11.05.2026: US-Außenminister Marco Rubio zur Audienz im Vatikan, um die wachsende Kluft zwischen dem Weißen Haus und Papst Leo XIV. zu überbrücken ++ der Theologe Kuno Füssel befasst sich mit dem fundamentalen Gegensatz zwischen US-Präsident Trump und Papst Leo XIV. und bewertet diesen im Lichte der marxistischen Religionskritik: "Die gar nicht geheime Offenbarung eines fundamentalen Gegensatzes."
Am Donnerstag vergangener Woche (7.5.) besuchte US-Außenminister Marco Rubio den Vatikan. Die Audienz mit Papst Leo XIV. und die Beratung mit Gespräche mit Kardinalstaatssekretär Pietro Parolin war eigens organisiert worden, um die wachsende Kluft zwischen dem Weißen Haus und Leo XIV. zu überbrücken. Eine Mission, die alle US-Medien bereits als "Tauwetter" bezeichnet haben – ein Begriff, der alles über den Ausgangspunkt aussagt: eine beispiellose, tiefe Eiszeit zwischen einer US-Regierung und dem Vatikan.
Doch Trump signalisierte, dass er nicht gewillt ist, das Eis schmelzen zu lassen. Achtundvierzig Stunden vor dem Besuch von Marco Rubio im Vatikan, griff der US-Präsident erneut den Papst an. In einem Interview mit dem konservativen Sender Salem News warf er ihm vor, mit seinen Positionen zum Krieg im Iran "viele Katholiken und viele Menschen in Gefahr zu bringen", und fügte hinzu, dass es dem Papst völlig recht wäre, wenn der Iran eine Atomwaffe hätte.
Es ist nicht der erste Seitenhieb und auch nicht der zweite: Trump hatte bereits auf Truth geschrieben, der Papst sei "schwach in Sachen Kriminalität" und "schrecklich in der Außenpolitik", und beanspruchte auf bizarre Weise das Verdienst seiner Wahl für sich: "Wenn ich nicht im Weißen Haus wäre, wäre Leo nicht im Vatikan."
Papst Leo XIV. reagierte gelassen und sagte, er habe keine Angst vor der Trump-Regierung und werde sich weiterhin gegen den Krieg stellen. Es sei die Mission der Kirche, das Evangelium und den Frieden zu predigen, sagte er. Im Vorfeld der Audienz hatte sich Papst Leo wiederholt gegen den Krieg in Iran ausgesprochen und zu einer Waffenruhe und Dialog aufgerufen. Er bekräftigte seine Ablehnung von Atomwaffen. "Die Missione der Kirche ist es, das Evangelium zu verkünden, den Frieden zu verkünden. Wenn mich jemand dafür kritisieren will, dann soll er dies mit der Wahrheit tun."
"Die Mission der Kirche ist es, das Evangelium zu verkünden, den Frieden zu verkünden. Wenn mich jemand dafür kritisieren will, dass ich das Evangelium verkünde, dann soll er dies mit der Wahrheit tun. Die Kirche spricht sich seit Jahren gegen alle Atomwaffen aus, daran besteht also kein Zweifel, und daher hoffe ich einfach, dass man mir um des Wortes Gottes willen Gehör schenkt."
Papst Leo XIV.
Die Spannungen lassen nach, Meinungsverschiedenheiten bleiben bestehen
Nach den Gesprächen von Rubio mit Papst Leo und Kardinalstaatssekretär Pietro Parolin bezeichnete der Vatikan das Treffen als "freundschaftlich und konstruktiv", während US-Quellen von "soliden Beziehungen" und einem "gemeinsamen Engagement für den Frieden" sprachen. Versöhnliche Töne, die jedoch den grundlegenden Gegensatz nicht auslöschen. Der wichtigste Passus in der Erklärung des Vatikans ist derjenige über die "Notwendigkeit, unermüdlich für den Frieden zu arbeiten".

Hinter der zurückhaltenden Sprache der Diplomatie lässt sich eine klare politische Botschaft erkennen: Die Audienz des US-Außenministers beim Papst diente dazu, eine wachsende Spannung einzudämmen und zu verhindern, dass die Meinungsverschiedenheiten in der Öffentlichkeit eskalieren und eine Auseinandersetzung in einen offenen Konflikt verwandeln.
