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Gedanken zum 8. Mai von Michael Reimann

08.05.2015: Nach der Befreiung 1945 ließ sich die Vergangenheit nicht wegschaufeln, wie die Trümmerberge in den Städten und Dörfern. Trümmer in den Köpfen sind hartnäckig. Die Verantwortlichen flohen und entzogen sich ihrer Verantwortung. Tragödie für die Verursacher und Mitmacher, Befreiung für die, die widerstanden. Nur 1 Prozent der Deutschen organisierten Widerstand, zu wenig, aber mutig und erfolgreich.

Die Kämpfer in den Zuchthäusern und Konzentrationslagern, die noch unter schwierigsten Bedingungen Rüstungsproduktionen sabotierten, die, die unter Einsatz ihres Lebens Flugblätter warfen, die als Partisanen und Kämpfer in den Armeen der Antihitlerkoalition kämpften waren Beiträge zum Sieg über die Barbarei möglich. Die Völker der Sowjetunion trugen die entscheidende Last des Kampfes. Sie legten durch ihre Opferbereitschaft gemeinsam mit den Vereinten Nationen der Antihitlerkoalition das Fundament für ein neues Europa, ein friedliches Europa.

Am 8. Mai 1945 war für unsere Großeltern und Eltern alles kaputt. Ein erster Schritt war nötig. Trümmerberge in den Städten, ob im Norden im Süden im Osten oder Westen. Und wieder waren es die Aktiven, die anpackten. Es waren die Frauen, die den Schutt in den Städten zu Bergen türmten. Und damit die Geburt eines neuen Deutschlands in ihren Händen hielten.

Der Philosoph Hegel meinte, die Menschen verhalten sich so, als ob die Geschichte nur dazu da sei, um aus ihr nichts zu lernen! Die Ironie Hegels – mit Bedacht verwendet – macht mich nachdenklich. Reichen unsere Anstrengungen, das Vergessen, das Verdrängen zu verhindern, nicht aus? Zum 60.Jahrestag der Befreiung, also vor zehn Jahren, erinnerte eine schier unüberschaubare Zahl von Totenfeiern, Staatsakten, TV-Sendungen und Büchern an das so ferne und doch so nahe Ende des Zweiten Weltkriegs. Vieles drehte sich nicht um die Geschichte des Neuanfangs, sondern im Großen und Ganzen um die alte Debatte: War es ein Ende des Krieges und damit ein verlorener Krieg oder eine Befreiung? Es setzte sich durch, dass wir befreit wurden.

Mit dem Erinnern und dem Vergessen haben wir weiterhin so unsere Sorgen. Denkmäler, die an den großen Krieg erinnern, mahnen uns: Denk-Mal! Zu leicht sind Viele bereit, auf ein Denkmal zu verzichten. Ein einheitliches Stadtbild soll wichtiger sein, als sich an Vergangenes zu erinnern, das unser Volk so teuer bezahlt hat.Lieber verschieben wir Denk- und Mahn-Male! Nach dem Verschieben kommt auch das Vergessen? Erinnerung auch an Verbrachen, die in deutschem Namen begangen wurden tut not, damit das nicht wieder geschieht. Doch zur Erinnerung: Der Rote Winkel, der auch das  Denkmal der Verfolgten im Nationalsozialismus in Königs Wusterhausen ziert, ist ein Zeichen das jener, die widerstanden zu tragen hatten. Es steht für den politischen Widerstand, für Sozialdemokraten, Zentrumspolitiker und anderer konservative, politisch aktive Christen, Gewerkschafter, Falken, Wandervögel, Jusos, Swing-Jugend, Feministinnen und nicht zuletzt auch für Kommunistinnen und Kommunisten. Die, die nach der Tagung in Ziegenhals in Konzentrationslager, Zuchthäuser und Mordanstalten gelangt sind. Ihnen gehört nach wie vor unser Dank, unsere Erinnerung und unsere Ehrung! Sie haben, nicht zuletzt mit ihren Opfern, unsere Zukunft ermöglicht.

“Wo Unrecht zu Recht wird, wird Widerstand zur Pflicht.” (Bertolt Brecht)


Zur Person:
Michael Reimann ist Mitglied der Europäischen Linken,
Abgeordneter im Kreistag des Landreis Dahme-Spreewald
und Stadtverordneter in Königs Wusterhausen

Michael Reimann kommentiert auf

 

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