Der Kommentar

31.03.2026: Trump's Äußerungen deuten auf eine pathologische Veranlagung hin. Doch der Trumpismus ist nicht bloß eine persönliche Fehlentwicklung. Er signalisiert die Entschlossenheit einer neuen Oligarchie, ihre Vorherrschaft durchzusetzen und auszubauen
von Walter Baier, Vorsitzender der Partei der Europäischen Linken

 

Während israelische und amerikanische Bomben über Teheran explodieren und Tausende von Menschenleben auslöschen, sucht Donald Trump bereits sein nächstes Ziel aus: Kuba. "Ich werde es befreien oder einnehmen. Ich glaube, ich kann damit machen, was ich will."

Solche Äußerungen deuten auf eine pathologische Veranlagung hin. Doch Pathologie allein erklärt das Muster der Gewalt nicht: den mit US-Zustimmung durchgeführten Völkermord in Palästina, die Entführung des venezolanischen Präsidenten und seiner Frau, den Angriff auf den Iran.

Die Geschichte bietet Präzedenzfälle. Auch Hitler und sein Umfeld waren pathologische Gestalten. Doch ohne die Weltwirtschaftskrise und ohne die Machtübernahme durch die reaktionärsten Fraktionen des deutschen Großkapitals wären sie das geblieben, was sie einst waren: marginale, lächerliche Gestalten am Rande der Weimarer Republik.

Die Vereinigten Staaten befinden sich heute in einer Krise anderer Art. Sie gingen aus dem Kalten Krieg als einzige Supermacht hervor, nur um festzustellen, dass ihre wirtschaftliche, technologische und politische Dominanz heute zunehmend in Frage gestellt wird. Gleichzeitig hat sich das Kapital selbst gewandelt. Digitale Konzerne, Tech-Milliardäre und Finanzgiganten bilden nun eine Oligarchie, die weitgehend von demokratischer Kontrolle abgeschottet ist. Ihre Arena ist global. Ihr Geschäftsmodell kennt nur Expansion oder Niedergang.

Der Trumpismus ist daher nicht bloß eine persönliche Verirrung. Er signalisiert die Entschlossenheit dieser neuen Oligarchie, ihre Vorherrschaft durchzusetzen und auszubauen. Das Völkerrecht – und die Institutionen, die es aufrechterhalten sollen, insbesondere die Vereinten Nationen – ist ein Hindernis, das umgangen, untergraben oder diskreditiert werden muss.

Vor mehr als einem Jahrzehnt warnte der verstorbene Papst Franziskus, dass die Welt in einen, wie er es nannte, "in Etappen geführten Weltkrieg" eintrete. Was einst als isolierte Konflikte erschien, hat sich nun zu einer wachsenden Konstellation gleichzeitiger Kriege verdichtet.

Heute wird die Weltpolitik vom Krieg im Nahen Osten überschattet. Der Feuerring weitet sich aus und erstreckt sich über die Region hinweg in Richtung Irak, Zypern, Türkei, den Indischen Ozean und möglicherweise darüber hinaus.

Mit der Wiederbelebung der Monroe-Doktrin hat die Trump-Regierung ihre Aufmerksamkeit erneut auf Lateinamerika und Kuba gerichtet. Die Wirtschafts-, Finanz- und Handelsblockade gegen Kuba stellt nach wie vor einen klaren Verstoß gegen das Völkerrecht dar.

Die Europäische Union reagierte unterdessen auf den illegalen Krieg Russlands in der Ukraine mit umfassenden Sanktionen und umfangreicher militärischer und finanzieller Unterstützung für die Ukraine. Verstöße gegen das Völkerrecht durch die Vereinigten Staaten und Israel bleiben jedoch unbeantwortet. Diese Komplizenschaft hat die Glaubwürdigkeit der EU weltweit untergraben.

Anstatt den Kurs zu korrigieren, scheint Ursula von der Leyen entschlossen, diesen Widerspruch noch zu vertiefen. In ihrer Ansprache vor den EU-Botschaftern Anfang März argumentierte sie, die EU dürfe sich nicht länger nur als Hüterin der alten Weltordnung sehen, sondern müsse "ihre Macht mit all unseren Instrumenten – seien sie wirtschaftlicher, diplomatischer, technologischer oder militärischer Natur – selbstbewusster zur Geltung bringen".

Europa braucht in der Tat echte Autonomie. Doch es ist eine gefährliche Illusion zu glauben, dass dies durch die Teilnahme an einem eskalierenden imperialen Wettstreit um militärische Macht erreicht werden kann.

Die Gefahr einer umfassenderen globalen militärischen Eskalation ist real. Doch Geschichte ist kein Schicksal. Phasen der Verschärfung sind auch Phasen der Möglichkeiten. Wo immer Arbeiter streiken, wo immer Menschen sich gegen Sparpolitik erheben, wo immer sich Bewegungen gegen Krieg und Ausbeutung organisieren, entstehen Gegenkräfte.

Entscheidend ist Einheit. Nicht taktische Zersplitterung. Nicht ritualisierte Spaltung. Sondern internationale Solidarität. Gewerkschaften, soziale Bewegungen und linke Parteien müssen ihre Kräfte bündeln. Der Konflikt ist global. Die Antwort muss es auch sein.

https://www.european-left.org/

Foto oben: Washington, 5.3.2026: Donald Trump lässt sich im Oval Office von einem Gebetskreis evangelikaler Gotteskrieger durch Handauflegung segnen.

Ratschlag 2026 04 18 Logo

Infos: hier
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Neues von der Solidaritätskampagne: Abdeckplanen zum Schutz vor Regen. Gaza wird nicht vergessen!

Gaza Soliaktion Regenplanen 2025 12 2
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