Unterdessen hat Leo XIV. – mit einem Timing, das kaum zufällig ist – drei Bischofsernennungen in den Vereinigten Staaten vorgenommen, die wie aus einem Seminar zum Widerstand gegen MAGA stammen. Den drei neuen Bischöfen ist gemeinsam, dass sie sich öffentlich kritisch gegenüber der Trump-Regierung und ihren Anhängern geäußert haben.
Der symbolträchtigste unter ihnen ist Evelio Menjivar-Ayala, 55 Jahre alt, aus El Salvador, der zum neuen Bischof von Wheeling-Charleston in West Virginia, einer Hochburg der Republikaner, ernannt wurde. Seine persönliche Geschichte ist eine lebendige Antwort auf Trumps Rhetorik zur Einwanderung: Er kam 1990 als Junge in die USA, versteckt im Kofferraum eines Autos, nach zwei gescheiterten Versuchen, einer kurzen Inhaftierung in Mexiko und einer strapaziösen Wüstendurchquerung. Bevor er die Gelübde ablegte, lernte er Englisch auf der Straße, arbeitete als Hausmeister und als Maurer. Vergangenes Jahr schrieb er einen Leitartikel im National Catholic Reporter, in dem er die Einwanderungspolitik der Regierung als eine "Shock-and-Awe"-Kampagne bezeichnete, bestehend aus "aggressiven Operationen von zweifelhafter Rechtmäßigkeit, die weit über die bloße Anwendung der Einwanderungsgesetze hinausgehen".
Am 1. Mai ernannte der Papst Robert Boxie III zum Weihbischof von Washington, Er ist der jüngste Bischof der Vereinigten Staaten und der erste Afroamerikaner, der diese Rolle seit einem Jahrzehnt bekleidet. Als katholischer Kaplan in Harvard, der Universität, die seit dem ersten Tag seiner zweiten Amtszeit im Visier von Trump steht, verurteilte er öffentlich die Angriffe auf die Programme für Vielfalt, Gerechtigkeit und Inklusion (DEI).
Gary Studniewski, der Dritte auf der Liste, bezeichnete den Sturm auf das Kapitol am 6. Januar 2021 als "sehr beunruhigend, sehr bedrückend".
Drei Ernennungen, drei Biografien, drei öffentliche Positionen, die ein genaues Bild davon zeichnen, wo die Kirche von Papst Leo im Verhältnis zum Weißen Haus unter Trump steht. Der Angriff von Trump auf den Papst hatte nicht die erhoffte Wirkung: Anstatt die Kirche zu spalten, hat er Progressive und Traditionalisten um Leo XIV. vereint, der heute unter amerikanischen Katholiken beliebter ist als Trump.
Mit dem fundamentalen Gegensatz zwischen US-Präsident Trump und Papst Leo XIV. befasst sich Kuno Füssel:
Präsident Trump gegen Papst Leo XIV:
Die gar nicht geheime Offenbarung eines fundamentalen Gegensatzes
von Kuno Füssel / Andernach
Kuno Füssel ist katholischer Theologe, Anhänger der Befreiungstheologie, aktiv in der Initiative "ChristInnen für den Sozialismus" und Mitherausgeber von kommunisten.de
Der neue Papst
Papst Leo greift die "soziale Fahne" von Franziskus auf: "Land, Obdach und Arbeit sind heilige Rechte"
Seit dem 8. Mai 2025, ein in sich bereits denkwürdiges Datum, hat die katholische Weltkirche ein neues Oberhaupt: Kardinal Robert Francis Prevost wurde zum Papst gewählt und hat den Namen Leo XIV. angenommen. Er ist Nordamerikaner aus Chicago, lebte mit Unterbrechungen von 1985 bis 2023 in Peru, zuerst als Missionar, dann als Ausbildungsleiter seines Ordens und schließlich als Ortsbischof der Diözese Chiclayo. Als solcher wurde er 2023 in die Kurie nach Rom berufen.
Er hat neben der amerikanischen auch die peruanische Staatsbürgerschaft und entwickelte von daher eine besondere Sensibilität für die Probleme von Migranten.
In seinem Amt als Vorsitzender des Dikasteriums für die Bischöfe wurde er dann unter Papst Franziskus zum Kardinal und als solcher im Konklave vom 7.-8. Mai 2025 zum neuen Papst gewählt.
