26.01.2026: Chris Hedges, Pulitzer-Preisträger, Bestsellerautor und Aktivist, und Craig Mokhiber, Ex-Leiter des UN-Menschenrechtsbüros in New York, kommentieren die aktuelle Entwicklung in den USA: "Was der Rest von uns jetzt erlebt, ist das, was Aimé Césaire als imperialen Bumerang bezeichnet hat."
Chris Hedges:
Die Morde an unbewaffneten Zivilisten auf den Straßen von Minneapolis, darunter auch der heutige Mord an dem Intensivpfleger Alex Jeffrey Pretti, würden die Iraker in Falludscha oder die Afghanen in der Provinz Helmand nicht schockieren. Sie wurden jahrzehntelang von schwer bewaffneten amerikanischen Hinrichtungskommandos terrorisiert. Auch keiner meiner Schüler, die ich im Gefängnis unterrichte, würde davon schockiert sein. In armen Stadtvierteln tritt die militarisierte Polizei ohne Durchsuchungsbefehl Türen ein und tötet mit derselben Straffreiheit und mangelnden Rechenschaftspflicht.
Was der Rest von uns jetzt erlebt, ist das, was Aimé Césaire als imperialen Bumerang bezeichnet hat. Imperien wenden, wenn sie zerfallen, brutale Formen der Kontrolle gegenüber denen an, die sie im Ausland unterwerfen, oder gegenüber denen, die von der breiteren Gesellschaft im Namen von Recht und Ordnung im eigenen Land dämonisiert werden.
Die Tyrannei, die Athen anderen auferlegte, so Thukydides, wurde schließlich mit dem Zusammenbruch der athenischen Demokratie Athen selbst auferlegt.
Aber bevor wir Opfer des Staatsterrors wurden, waren wir Komplizen. Bevor wir moralische Empörung über die wahllose Tötung unschuldiger Menschen zum Ausdruck brachten, tolerierten wir dieselben Gestapo-Taktiken und feierten sie oft sogar, solange sie sich gegen diejenigen richteten, die in den von uns besetzten Ländern lebten, oder gegen arme Menschen mit anderer Hautfarbe.
Wir haben den Wind gesät, jetzt werden wir den Sturm ernten.
Die Maschinerie des Terrors, die an denen perfektioniert wurde, die wir im Stich gelassen und verraten haben, darunter die Palästinenser im Gazastreifen, steht jetzt für uns bereit.
Craig Mokhiber:
Der imperiale Bumerang ist wahrhaftig nach Hause zurückgekehrt.
Dieselben Kräfte und Praktiken, die die Menschenrechte der Menschen in Palästina und im gesamten globalen Süden verletzen, werden nun auch gegen uns alle im Westen eingesetzt.
Während die Achse USA-Israel weltweit eine Spur des Blutes hinterlässt, werden hierzulande Menschen vom Staat überwacht, sanktioniert, von der Schule verwiesen, aus ihrem Job entlassen, von der Polizei geschlagen und verhaftet, von der Einwanderungsbehörde ICE entführt, deportiert und von der Regierung verleumdet – nur weil sie sich für die Menschenrechte einsetzen und sich gegen das israelische Regime und dessen von den USA finanzierte Apartheid und Völkermord aussprechen.
Jetzt terrorisiert und ermordet eine skrupellose Bundesmiliz Menschen auf offener Straße.
Wir leben im Bauch eines Ungeheuers, das die Idee der Menschenrechte im In- und Ausland zu verschlingen droht.
Das Ungeheuer wird von zwei korrupten Parteien, mitschuldigen Medienunternehmen, Konzernen, Tech-Oligarchen, Milliardären und skrupellosen Lobbys gestützt. Vor allem aber wird es durch die Apathie, Ignoranz und Untätigkeit unserer Nachbarn gestützt.
Die Zeit drängt.
Aber der Sieg der Tyrannei über die Gerechtigkeit ist nicht unvermeidlich.
Dies ist unser Augenblick der 1930er Jahre. Lesen Sie Geschichte. Finden Sie Mut. Leisten Sie Widerstand.
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