08.04.2026: Der Dienstag begann damit, dass Donald Trump in den sozialen Medien genozidale Drohungen gegen den Iran aussprach, und endete – nur zehn Stunden später – mit der Ankündigung eines 14-tägigen Waffenstillstands zu den Bedingungen des Iran.
"Öffnet die verdammte Meerenge, ihr verrückten Bastarde, oder ihr werdet in der Hölle schmoren" – diese Botschaft hatte Trump am Sonntag Sonntag (5.4.) nach Teheran geschickt. Am Dienstagnachmittag erreichten Trumps Drohung einen neuen Höhepunkt, als er ankündigte: "Heute Nacht wird eine ganze Zivilisation untergehen, um nie wieder zurückzukehren." (https://truthsocial.com/@realDonaldTrump/posts/116351998782539414, https://truthsocial.com/@realDonaldTrump/posts/116363336033995961)
Zehn Stunden später, nur eineinhalb Stunden vor Ablauf der von Trump gesetzten Frist, verkündete Trump einen zweiwöchigen Waffenstillstand, innerhalb dessen der Iran die Straße von Hormus wieder öffnen werde – die allerdings nie ganz gesperrt war.
Nach Trumps maximaler verbaler Eskalation hatten die USA keine Rückzugsmöglichkeit mehr, wäre es nicht zu einer Einigung mit dem Iran gekommen. Donald Trump sagte, er glaube, dass China dazu beigetragen habe, den Iran zu Waffenstillstandsverhandlungen zu bewegen, berichtete AFP. Ein Sprecher der chinesischen Botschaft in Washington erklärte dazu, China habe seit Beginn des Konflikts "daran gearbeitet, einen Waffenstillstand herbeizuführen und den Konflikt zu beenden".
Nahezu zeitgleich hatten China und Russland ihr Veto gegen eine Resolution des UNO-Sicherheitsrats eingelegt, die die Wiederöffnung der Straße von Hormus durch den Einsatz "aller notwendigen Mittel" legitimieren sollte.
Teheran und Trump bezeichnen den Waffenstillstand jeweils als ihren "Sieg"
Sowohl Donald Trump als auch iranische Regierungsvertreter bezeichnen das "beidseitige" Waffenstillstandsabkommen als Sieg.
Trump erklärte, die USA hätten mit dem zweiwöchigen Waffenstillstand einen "vollständigen und umfassenden Sieg" errungen. "Ein vollständiger und umfassender Sieg. 100 Prozent. Daran besteht kein Zweifel", sagte er am Dienstag in einem Interview mit der Nachrichtenagentur AFP.
Auch Iran beansprucht einen "großen Sieg" für sich und hebt hervor, dass die USA den iranischen 10-Punkte-Vorschlag als Grundlage für Verhandlungen akzeptiert haben.
In einer Erklärung des Obersten Nationalen Sicherheitsrat des Iran heißt es:
"Wir gratulieren dem gesamten iranischen Volk zu diesem Sieg und betonen, dass bis zur endgültigen Klärung der Einzelheiten dieses Sieges weiterhin Ausdauer und Besonnenheit seitens der Behörden sowie die Aufrechterhaltung der Einheit und Solidarität des iranischen Volkes erforderlich sind." (hier)
https://truthsocial.com/@realDonaldTrump/posts/116365796713313030
Der überraschendste Satz in Trumps Waffenstillstandspost ist, dass die folgenden Verhandlungen auf dem iranischen 10-Punkte-Vorschlag als einer "praktikable Grundlage" geführt werden sollen, und nicht auf Trumps 15 Punkten. Erst in einer späterem Post erwähnte Trump seinen 15-Punkteplan und bezeichnete CNN-Meldungen über den 10-Punkte-Vorschlag als betrügerisch, ohne näher darauf einzugehen. Er kritisierte CNN dafür, darüber berichtet zu haben und beschuldigte den Sender wegen Verbreitung von "Fake News".
CNN, 8.4.2026
Die zentralen Punkte des iranischen Vorschlags sind ein dauerhafter Friedensvertrag statt eines vorübergehenden Waffenstillstands, Sicherheitsgarantien, Aufhebung von Sanktionen, Wiedereröffnung der Straße von Hormus, Finanzierung des Wiederaufbaus durch Einnahmen aus der Straße von Hormus, Ende der israelischen Angriffe im Libanon und anderer regionaler Attacken.
