Wirtschaft

08.11.2026: Der weltweite Ausverkauf bei KI- und Halbleiteraktien hat die Angst vor dem Ende des KI-Booms verstärkt ++ Sieg der Demokraten bei den Zwischenwahlen hat diejenigen gestärkt, die den Ausbau von Rechenzentren bremsen wollen ++ Taipeh, Tokio und Seoul spüren die Auswirkungen ++ Nur China folgt seiner eigenen Dynamik

 

Die Wall Street schloss am Donnerstag, dem 5. November, mit dem schlechtesten Handelstag seit April 2025, zwei Tage nach den Zwischenwahlen, die den Demokraten das Repräsentantenhaus und den Senat bescherten. Weltweit gingen die Kurse nach unten. Wegen heftiger Kursverluste musste die Börse in Seoul den Handel sogar kurzzeitig aussetzen, um Panikverkäufe zu verhindern. Hintergrund sind die wachsenden Zweifel, ob sich die milliardenschweren Investitionen in Künstliche Intelligenz (KI) auszahlen werden.

Der Einbruch stellt keine klassische technische Korrektur des Finanzzyklus dar, sondern gleicht eher einem politischen Trauma.

Die "blaue Welle" der Demokraten, die den Kongress zurückerobert hat, bedroht die zügellosen Deregulierung, die die Blase der Künstlichen Intelligenz angeheizt hat. Die Zwischenwahlen haben gezeigt, dass Rechenzentren für die US-Wähler ein wichtiges Thema sind. Eine nationale Umfrage, die von NBC News und einem Konsortium von Medienunternehmen durchgeführt und auch von CNBC aufgegriffen wurde, ergab, dass für 56 % der befragten Wähler Rechenzentren ein "entscheidender oder ausschlaggebender" Faktor bei der Wahlentscheidung waren und dass 76 % sich aktiv gegen den Bau eines neuen Rechenzentrums in ihrer Gemeinde aussprechen würden.

Mit den Zwischenwahlen fanden in 10 Bundesstaaten 41 lokale Abstimmungen über Beschränkungen für Rechenzentren statt: Laut Ballotpedia, einer Online-Enzyklopädie zu US-Wahlen, und nach Überprüfungen durch CNBC haben sich die Wähler in allen Fällen außer einem – in North Dakota – dagegen ausgesprochen.

Für diejenigen, die miterleben, wie auf ihrem Gelände ein Rechenzentrum errichtet wird, ist es kein Geheimnis, dass die Cloud Millionen Tonnen Beton wiegt, Unmengen an Wasser zur Kühlung verbraucht und ungeheure Mengen an Strom verschlingt – all das auf Kosten der lokalen Gemeinden. Die Ankündigung der demokratischen Spitzenpolitiker, strenge Umweltauflagen und unabhängige Tests für fortschrittliche KI-Modelle einzuführen sowie wahllosen Steuervergünstigungen ein Ende zu setzen, hat bei den Unternehmen, die eng mit KI und dem Ausbau von Rechenzentren zusammenhängen, Panik ausgelöst.

Auch in Europa, von Finnland bis Spanien, gibt es zunehmende Proteste gegen Rechenzentren.

Die Auswirkungen gehen bis Taipeh, Tokio und Seoul.

In Taiwan werden Server montiert und die Prozessoren hergestellt, die die US-amerikanische KI-Branche antreiben. In Südkorea werden die Speicherchips hergestellt, die sie versorgen. Aus Japan kommen die Anlagen zu ihrer Produktion und Prüfung. Die vom Silicon Valley versprochene Zukunft führt über den Technologiepool Ostasiens. Wenn die Märkte anfangen, an den Gewinnen zu zweifeln, die die enormen Investitionen in künstliche Intelligenz generieren werden, sind es die asiatischen Chiphersteller, die als Erste die Zeche zahlen.

So ist es kein Zufall, dass der asiatische "Schwarze Freitag" die Halbleiter-Spitzenunternehmen mit voller Wucht getroffen hat. In Seoul schlossen Samsung und SK Hynix mit Kursverlusten von 6,35 % bzw. 10,44 %. In Taiwan schloss der Gigant TSMC mit einem Minus von 4,7 %, und der Aktienindex erlebte die schlechteste Woche seit 1991. Auch Foxconn, MediaTek, Unimicron und Delta Electronics sind betroffen: Von Servern über Substrate bis hin zum Energiemanagement steht eine ganze Lieferkette unter Druck. Das Risiko erstreckt sich auch auf Japan, wo die Verkaufswelle Kioxia und die Hersteller von Ausrüstung trifft, die Halbleiterfabriken beliefern.