Kurz und auch so gut: Er kennt die USA, er kennt Lateinamerika, er kennt die päpstliche Kurie und spricht fließend mehrere Sprachen. Er kennt nicht nur seine Kirche, sondern auch die moderne Welt und wird sich demnächst auch zur KI äußern. Immerhin hat er auch Mathematik studiert, was auch in der Theologie die Präzision fördert.
siehe auch
Volksbewegungen treffen sich in Rom mit Papst Leo XIV.: Solidarität als Weg zu gerechterer Welt
Der friedenstheologische Diskurs
Bei diesem Diskurs geht es um mehr als nur um eine ethische Grundorientierung. Es geht um den Entwurf einer allgemeinen Lebensform, so wie es der hebräische Begriff Shalom und der arabische Begriff Salam ausdrücken, die ja nicht auf bloße Grußformeln reduziert werden dürfen.
Es ist nicht überraschend, wenn ein Papst, wie es Leo XIV. tat, gleich zu Beginn seiner Verlautbarungen die Sorge um den Frieden in den Vordergrund stellt. Das gehört seit mehr als 150 Jahren bei allen Päpsten zum Kernbestand ihrer Verlautbarungen. Aber bei Papst Leo XIV. fällt auf, dass er gleich bei seinem ersten öffentlichen Auftreten nach seiner Wahl auf der Loggia des Petersdomes einen eindringlichen Friedensappell formulierte. Man darf daher davon ausgehen, dass die Friedensfähigkeit von Menschen und Staaten bei den Anliegen des Papstes an oberster Stelle steht, was angesichts der geopolitischen Instabilität einleuchtet, aber insofern doch überrascht, weil damit innerkirchliche Reformprobleme, erwähnt seien nur Synodalität und Frauenordination, dahinter rangieren.
Der Konflikt des amtierenden US-Präsidenten mit dem Papst
Genau die Ermahnung zum Frieden ist dann auch der Auslöser einer wütenden Attacke von Donald Trump gegen den Papst, der seiner Unzufriedenheit mit dem neuen Papst bereits in einem plumpen Kommentar bei der Wahl dieses besonderen Nordamerikaners ins Papstamt Luft gemacht hatte.
Am 15. April 2026 meldet die Tagesschau der ARD: Donald Trump hat die Haltung des Papstes wegen dessen Kritik am Krieg gegen den Iran in einer Wutrede mit Attributen wie "schrecklich" und "schwach" verunglimpft, was bisher in der politischen Landschaft bei aller sich vorher bereits abzeichnenden Gegensätzlichkeit der Auffassungen zwischen dem amerikanischen Präsidenten und dem Papst in Rom, worauf gleich noch hinzuweisen ist, undenkbar schien.
Angesichts eines seit längerem verdächtig krankhaft agierenden US-Präsidenten fällt es allerdings schwer, hinter dieser absurden Attacke noch eine durchdachte Strategie ausfindig zu machen. Dem Ganzen die Krone aufgesetzt hat Trump dann als er in seinem Social-Media-Kanal zusätzlich noch ein KI-generiertes Bild postete, das ihn als krankenheilenden Messias porträtiert. Das hat zwar den Charakter einer perversen Entgleisung, stellt aber gerade als solche nur die eiskalte Zuspitzung der Instrumentalisierung zentraler christlicher Glaubensinhalte zur Erreichung der eigenen politischen Ziele dar. Entsetztes oder resigniertes Kopfschütteln über so viel eitle Selbstglorifizierung klärt aber die mehrfach antagonistische Situation nicht auf, was aber dringend nötig ist.
Donald Trump als Heiler (Me as a doctor)
Trump veröffentlichte am Sonntagabend, dem 12. April 2026, während seines Rückflugs von einem Wochenendaufenthalt in Florida auf seinem Truth-Social-Kanal zunächst einen längeren Angriff auf Papst Leo XIV. Trump bezeichnete den Papst als "schwach beim Thema Kriminalität" und "schrecklich für die Außenpolitik." 46 Minuten später folgte das Bild von Trump als Jesus-ähnliche Gestalt.
