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w hoeness fc bayern probek29.04.2013: Die politische Realität in Bayern übertrifft meist die gängigen Klischees. Eines davon: In den Wahlkabinen Bayerns kann man oft nur den obersten Wahlvorschlag - die CSU -  ankreuzen, weil die Bleistifte in den Wahlkabinen vorsorglich an zu kurzen Schüren angebunden sind. Ihr ausgeprägtes Stammesbewusstsein beziehen Bayern angeblich aus den Siegen des FC-Bayern und ihre innere Befriedigung, indem sie Fremden den falschen Weg zum Hofbräuhaus zeigen. Aber selbst als Hartz-IV-Bezieher kann man sich in Bayern einmal in der Woche zu den Siegern zählen. Man hängt sich einen rot-weißen Fanschal um und kann mit dem kriminellen Multimillionär Uli Hoeneß über den Sieg 'seiner' Mannschaft jubeln. Fußball und FC-Bayern – Ersatzreligion und Opium des Volkes.

 Und dann so was: Der Chef des FC Bayern entpuppt sich als spielsüchtiger Krimineller mit Korruptionshintergrund, dessen Nähe viele Politiker immer suchten, auf dass das spielerische Können seiner Mannschaft auch ihrer miesen Politik etwas Glanz verleihe. Fußball als Spektakel inszeniert ist Teil einer kapitalistischen Bewusstlosigkeitsindustrie in der sich die Menschen mehr Gedanken machen sollen über die Ursachen von Sieg oder Niederlage 'ihres' Vereins als über die von Armut und Reichtum. Beim FC Bayern ist wie im Brennglas der ganze Filz aus Profisport, Wirtschaft, Kriminalität und Politik ersichtlich. In diesem kapitalistischen Sportbetrieb ist Hoeneß nur eine Spielerfigur, wenn auch eine mit besonders krimineller Energie:

Als im Jahr 2000 der FC-Bayern mit mehreren Sportartikelherstellern über einen Ausrüstungsvertrag in Verhandlungen stand, überwies der damalige Chef von Adidas, Dreyfus, für Hoeneß 20 Mill. DM auf ein Schweizer Konto. Spielgeld für Hoeneß` Zockerleidenschaft. Und wie es der Zufall will, bekommt Adidas den Zuschlag und ist seither an der FC-Bayern AG beteiligt.

Für den 9,1%-Anteil zahlte adidas damals 77 Millionen Euro. Wenn FC Bayern das Triple gewinnt (Deutsche Meisterschaft, Pokalsieger und Champions League in einer Saison), überweist Adidas 25 Millionen Euro an den Verein.

Telekom, VW, Audi und Adidas pumpen besonders viel Geld in den Verein. Allein Telekom bezahlt als Trikotsponsor schätzungsweise 30 Mill. Euro jährlich.  Nicht bekannt ist, wie viel Geld an wen geflossen ist, dass die Spiele in der Allianz-Arena ausgetragen werden. Hoeneß sitzt nicht nur im Aufsichtsrat der Allianz-Beratungs- und Vertriebs AG, er ist auch Aufsichtsratsvorsitzender der FC-Bayern München AG. In deren Aufsichtsrat sitzen auch andere Vertreter von Weltmarken:

VW Boss Martin Winterkorn, Adidas Vorstandschef Herbert Hainer, Audi Vorstandschef Rupert Stadler, Telekom Vorstandsmitglied Timotheus Höttges, Helmut Markwort, Vorstandsmitglied des Burda Konzerns und Herausgeber des Focus, Dieter Rampl, Aufsichtsratsvorsitzender der Börse München (da wird sich Hoeneß seine Zocker-Tips abgeholt haben), und Verwaltungsratsvorsitzender der UniCredit Group. Daneben gibt es einen Verwaltungsbeirat: Vorsitzender Edmund Stoiber, stellvertretender Vorsitzender: Ex-Siemensboss von Pierer.

Alle diese millionenschweren 'Fußballfans' dürften die Aussage des bayerischen Ministerpräsidenten Seehofer beherzigen: "Was gut ist für den FC Bayern ist auch gut für die CSU". Folgerichtig schreibt daher auch die SZ am 25.4.13:

Ex-Bayern-Spieler Franz Beckenbauer hat in seinen Memoiren selbst über den fürsorglichen Umgang der bayerischen Finanzverwaltung mit ihm geschrieben. Der damalige Finanzminister Ludwig Huber (CSU), Stammgast beim FC Bayern, habe persönlich Steuertricks mit der Schweiz erklärt und das Angebot gemacht: 'Franz, wenn was ist, nur melden'. Das nannte man damals im Ministerium: 'Rechtsberatung für einen Bekannten'.

Hoeneß ist nur eine der schillernden Figuren in der weltweiten kriminellen Vereinigung namens Finanzkapital. Mit dem Bekanntwerden seiner Steuerhinterziehung kommt aber die Dimension der Steuerhinterziehung noch nicht ans Licht.

Die OECD schätzt, dass ein Drittel des weltweiten Finanzvermögens in sog. Steueroasen angelegt ist und dass z.B. den EU-Staaten jährlich eine Billion Steuern dadurch vorenthalten wird. Und während Hoeneß als Rampensau der Steuerhinterziehung durchs Dorf getrieben wird, bleiben die Machenschaften der Banken und Schattenbanken als Akteure und kriminelle Helfer bei Steuerhinterziehung weitgehend unbeachtet. Denn es sind vor allem die Banken und Schattenbanken, die Tausende Steuersparfirmen in den Steueroasen Luxemburg, der Schweiz, in Österreich oder in Asien für ihre kriminellen Kunden anlegen. (Siehe auch ISW Report 92 'Der Überfall der Banken')

Bayern als Selbstbedienungsladen der CSU

Politiker der CSU unterscheiden sich in ihren Machenschaften zu persönlichen Bereicherung nur im Grad ihrer Dreistigkeit von einem Uli Hoeneß. Der Fraktionsvorsitzende der CSU im bayerischen Landtag, Georg Schmid, auch Ko-Vorsitzender der CSU-Arbeitsgemeinschaft Brillenmode (SZ vom 27./28.4.13) musste von seinem Posten zurücktreten, weil er 23 Jahre lang seine Frau als Schreibkraft auf Kosten der Steuerzahler beschäftigte und ihr am Schluss monatlich 5.500 € bezahlte.

Der Vorsitzende des Haushaltsausschusses im bayerischen Landtag, Georg Winter, hatte auf Staatskosten seine beiden Söhne rechtmäßig angestellt. Sie waren damals 13 und 14 Jahre alt.
Ministerpräsident Seehofer auf der jüngsten CSU-Klausurtagung im Kloster Andechs treuherzig:
"Bayern ist kein Amigoland".

Und der für seine smarten Formulierungen bekannte Ex-CSU-Chef Erwin Huber hat erhellendes zu diesen Machenschaften beizutragen: "Das ist natürlich nicht positiv, weil man das natürlich auch durchaus negativ darstellen kann". Durchaus !

Amigoland? Spezl-Wirtschaft? Bayernfilz? Steuersünder? Alles Einwortlügen, weil sie die Probleme sprachlich verniedlichen. Das Stück, das derzeit im bayerischen Intrigantenstadl aufgeführt wird, heißt 'Krimineller Kapitalismus'.

Text: Walter Listl  Foto: probek

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