Chips und Technologie im Zusammenhang mit KI sind mittlerweile die tragende Säule der Wirtschaft der asiatischen Partner der USA, allen voran Seoul und Taipeh. Schließlich entwickelt Nvidia seine Beschleuniger zwar in den Vereinigten Staaten, benötigt für deren Herstellung jedoch taiwanesische Fertigungsbetriebe, während die südkoreanischen Großkonzerne die Speicher mit hoher Übertragungsrate liefern, die für die Übertragung enormer Datenmengen unverzichtbar sind.

Ein Netzwerk von Unternehmen hat in diesem Umfeld seine Anlagen ausgebaut und Aufträge erhalten, in der Erwartung, dass Amazon, Microsoft, Google und andere us-amerikanische Kunden weiterhin in KI und Rechenzentren investieren werden. Nun befürchten die Investoren, dass dieser Hunger nach Chips weniger stark wachsen könnte als erwartet.

Der Sieg der Demokraten bei den Zwischenwahlen hat diejenigen gestärkt, die den Ausbau von Rechenzentren bremsen wollen. Asiatische Hersteller befürchten strengere Vorschriften für technologische Innovationen und eine Verlangsamung des Baus von Anlagen, in denen KI-Systeme untergebracht sind. Langsamere Bauvorhaben bedeuten weniger Aufträge für Chips, Speicher und Geräte. Und damit weniger Umsatz. Diese Befürchtungen kommen zu den allgemeineren Zweifeln an der Rentabilität der enormen Investitionen in diesem Sektor hinzu. Die Pläne für 2027 stehen bereits weitgehend fest, doch die Risiken konzentrieren sich auf die unmittelbar folgenden Jahre.

Gerade 2028 wäre das Jahr, in dem "Fab 11E", die neue Großanlage von Micron in Taiwan, in Betrieb gehen soll. Laut Bloomberg hat der US-Konzern den Bau fast vollständig ausgesetzt: ein Projekt im Wert von bis zu 4,5 Milliarden Dollar, das die Nachfrage nach fortschrittlichen Speicherchips decken soll. Die bestehende Produktion, so versichert Micron, läuft planmäßig weiter. Doch der Ausbau der Kapazitäten in der Zukunft ist ernsthaft gefährdet. Eine Entwicklung, die mit den neuen Unsicherheiten der Märkte hinsichtlich der Nachhaltigkeit des KI-Wettlaufs verflochten ist.

In Hongkong hingegen sind die Chips bereits vorhanden. Laut Reuters warten etwa 600.000 H200-Chips von Nvidia auf die Einfuhrgenehmigung für das chinesische Festland. Es handelt sich um jene Chips, für die Donald Trump nach den beiden Gipfeltreffen der vergangenen Monate mit Xi Jinping grünes Licht gegeben hatte. Nun, da Washington den Hahn aufgedreht hat, drosselt Peking jedoch den Zustrom. Chinesische Unternehmen wollen sie zwar, doch die Regierung beschränkt den groß angelegten Import, um einheimische Prozessoren zu fördern und die Abhängigkeit von den USA zu verringern. Eine Strategie, die durch westliche Technologiebeschränkungen beschleunigt wird, welche China dazu drängen, eine eigene Lieferkette aufzubauen, die weniger von US-Investitionen abhängig ist. Wahrscheinlich waren deshalb die Verluste an den chinesischen Märkten begrenzt, auch bestärkt durch den Schritt der Regierung, die in den letzten Tagen staatliche Fonds und börsennotierte Unternehmen dazu aufgefordert hat, Aktien zu kaufen. Es ist die Rückkehr der sogenannten "Nationalmannschaft": staatlich unterstützte Investmentgesellschaften, die bereits in früheren Krisen mobilisiert wurden.

Kurz gesagt: China folgt teilweise eigenen Dynamiken. Dort hingegen, wo die Anlagen aus dem Boden geschossen sind, um den us-amerikanischen Hunger nach "Superintelligenz" zu stillen, befürchtet man, dass ein scheinbar unaufhaltsamer Wettlauf zu früh ins Stocken geraten könnte.

32. isw-forum:

Jenseits der westlichen Linken – Eine marxistische Dialektik aus Antifaschismus und Antiimperialismus

Ein Vortrag von Lukas Meisner (Philosoph & Herausgeber "Das Argument") über die Zukunft des Marxismus

Samstag, 07. November 2026, 19:00 Uhr

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Neues von der Solidaritätskampagne: 
Schulranzen für Kinder in Gaza. Gaza wird nicht vergessen!

Gaza Soliprojekt 2026 09 06
zum Text hier
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