Er habe keine Angst vor der US-Regierung antwortete ruhig und gelassen Papst Leo. Er bewahrte so nicht nur die Ruhe, sondern deckte zugleich auch auf, dass diese Entgleisung wohl doch das Ziel hatte, Angst zu verbreiten.
Aber schon länger knirscht es erkennbar in den Beziehungen zwischen "Rom und Washington". Bereits im Vorjahr hatte Papst Leo XIV. die Migrationsgesetze von Trump als "extrem respektlos" gegenüber den Fremden kritisiert. In diesem Frühjahr mahnte er zur Einhaltung des Völkerrechts im Umgang mit Venezuela und kritisierte die Okkupationsgelüste bezüglich Grönland. Im Februar lehnte der Papst eine Beteiligung an dem von Trump einberufenen "Friedensrat" ab. Auch Trumps Einladung zum 4. Juli zur Feier des 250. Jahrestages der Unabhängigkeitserklärung von 1776 schlug der Papst aus, wobei er die sehr bezeichnende Entschuldigung angab, er werde an diesem Tag nach Lampedusa reisen. Das war deutlich genug und brachte nun das Fass der Trumpschen Gereiztheit zum Überlaufen.
Der eher sanft anmutende, aber doch sehr entschlossene Papst Leo hatte dies aber wohl miteinkalkuliert, denn er hat ja keine Angst vor der Trump-Regierung und reizt auch gerne die Karten der Diplomatie bis zur letzten aus.
Die staatstheoretischen Aussagen des hl. Augustinus als wichtige Referenz
Durch sein Leben und auch seine Karriere im Augustinerorden hat Papst Leo entsprechend profunde Kenntnisse der Lehren des hl. Augustinus (+430), Bischof von Hippo in Nordafrika, das deswegen Papst Leo ja auch bei seiner jüngsten Reise nach Algerien bewusst aufsuchte.
Diese Kenntnisse werden von der wissenschaftlichen Seite her noch besonders gestärkt durch seine lebenslange Freundschaft mit dem heutigen Herausgeber des internationalen Augustinus-Lexikons, Robert J. Dodaro.
Beim Thema der Friedensproblematik dürften vor allem die Ausführungen von Augustinus in seinem Hauptwerk "De civitate Dei =über den Gottestaat" zur Gerechtigkeit als notwendiger Grundlage eines menschenwürdigen Staatswesens dem Papst vor Augen gewesen sein. Am 26. August 2025 hatte er schon bei einer Ansprache vor einem Netzwerk von Parlamentariern diesen ausdrücklich die Lektüre von "De civitate Dei" ans Herz gelegt.
Es lohnt sich, aus den Überlegungen des Augustinus eine ganz besondere Stelle ganz zu zitieren, die bei uns Theologiestudierenden 1968 mit Begeisterung in der Auseinandersetzung mit den lokalen Autoritäten eingesetzt wurde:
"Was sind überhaupt Reiche (Reich = imperium), wenn die Gerechtigkeit fehlt, anderes als große Räuberbanden? Sind doch auch Räuberbanden nichts anderes als kleine Reiche. Sie sind eine Schar von Menschen, werden geleitet durch das Regiment eines Anführers, zusammen gehalten durch Gesellschaftsvertrag und teilen ihre Beute nach Maßgabe ihrer Übereinkunft. Wenn eine solch schlimme Gesellschaft durch den Beitritt verworfener Menschen so ins große wächst, dass sie Gebiete besetzt, Niederlassungen gründet, Staaten erobert und Völker unterwirft, so kann sie mit Fug und Recht den Namen »Imperium« annehmen, den ihr nunmehr die Öffentlichkeit beilegt, nicht als wäre die Habgier erloschen, sondern weil Straflosigkeit dafür eingetreten ist." (De civitate Dei, IV,Nr.4)
Es springt ins Auge, dass Augustinus hier mit Sarkasmus den Aufstieg des Imperium Romanum von einer "Räuberbande" zum Weltreich, was in den folgenden Kapiteln seines Werkes dann mit Belegen ausführlich untermalt wird, aufs Korn nimmt. Er schildert aber damit auch exakt einen durch die Suspendierung der Gerechtigkeit ermöglichten, expandierenden Unterwerfungsprozess, der auch für die modernen Unterwerfungs- und Ausbeutungsprozesse den Namen, nämlich Imperialismus, geliefert hat.