Vorschlag der 10-Punkte Irans(basierend auf der Erklärung des Obersten Nationalen Sicherheitsrats
Quelle: Embassy of the I.R. Iran in Kabul, Afghanistan, 8.4.2026, eigene Übersetzung |
Trumps 15 Forderungen an den Iran
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Der iranische Außenminister Abbas Araghchi veröffentlichte auf X eine Erklärung, in der es heiß, das Militär des Landes werde während des Waffenstillstands die sichere Durchfahrt durch die Straße von Hormus koordinieren. Er erklärte außerdem, der Iran prüfe den 15-Punkte-Vorschlag der Vereinigten Staaten und Washington habe "den allgemeinen Rahmen" des iranischen 10-Punkte-Vorschlags "als Verhandlungsgrundlage" akzeptiert. (https://x.com/araghchi/status/2041655156215799821)
Die Vereinigten Staaten haben natürlich nicht allen zehn Punkten zugestimmt. Doch allein die Tatsache, dass Irans Rahmenvereinbarung die Verhandlungen bestimmen wird, stellt einen bedeutenden diplomatischen Sieg für Teheran dar.
Iran behält Kontrolle über Hormus
Noch bemerkenswerter ist, dass der Iran während des Waffenstillstands die Kontrolle über die Meerenge behalten und – gemeinsam mit Oman – weiterhin Transitgebühren von durchfahrenden Schiffen erheben wird. Tatsächlich scheint Washington eingeräumt zu haben, dass die Wiederöffnung der Wasserstraße mit einer stillschweigenden Anerkennung der iranischen Hoheitsgewalt darüber einhergeht.
Iran und Oman planen laut der halbstaatlichen iranischen Nachrichtenagentur Tasnim, während des zweiwöchigen Waffenstillstands Transitgebühren für Schiffe zu erheben, die die Straße von Hormus passieren. Laut Berichten werden Gebühren von 2 Millionen Dollar pro Schiff fällig, zahlbar in chinesischem Yuan.
Die geopolitischen Folgen könnten tiefgreifend sein. Teheran wird diese Position nutzen, um wirtschaftliche Beziehungen zu asiatischen und europäischen Partnern wieder aufzubauen – Ländern, die einst intensiv mit dem Iran Handel trieben, aber in den letzten 15 Jahren durch US-Sanktionen aus seinem Markt verdrängt wurden.
In diesem Zusammenhang ist aus der Sicht Teherans eine dauerhafte Beendigung seines Konflikts mit Israel untrennbar mit der Beendigung der israelischen Kriege im Gazastreifen und im Libanon verbunden. Dies ist kein wünschenswertes Zusatzziel; es ist eine Voraussetzung.
Doch Israel sperrt sich gegen einen Waffenstillstand in Libanon.
Das Waffenstillstandsabkommen gilt nicht für den Libanon, sagt Israel
Die Bekanntgabe des Waffenstillstands löste eine Welle der Frustration in Israel aus. Der israelische Oppositionsführer Jair Lapid greift Premierminister Benjamin Netanjahu öffentlich an. Dieser habe "politisch und strategisch versagt". "Es hat in unserer gesamten Geschichte keinen politischen Desaster dieses Ausmaßes gegeben. Israel war nicht einmal am Tisch, als Entscheidungen über den Kern unserer nationalen Sicherheit getroffen wurden", sagte Lapid. "Das Militär hat alles ausgeführt, was von ihm verlangt wurde, die Öffentlichkeit hat unglaubliche Widerstandsfähigkeit gezeigt, aber Netanjahu hat politisch und strategisch versagt und keines der Ziele erreicht, die er sich selbst gesetzt hat. Es wird Jahre dauern, den politischen und strategischen Schaden zu reparieren, den Netanjahu verursacht hat", fügte er hinzu.
