Die Regierung gewinnen und nicht die Macht haben

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Bolivien Polleras contra MilitaresVon Josué Veloz Serrade (Cuba)      

22.11.2019: Die Regierung zu gewinnen und nicht die Macht zu haben, das ist die Realität aller Prozesse, die alternative Gesellschaften zum gegenwärtigen Kapitalismus aufbauen wollen. Dies ist eine Gegebenheit, die durch die sukzessive Ansammlung von Macht langsam überwunden werden muss. Der Weg dorthin und die Zeit, die benötigt wird, um die Regierung des Volkes in eine revolutionäre Macht zu verwandeln, hängen von vielen Variablen ab.

Alle Taktiken, die während einer Regierung der Mehrheit der Bevölkerung eingesetzt werden, müssen zwei Grundprinzipien folgen: Zeit zu gewinnen in Bezug auf die Bourgeoisie, die hauptsächlich in den dominanten Gruppen und Unternehmen zum Ausdruck kommt, und die Bevölkerung sukzessive mit Instrumenten der Macht auszustatten.

Diese Instrumente reichen von einer vorteilhaften öffentlichen Politik, in der Bildung und Erziehung mit einer revolutionärer Ideologie neuer Art unerlässlich ist, bis hin zu Formen kollektiver Organisation, in denen die neu entstehende Gesellschaft gelebt und erlebt werden und in denen das kollektive Projekt verteidigt werden kann. Für letzteres ist es notwendig, die Bevölkerung in zivil-militärischen Maßnahmen zu schulen, die angesichts widriger Umstände, unter denen die herrschenden Klassen die Regierung mit Gewalt zurückerobern wollen, sofort eingesetzt werden können.

  Bolivien Trauerzug 2019 11 21  
 

Bolivien, 21.11.2019: Zehntausende Menschen begleiten die Särge der Opfer des Massakers durch Militär und Polizei in Senkata am 19. November 2019, als das Militär mit scharfen Schüssen und Tränengas auf den Trauermarsch vorgeht. Die Putsch-Regierung von Jeanine Añez respektiert weder die Toten in ihren Särgen noch ihre Familien, Frauen und Kindern. Der Charakter einer Militärdiktatur tritt immer deutlicher hervor.

https://twitter.com/evoespueblo/status/1197620258724560896

eingefügt von kommunisten.de

 

 

Die Erfahrung des Zyklus der fortschrittlichen Regierungen einiger Jahre, zeigt uns, dass wir ohne die Macht alternativer Medien und ohne große Konstruktionen von neuartigen Kollektiven sind, bei denen der Horizont einer gerechten und egalitären Gesellschaft eine gemeinsame und tägliche Erfahrung wäre.

Der strategische Horizont ist immer eine gerechte Gesellschaft ohne Klassen, in die man durch sukzessive Annäherungen und durch einen harten Kampf gelangen würde, und in der jeder entsprechend seinen Fähigkeiten gibt und jeder nach seinen Bedürfnissen bekommt. Jede revolutionäre politische Bewegung muss mit ihren Aktionen die Mittel und Wege suchen, damit die Bevölkerung, die großen Mehrheiten, dieses Projekt aufgreifen und dafür kämpfen.

Man muss sich bewusst sein, dass wir uns immer auf diese finale Konfrontation vorbereiten müssen; dass diese Konfrontation nicht die Folge davon ist, dass etwas bei uns schiefgelaufen ist. Alles, was in einer Revolution in die Praxis umgesetzt wird, bevor die Macht errungen ist, zielt darauf ab, sich auf diesen Moment vorzubereiten und zwar so, dass wir einen Sieg erringen, von dem sich die Bourgeoisie und Imperialisten nicht mehr erholen können.

Nach so langem Kampf sollten wir sehr wohl wissen, dass der Kapitalismus nicht am menschlichen Leben und natürlich noch weniger an der Demokratie interessiert ist. (…)

Wenn der dauerhafte und entscheidende Faktor das Volk ist, steigt man nicht aus dem Auto der Revolution aus, wenn es auf der Straße bereit ist, alles zu tun, um das Wenige und Viele zu verteidigen, was es von dieser Gesellschaft kannte, von der wir alle träumen. Die Menschen gehen hinaus, um für diesen unrealisierten Horizont zu kämpfen, aber sie empfinden die Möglichkeit - durch das was erobert wurde oder was erobert werden soll.

Bolivien Cinco lecciones zum Thema
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Heute ist das grundlegende Problem unserer Völker das ihrer politischen Führung. Diese ist nicht auf der politischen und revolutionären Höhe der Massen auf unserem Kontinent. Dies demonstrieren die verschiedenen popularen Mobilisierungen, die wir in Ecuador, Chile und jetzt in Bolivien erleben.

Die »Roten Ponchos« in Bolivien sagten, sie würden Fernando Camacho gefangen nehmen, einen der Führer des Putsches an der Spitze des »Bürgerkomitees« von Santa Cruz, der die indigenen Ureinwohner mit jahrhundertjähriger Verachtung und Rassismus »Indios« nennt. Die Tupac-Katari-Bewegung schlug Evo Morales und Alvaro García Linera vor, in einem Akt die Bürgermeisterämter zu übernehmen. Die Menschen wissen Dinge, von denen ihre Führer nichts zu wissen scheinen.

Eines ist sicher: Keine "Alameda" (Pappelallee) wird von selbst entstehen, und wenn die Menschen auf die Straße gehen nachdem sie mit 47 Prozent ihrer Stimmen gewählt haben, ist nur eines angemessen, auf die Straße zu gehen, um zu gewinnen oder zu sterben.

Kampf um das Leben von Evo, um die Überwindung der Fehler, die die Regierung und das Projekt der MAS (Bewegung zum Sozialismus) beendet haben (Aufnahme der OAS und Annahme ihrer "Vorschläge", fortgesetzte Zugeständnisse angesichts des zunehmenden Drucks der pro-imperialistischen Rechten, Schwankungen angesichts der Dringlichkeit, den Menschen Mittel zur Verteidigung ihrer Errungenschaften zur Verfügung zu stellen, etc.) und wegen der Radikalisierung des revolutionären Prozesses in dem Land, in dem Che fiel, werden ab heute zur unausweichlichen Aufgaben aller Revolutionär*innen der Welt, aller integeren Menschen.

Quelle: https://medium.com/la-tiza/ganar-el-gobierno-y-no-tener-el-poder-151c784f63be

kommunisten.de veröffentlicht den Artikel mit der Erlaubnis des Autors mittels https://creativecommons.org/licenses/by-nc-nd/2.5/es/
eigene Übersetzung


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