Der Papst macht sich mit seiner Kritik die Scharfsicht seines Ordensgründers zu eigen und treibt prompt die modernen Organisatoren der kapitalistischen Räuberbanden zur Weißglut. Auch in der Antike gibt es also Quellen der Imperialismuskritik, man muss sie nur kennen und aus ihnen schöpfen.
In seinem ersten Lehrschreiben, das am 4. Oktober 2025 unter dem Titel "Dilexi te" (=Ich habe dich geliebt) über die Liebe zu den Armen veröffentlicht wurde, hatte der Papst insbesondere der Einstellung von Augustinus zu den Armen ein eigenes Kapitel gewidmet.
Es entbehrt nicht der Ironie, dass Trumps Vizepräsident J.D. Vance, der mit 35 Jahren 2019 zum römischen Katholizismus konvertierte und sich seitdem als Sprachrohr eines extrem integralistischen und postliberalen Katholizismus geriert, sich durch die Publikation einer völlig abwegigen Interpretation des Gebotes der Nächstenliebe bereits die Kritik des damaligen Kardinals Prevost zugezogen hatte. Vance hatte doziert, dass es im katholischen Glauben eine Hierarchie der Liebe gäbe: Man liebt zunächst die Familie, dann den unmittelbaren Nächsten, dann das eigene Land und schließlich könne man auch noch den Rest der Welt und die Fremden lieben. Der Kurz-Kommentar von Kardinal Prevost in einem Interview: "J.D Vance is wrong!."
Eine Bewertung im Lichte der marxistischen Religionskritik
Bei der Auseinandersetzung zwischen dem Papst und Trump mit Gefolge wird kein Kampf ausgefochten, wie in den Medien bisweilen thematisiert, zwischen Moral, vertreten durch den religiösen Führer, einerseits und Macht, repräsentiert durch den Präsidenten der westlichen Führungsmacht, anderseits. Denn der Papst ist – salopp gesagt, nicht ohnmächtig und auch Trump nicht völlig unmoralisch. Es handelt sich vielmehr um eine fast lehrbuchreife Inszenierung des ideologischen Klassenkampfes, in diesem dann allerdings um sehr unterschiedliche Ebenen und Aspekte. Vor allem aber spielen die Kontrahenten nicht mit dem gleichen Einsatz und auf das gleiche Ergebnis.
Präsident Trump geht es vor allem um die Eroberung von Hegemonie mit allen Mitteln und auf allen Ebenen der Gesellschaftsformation, also in der Ökonomie, in der Politik und in der Ideologie, in die hier ohne Wertung auch die Religion eingeordnet sein soll. Nachdem er diese Hegemonie in den Instanzen Ökonomie und Politik zu haben glaubt, peilt er nun die dritte Instanz an. Da populistisch fundamentalistisch gefärbte Varianten christlicher Kirchen in den USA in der Politik eine erhebliche Rolle spielen, bietet es sich an, den mächtigsten religiösen Führer der Welt herauszufordern. Diese Annahme beansprucht nicht den Status einer seriösen Forschungshypothese, ist aber relativ plausibel.
Washington, 5.3.2026: Donald Trump lässt sich im Oval Office von einem Gebetskreis evangelikaler Gotteskrieger durch Handauflegung segnen.
Dem Papst hingegen geht es um den überzeugenden Erweis der Wahrheit des Evangeliums von Liebe und Gerechtigkeit für diese Welt und in dieser Welt, abgekürzt formuliert um das Reich Gottes als die Verwirklichung einer messianischen Alternative im Kontrast zu den bestehenden Gesellschaftssystemen.
Dies hat er in seinen langen Jahren in Peru durch sein Leben und seinen Kampf für die Armen und Ausgebeuteten, wobei er auch handfeste Konflikte mit der Regierung nicht scheute, praktisch unter Beweis gestellt. Seine Option für die Armen stand nicht nur im Predigttext, sondern verkörpert als Bischof mit Stiefeln im Wasser einer die Armenviertel bedrohenden Überschwemmung.
Wieso können wir hier auch von einer Form des Klassenkampfes sprechen?
