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Panzer Greenwashing02.04.2021: Der Militär-Industriekomplex überlegt, wie Mittel aus dem Europäischen Wiederaufbauprogramm, bei dem 50 Prozent der Mittel für Klimawende, Digitalisierung und Stärkung des Gesundheitssystems verwendet werden müssen, auch in den militärischen Bereich gelenkt werden können. In Frage kommen u.a. Energieeffizienz von Militäreinrichtungen, Stärkung des militärischen Gesundheitswesens, Forschung und Entwicklung neuer Technologien und Materialien. Rheinmetall will Panzer mit umweltfreundlichen Antrieben ausstatten. Fred Schmid vom Institut für sozial-ökologische Wirtschaftsforschung isw dazu:

 

Da sage noch einer, die Rüstungsindustrie habe nichts für den Klimaschutz übrig. Panzer sollen jetzt ihren Beitrag zur Rettung des Ökosystems leisten. Wie der Chef der Panzerschmiede Rheinmetall (Panzer, Kanonen, Bomben, Raketen, Munition) auf der Bilanzpressekonferenz des Konzerns kurz vor Ostern erklärte, will man die nächste Generation von Panzer-Fahrzeugen u.a. mit umweltfreundlichen Antrieben ausstatten. "Wir haben ein erstes elektrisches Militärfahrzeug", sagte Pappberger. "Im nächsten Jahr planen wir einen Radpanzer mit Hybridantrieb".

Man arbeite dabei an Elektroantrieben, die 100 Elektro-PS an jedes Rad bringen, so der Kanonenkönig. Der Bürger wundere sich also nicht, wenn demnächst in seiner Straße ein E-Panzer an der Ladesäule steht. Die Zerstörungen, die diese Monster im Kriegsfall anrichten, sind dann im doppelten Sinne nachhaltig.

Ansonsten präsentierte der Konzernboss glänzende Zukunftsaussichten für Rheinmetall, vor allem für dessen Rüstungssparte. Die Defence-Sparte erzielte 2020 einen Umsatz von 3,7 Milliarden Euro, trotz Corona sechs Prozent mehr als im Jahr davor. Der Auftragseingang im Militärbereich betrug 6,4 Milliarden Euro, 23 Prozent mehr als im Vorjahr. Da kommt bei den Aktionären so richtig Osterfreude auf, auch wenn die Dividende diesmal etwas niedriger ausfällt (2 Euro pro Aktie – Vorjahr 2,40 Euro).

"Superzyklus im Militärbereich geht weiter"

Pappberger ist überzeugt, dass die Hochkonjunktur im Rüstungsgeschäft in den kommenden Jahren anhalten wird, nicht zuletzt wegen der NATO-Zwei-Prozent-Regel. "Modernisierungsprogramme und eine extrem hohe Zahl an Neuausschreibungen geben uns die Sicherheit, dass der Superzyklus weitergeht". Der Umsatz der Militärsparte soll bis zum Jahr 2025 um fast 50 Prozent auf 5,5 Milliarden Euro steigen.

Zum Exportschlager soll der neu entwickelte Schützenpanzer Lynx (griechisch: Luchs) werden. Nach der Vertragsunterzeichnung mit Ungarn im vergangenen Herbst sollen 200 dieser Kriegsfahrzeuge geliefert werden. Im Gespräch über die Ausstattung ihrer Armeen mit Lynx-Schützenpanzern ist man auch mit Tschechien, Slowenien, der Slowakei und Italien. Großbritannien wiederum will seinen Panzer Challenger von Rheinmetall modernisieren lassen. Auch Australien hat Interesse am Lynx signalisiert.

Den ganz großen Coup erwartet man jedoch mit einer Großbestellung von 4000 Lynx-Schützenpanzern aus den USA. Sie sollen dort den US-Panzer Bradley ersetzen. Das Auftrags- und Umsatzpotenzial dürfte im Bestellungsfall bei 40 Milliarden Euro liegen. Die Panzer würden zusammen mit dem US-Rüstungsriesen Raytheon und US-Zulieferern vollständig in den USA gefertigt. Rheinmetall hat dazu im vergangenen Jahr bereits ein US-Unternehmen gegründet. Bidens "Buy-American"-Vorgabe wäre erfüllt.

Für die Rheinmetall-Großaktionäre wäre eine solche Festlegung nur folgerichtig. Denn so deutsch ist der größte deutsche Rüstungskonzern nicht. Fast 28 Prozent des Aktienkapitals ist in den Händen von 8 US-Investmentfonds und -Vermögensverwaltern und einem britischen Fonds. Der Rest ist Streubesitz und damit bedeutungslos, hat nichts mitzureden.

 

     
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