Der Militärkorrespondent des israelischen i24-News-Kanals ist über den Verlauf von Beginn des Krieges bis zu jetzigen Zeitpunkt verblüfft. Er sagt: Wir haben diesen Prozess mit "Hilfe ist unterwegs" begonnen, dann sind wir zum Ziel "Regime stürzen" übergegangen. Von dort aus zu "ballistische Raketen und die nukleare Bedrohung eliminieren", indem wir langfristige Schäden an den militärischen Industrien zufügen. Und jetzt ist unser Ziel "die Straße öffnen" geworden (die aber vor Beginn des Krieges bereits offen war). "Wir werden die Erfolge und Misserfolge später überprüfen, aber der Abstand zwischen Ausgangspunkt und Endpunkt ist einfach verblüffend."
https://x.com/IsraeliPM/status/2041714156114456660
In dieser Zwickmühle zwischen der Position der USA und den ultrarechten Koalitionspartnern und der "Opposition", erklärte Netanjahu mit vierstündiger Verspätung, dass der Waffenstilstand für Libanon nicht gelte. "Der zweiwöchige Waffenstillstand umfasst nicht den Libanon", heißt es in einer Erklärung aus Netanjahus Büro am Mittwoch.
Die Position Israels steht im Widerspruch zu einer Erklärung des pakistanischen Premierministers Shehbaz Sharif, der bei der Aushandlung des Abkommens zwischen den USA und dem Iran mitgewirkt hatte und erklärte, das Abkommen schließe den Libanon ein. US-Präsident Donald Trump erwähnte den Libanon in seiner Erklärung nicht. Der Waffenstillstand gelte "überall, einschließlich des Libanon", erklärte Sharif.
Israel führt neben seinem Krieg gegen den Iran an der Seite der USA seit Anfang März einen groß angelegten Angriff im Südlibanon durch, der sich gegen die vom Iran unterstützten Hisbollah-Kämpfer richtet. Israel will das Gebiet bis zum Fluss Litani als "Sicherheitszone" dauerhaft besetzten. Israel in den letzten Wochen Häuser und Infrastruktur im Süden des Libanon dem Erdboden gleichgemacht. Nahezu eine Million Libanesinnen und Libanesen – 20 Prozent der gesamten Bevölkerung des Libanon - wurden aus dem Gebiet vertrieben und sollen auch nach Kriegsende nicht zurückkehren dürfen.
Seit dem 2. März sind bei israelischen Angriffen im Libanon mindestens 1.530 Menschen getötet worden, teilte das libanesische Gesundheitsministerium am Dienstag (7.4.) mit, darunter 130 Kinder.
Während die Hisbollah ihre Angriffe einstellte, nachdem Pakistan den Waffenstillstand angekündigt hatte, und dass der Waffenstillstand Libanon einschließe, intensivierte Israel seine Angriffe auf den Libanon. Mindestens zehn Luftangriffe trafen heute die südlichen Vororte Beiruts, Tyros, Nabatieh, Saida und das Bekaa-Tal. Bomben fielen auf mehr als dreißig Dörfer im Süden des Libanon.
100 Angriffe in 10 Minuten im gesamten Libanon, verkündet stolz das israelische Militär. "... hat die IDF den größten koordinierten Schlag in ganz Libanon seit Beginn der Operation Tobender Löwe abgeschlossen", posteten die IDF heute auf X. (8.4.2026, https://x.com/IDF/status/2041844695303696733)
Eine klare Botschaft, dass es von israelischer Seite kein Waffenstillstandsangebot gibt und dass es seine Angriffe auf zivile Gebiete eskaliert.
Iran droht mit Angriff auf Tel Aviv, falls Israel keinen Waffenstillstand im Libanon umsetzt Der Iranische Nationaler Sicherheitsrat erklärte, dass die Raketen-Einheiten angewiesen werden, anzugreifen, wenn der Waffenstillstand im Libanon nicht eingehalten wird.
Verhandlungen beginnen am 10. April
Nach Informationen des Obersten Nationalen Sicherheitsrates des Irans, das höchste sicherheitspolitische Entscheidungsgremium der Islamischen Republik, werden die Verhandlungen mit den USA am Freitag, den 10. April, in Islamabad beginnen.
Die bevorstehenden Gespräche in Islamabad zwischen Washington und Teheran könnten noch scheitern. Doch das Terrain hat sich verschoben. Trumps gescheiterter Einsatz von Gewalt hat die Glaubwürdigkeit amerikanischer militärischer Drohungen geschwächt und eine neue Dynamik in die Diplomatie zwischen den USA und dem Iran gebracht.
Washington kann immer noch mit dem Säbel rasseln. Doch nach einem gescheiterten Krieg klingen solche Drohungen hohl. Die Vereinigten Staaten sind nicht mehr in der Lage, Bedingungen zu diktieren; jede Vereinbarung muss auf einem echten Kompromiss beruhen.
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Statement Supreme National Security Council, 2026 04 08