Trump und Co, vor allem J.D. Vance und Peter Hegseth (aber auch Peter Thiel wäre hier einzugemeinden) instrumentalisieren Elemente der christlichen Weltanschauung zur ideologischen Herrschaftsabsicherung und auch zur Rechtfertigung von Kriegen gegen die "Schurkenstaaten". Hier werden vor allem eschatologische Vorstellungen von einem Endkampf zur Vernichtung des Bösen passend zugeschnitten.
US-Außenminister Marco Rubio trägt bei einem Interview mit Fox News ein sichtbares Aschekreuz auf seiner Stirn – eine alte katholische Tradition. Doch das Bekenntnis Rubios gilt zwar dem Namen, nicht aber seiner Qualität nach dem Katholizismus. Bei Rubio ist das Kreuz nicht wie ein Bekenntnis zu Demut und Vergebung, sondern wie das, wozu es seit Jahrhunderten in der Kirchengeschichte missbraucht wurde: ein Machtsymbol.
Screenshot Fox News, 06.03.2025, https://youtu.be/LwD9Qa7X7Ns
Trump möchte das Christentum zu einem ideologischen Staatsapparat umbauen, der die Reproduktionsbedingungen des Kapitals garantiert und erweitert. Dies erstreckt sich von der Usurpation pastoraler Praktiken in den Gemeinden vor Ort in Form von MAGA-Jubelfeiern bis hin zur theologischen Legitimation der Vernichtung des Gegners.
US-Kriegsminister Peter Hegseth führt dies paradigmatisch vor, wenn er immer wieder die GI`s auffordert, mit unerbittlicher Gewalt im Vertrauen auf Jesus Christus gegen die Feinde vorzugehen, die keine Gnade verdienten. Er dokumentiert diese an die Kreuzzüge erinnernde Denkweise, indem er selber deren Spruch "Gott will es –Deus vult" tätowiert auf dem Arm trägt.
Sobald US-Kriegsminister Pete Hegseth seinen Oberarm zeigt, wird die Agenda offensichtlich. Denn dort hat der US-Verteidigungsminister die Parole "Deus Vult“ tätowiert, auf Deutsch: "Gott will es". Es war die Parole der Kreuzzüge.
In dieser Form fällt die christliche Religion nahtlos unter das Verdikt der marxistischen Religionskritik, als reines Überbauphänomen die Widerspiegelung der verkehrten gesellschaftlichen Verhältnisse zu sein, die dann auch mit verschwindet, wenn die verkehrten Verhältnisse aufgehoben sind.
Karl Marx hat eine andere Form von Religion nicht näher thematisiert (aber auch nicht kategorisch verneint), dass eine emanzipatorische Religion zum Ferment einer revolutionären Veränderung werden kann, was die Auffassung der Theologie der Befreiung ist, durch die Papst Franziskus und Papst Leo theologisch geprägt wurden.
Diesen theologischen Ansatz konnten Päpste wie Johannes Paul II. und Benedikt XVI. nie mit vollziehen, was nur beweist, dass die Klassengegensätze sich bis ins päpstliche Lehramt fortsetzen können, was überhaupt nichts Neues ist. Der Gegensatz zwischen einem "imperial-idolatriekompatiblen Christentum und einem prophetisch messianischen Christentum" (Urs Eigenmann) prägt die Kirche seit der sog. konstantinischen Wende als die Kirche (313 n.Chr.) als verfolgte Staatsfeindin durch den Kaiser in das genaue Gegenteil einer Staatskirche umgewandelt wurde. Eine "Wandlung" der besonderen Art, eher "unheilig" als "heilig".
Als überzeugter Anhänger der messianischen Alternative hoffe ich, dass Papst Leo XIV. seiner Linie des Protestes und des Kampfes gegen "alle Verhältnisse, in denen der Mensch ein erniedrigtes und geknechtetes Wesen ist" treu bleibt.
Der Artikel von Kuno Füssel ist auch bei Kommnet – Netzwerk kommunistische Politik veröffentlicht: https://kommnet.de/praesident-trump-gegen-papst-leo-xiv-die-gar-nicht-geheime-offenbarung-eines-fundamentalen-gegensatzes/
Foto oben: Papst Leo XIV. mit Teilnehmer:innen aus Palästina beim fünften Welttreffen der Volksbewegungen (21. bis 26. Oktober 2025) (siehe kommunisten.de: "Volksbewegungen treffen sich in Rom: Solidarität als Weg zu gerechterer Welt")
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