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Algorithmus 115.12.2021: Meta-Imperium. Wer entscheidet, was wir auf den Plattformen sehen? Giovanna Branca über die undurchsichtige Funktionsweise des "Rankingsystems" bei Facebook: Zwischen Profit, Wut und Sympathie ++ "Enteignet Facebook": ZDF Magazin Royal am 10. Dezember 2021

 

 

Beiträge von Freund*innen, Werbung, virale Mitteilungen, Bilder von Kätzchen. Wer entscheidet, was wir sehen, wenn wir Facebook benutzen?

Laut der Whistleblowerin Frances Haugen ist das "Schlimmste" an der Plattform der Algorithmus. Im Jahr 2021 ist der "News-Feed-Algorithmus" in der Lage, bis zu 10.000 "Informationen" über die Vorlieben der Nutzer*innen zu sammeln: Was auf unserer Plattform erscheint, ist auf uns zugeschnitten, auf die Art und Weise, wie der Algorithmus unsere Vorlieben interpretiert hat, er verfügt über "Dossiers" mit Daten, die von trivialen Elementen unserer Identität - wie Geschlecht oder Alter - bis zu sehr detaillierten Details reichen, wie unsere Reaktionen auf bestimmte Beiträge, wie viel Zeit wir mit dem Lesen eines Artikels verbringen, welche Werbung unsere Aufmerksamkeit erregt. Die Software ist so komplex, dass sie besser bestimmen kann, was sie will, als die Nutzer*in selbst - zumindest nach Ansicht von Facebook, das seinen Status als absolute Kontrollinstanz für die Inhalte, die wir sehen, wenn wir mit dem sozialen Netzwerk verbunden sind, verteidigt.

Der Algorithmus, der den Newsfeed steuert, hat noch eine weitere Besonderheit: Er lernt automatisch, es ist nicht das menschliche Personal, das ihm die zu verarbeitenden Daten liefert - er wird "trainiert", um Muster zu lernen, Verbindungen herzustellen und auf dieser Grundlage Entscheidungen zu treffen. Seit geraumer Zeit ist die Undurchsichtigkeit, d. h. die Tatsache, dass die Elemente, die seiner Funktionsweise zugrunde liegen, nicht öffentlich bekannt sind, eines der meistdiskutierten Themen auf Facebook. Nach Angaben der Geschäftsführung der Plattform ermöglicht es die Verheimlichung, "böswilligen" Personen keine Anleitung zu geben, wie sie ihre Inhalte in den Vordergrund stellen können. Nick Clegg, Facebooks Vizepräsident für globale Angelegenheiten, sagte, dass der Algorithmus auch für die Moderation "gefährlicher" Inhalte verantwortlich sei, die sich sonst noch weiter verbreiten würden.

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 Die von Haugen gegen Facebook erhobenen Anschuldigungen und die von ihr offengelegten Dokumente, die als Facebook-Papiere bekannt geworden sind, zeigen jedoch ein viel komplexeres und beunruhigenderes Bild. Erstens steht, wie man auch ohne Whistleblower weiß, nicht die Sicherheit der Nutzer oder des demokratischen Prozesses an erster Stelle, sondern der Gewinn des Unternehmens. Es ist also die Gewinnmaximierung, die mehr als alles andere die Funktionsweise des Algorithmus bestimmt, der, wie die Washington Post schreibt, "die Informationslandschaft nach den Wünschen seiner Geschäftsleute formt". Die Software ist zwar "selbstlernend", aber es sind immer noch die Menschen, die ihr den nötigen Input geben, damit sie weiß, welche Daten sie nehmen und wie sie ihre Ziele bearbeiten soll.

Seit 2018 ist beispielsweise das Facebook-Ranking (das System, das die auf der Plattform geposteten Inhalte bewertet und dafür sorgt, dass sie an die Spitze gelangen oder im Gegenteil in Vergessenheit geraten) so angelegt, dass es das bevorzugt, was Zuckerberg als "signifikante Interaktionen" definiert hat, wobei signifikant nicht für interessant oder wichtig steht, sondern eine rein quantitative Bedeutung hat: diejenigen, die mehr Kommentare, Interaktionen, Reaktionen hervorrufen - d. h. Klicks, auf Facebook verbrachte Zeit, Geld von Werbekunden. Und oft sind diese Interaktionen die am meisten spaltenden - "Wut und Hass sind der einfachste Weg, mit dem Facebook wächst", so Haugen.

Es ist kein Zufall, dass die Whistleblowerin zu denjenigen gehört, die dem Algorithmus die Kontrolle über unsere Newsfeeds entziehen wollen. Diese Lösung steht im Mittelpunkt eines parteiübergreifenden Gesetzentwurfs, der vor einigen Tagen sowohl im US-Repräsentantenhaus als auch im Senat vorgelegt wurde: der Filter Bubble Transparency Act, der den Nutzer*innen die Möglichkeit geben würde, den Algorithmus zu deaktivieren und auf ihren Newsfeed so zuzugreifen, wie er in den ersten Jahren des Lebens der Plattform war: in einfacher chronologischer Reihenfolge.

txt: Giovanna Branca, il manifesto, 19.11.2021
eigene Übersetzung

 

Enteignet Facebook

Wie Facebook weltweit Demokratien zerstört
 
   
  ZDF Magazin Royale, 10.12.2021  

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