "Die IEA-Länder haben einstimmig beschlossen, die größte Freigabe von Notfallölreserven aller Zeiten zu starten", erklärte Präsident Fatih Birol und erinnerte daran, dass die Wiederaufnahme des Transits durch die Meerenge nach wie vor die wesentliche Voraussetzung für eine Rückkehr zur Normalität sei.

Um die Tragweite dieser Entscheidung zu verstehen, muss man sich vor Augen halten, dass die IEA 1974 nach der Ölkrise mit dem Auftrag gegründet wurde, die Energiepolitik der Industrieländer zu koordinieren und Vorräte in Höhe von mindestens 90 Tagen Nettoimporten zu gewährleisten. Die Reserven können aus Rohöl oder raffinierten Produkten bestehen.

Heute verfügen die 32 Mitglieder der IEA über etwa 1,2 Milliarden Barrel staatlicher Reserven, zu denen noch etwa 600 Millionen Barrel obligatorischer Industriereserven hinzukommen.

Die weltweiten strategischen Reserven, einschließlich der Nicht-IEA-Länder, belaufen sich auf etwa 8,2 Milliarden Barrel, sind jedoch ungleich verteilt: Die Reserve der USA ist nach Angaben des Energieministeriums eigentlich für 714 Millionen Barrel ausgelegt. Aktuell bevorraten die Vereinigten Staaten nach Angaben der IEA jedoch nur rund 415 Millionen Barrel Öl. Zusätzlich gibt es kommerzielle Reserven in privater Hand im Umfang von 439,3 Mio. Barrel. Japan bunkert über 260 Millionen, während europäische Länder wie Italien und Frankreich über weitaus geringere Mengen verfügen. Italien verfügt über 130 Millionen, Frankreich über 120 Millionen. Deutschland hatte Zahlen der IEA zufolge im November vergangenen Jahres rund 258 Millionen Barrell Öl auf Vorrat.

Die strategischen Ölreserven Chinas, die sowohl staatliche als auch kommerzielle Reserven an Land umfassen, werden auf etwa 1,1 bis 1,4 Milliarden Barrel Rohöl geschätzt. Diese Reserven könnten den Importbedarf Chinas für mehrere Monate – Schätzungen sprechen von drei bis vier Monaten – decken. China baute seine Reserven angesichts geopolitischer Spannungen, niedriger Ölpreise und hoher Importabhängigkeit in den letzte Jahren kontinuierlich aus. 

Die von der IEA beschlossene Freigabe – mehr als doppelt so viel wie nach dem russischen Einmarsch in der Ukraine – ist daher eine außergewöhnliche Maßnahme. Die Agentur war 1991 während des ersten Golfkriegs, 2005 nach den Hurrikanen Katrina und Rita, 2011 während des Krieges in Libyen und zweimal im Jahr 2022 tätig geworden, jedoch nie mit ähnlichen Mengen.

Deutschland und Japan haben bereits zusätzliche nationale Freigaben angekündigt. Die Europäische Kommission hat durch Ursula von der Leyen daran erinnert, dass "seit Beginn des Konflikts die Gaspreise um 50 % und die Ölpreise um 27 % gestiegen sind" und dass zehn Tage Krieg die europäischen Steuerzahler "3 Milliarden Euro" gekostet haben.

Reserven können Lieferungen nicht längerfristig ersetzen

Der Punkt ist jedoch, dass die Reserven die Lieferungen aus der Golfregion nicht langfristig ersetzen können. Sie dienen dazu, Zeit zu gewinnen und zu verhindern, dass der Energieschock sofort zu einer Rezession führt. Aber sie können eine Unterbrechung von 5, 10 oder 20 Millionen Barrel pro Tag nicht langfristig kompensieren.

Und der Dominoeffekt betrifft nicht nur Öl. Die Krise in Hormuz trifft auch andere für die globale Industrie wichtige Märkte, wie den Markt für Schwefel, ein Nebenprodukt der Öl- und Gasraffination. Der Golf macht etwa 45 % der weltweiten Exporte aus.

Der Mangel betrifft vor allem die Produktion von Düngemitteln, die für die Landwirtschaft und damit für den Lebensmittelsektor von grundlegender Bedeutung sind. Es gibt zwar Vorräte, diese konzentrieren sich jedoch auf die Industrieländer, was zu einem Ungleichgewicht führt, das die ärmeren Länder, insbesondere in Afrika, anfälliger macht.

 

"Machen Sie sich auf Ölpreise von 200 Dollar gefasst.”
Ebrahim Zolfaqari, Sprecher des Militärkommandos der Revolutionsgarde

Martin Wolf, Chefredakteur der Financial Times, stellt fest, dass die entscheidende Variable nach wie vor der "politische Wille” der beteiligten Akteure ist. Donald Trump spricht von einem "sehr baldigen” Ende, fordert dann aber die "bedingungslose Kapitulation” des Iran.

Teheran entgegnet, dass "wir das Ende des Krieges bestimmen werden”, während Ebrahim Zolfaqari, Sprecher des Militärkommandos der Revolutionsgarde, droht: "Machen Sie sich auf Ölpreise von 200 Dollar gefasst”. Irans Präsident Masoud Pezzekian erklärt: "Der einzige Weg, diesen vom zionistischen Regime und den USA entfachten Krieg zu beenden, ist die Anerkennung von Irans legitimen Rechten, die Zahlung von Reparationen und feste internationale Garantien gegen künftige Aggressionen."

Wolf warnt, dass ein langer Krieg schwerwiegende Auswirkungen auf die Inflation und das Wachstum haben würde, insbesondere in den ärmsten Ländern. Im Westen, wo Energie mittlerweile eine politische Frage ist, wären die Auswirkungen explosiv, und "eine unbefristete Subventionierung der Rechnungen ist nicht aufrechtzuerhalten".

Die Freigabe der strategischen Reserven ist auch ein Eingeständnis. Die Industrieländer erkennen indirekt an, dass der Konflikt nicht schnell gelöst werden kann und dass die globale Energiesicherheit fragiler ist als erwartet. Ein Ausweg wäre, die Sanktionen gegen Russland aufzuheben.

"Es gibt Hunderte Millionen Barrel sanktioniertes Rohöl auf See, und durch die Aufhebung des Embargos kann das Finanzministerium Angebot schaffen", erklärte us-Finanzminiter Scott Bessent am Samstag gegenüber Fox News. "Wir prüfen das." Eine große Chance für Putin, der sich angesichts des Rohölpreises die Hände reibt.

"Es gibt diejenigen, die unter den Bomben sterben, und diejenigen, die an einem Computer versuchen, aus diesen Todesfällen Kapital zu schlagen."

"Je länger die Krise andauert, desto katastrophaler sind die Folgen für die Ölmärkte", warnt Aramco-Chef Amin Nasse. Ein anhaltender Schock würde höhere Energiepreise, Inflation und Rezession bedeuten. Und die Märkte sind bereits auf diesem Weg. In den Vereinigten Staaten setzen viele Investoren auf Stagflation und setzen auf Wertpapiere, die bei einer Konjunkturabschwächung und steigenden Preisen an Wert gewinnen.

Es gibt diejenigen, die unter den Bomben sterben, und diejenigen, die an einem Computer versuchen, aus diesen Todesfällen Kapital zu schlagen. Das ist Krieg in Zeiten des Finanzkapitalismus.


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