Wirtschaft

05.06.2026: Die bei der Kieler Rüstungswerft TKMS (ThssenKruppMarineSystems) gebauten U-Boote der israelischen Marine spielen eine entscheidende strategische Rolle in Israels andauerndem Krieg an mehreren Fronten zur Eroberung regionaler Dominanz ++ Völkerrecht und Völkermord spielen für die Bundesregierung und die Rüstungskonzerne keine Rolle

 

Aktuelle Medienberichte besagen, dass das gegenwärtig an Israel ausgelieferte U-Boot, die "Drakon", das mit einem luftunabhängigen Antrieb (AIP) für längere Unterwassereinsätze ausgestattet ist, Israels nukleare Erstschlagfähigkeit und seine maritime "Abschreckung" substanziell stärkt. Im aktuellen Kriegsgeschehen tragen Israels U-Boote zur Informationsbeschaffung, zur verdeckten Überwachung von Küstenlinien und zu Präzisionsschlägen mit Langstreckenraketen oder Torpedos bei. Ihre Tarnkappeneigenschaften ermöglichen es ihnen, wichtige Routen im Mittelmeer und im Persischen Golf zu patrouillieren. Berichten zufolge wurde mindestens ein U-Boot der Dolphin-Klasse im Golf stationiert.

Mit Drakon und Dakar wird Israels-U-Boot-Flotte weiter aufgerüstet

Israel baut seine U-Boot-Flotte kontinuierlich weiter aus. Ab 2027 soll die Dolphin-Klasse durch die neue Dakar-Klasse ersetzt werden. Erwartet werden mehr Platz für Spezialkräfte, moderne Aufklärungstechnik und unbemannte Systeme. Diese U-Boote können verschiedene Arten von Raketen abfeuern, insbesondere die in Israel entwickelten Popeye-Turbo-Marschflugkörper (SLCMs). Diese Raketen haben eine geschätzte Reichweite von mindestens 1.500 km und können mit Atomsprengköpfen ausgerüstet werden.[1]

Im Zusammenhang damit berichtete das "Handelsblatt" am 19.5.26 über eine Kooperation von TKMS mit Elbit-System zur gemeinsamen Entwicklung für Kriegsschiffe und Verteidigungssysteme auf See. Elbit Systems Ltd. ist ein israelischer Luft- und Raumfahrt- sowie Elektronikkonzern mit Sitz in Haifa. Er ist einer der größten Rüstungskonzerne Israels und gehört zu den drei größten Rüstungsexporteuren Israels.

Beide Unternehmen wollen ihre technologischen und industriellen Kompetenzen bündeln, um auf "neue Anforderungen im Bereich der maritimen Sicherheit zu reagieren", wie die Konzerne in einer Pressemitteilung am 18.5.26 bekannt gaben. So wird verständlich, wenn Israels Militärs ihre U-Boot-Flotte offen als "strategische Geheimwaffe" preisen.

Pikant an der TKMS-Elbit-Partnerschaft: Die Nato-Beschaffungsagentur NSPA schloss den israelischen Rüstungskonzern im vergangenen Jahr von neuen Vergabeverfahren wegen Korruptionsermittlungen ausdrücklich aus.

Israel ist ein bedeutender Kunde für TKMS

Für TKMS ist Israel seit Jahren ein wichtiger Kunde. Die Zusammenarbeit der beiden Länder auf dem Gebiet moderner U-Boote reicht Jahrzehnte zurück.

Die deutsch-israelische U-Boot-Kooperation nahm ihren Anfang in drei Booten der DOLPHIN I-Klasse. Diese Einheiten – mit diesel-elektrischem Antrieb – wurden zwischen 1999 und 2000 in Dienst gestellt, es folgten Brennstoffzellen-Boote der DOLPHIN-II-Klasse. Sechs Boote dieser Klasse wurden bis 2026 in Kiel gebaut und an die israelische Kriegsmarine ausgeliefert, aktuell die "Drakon". Die Lieferung der bisher letzten drei U-Boote an Israel war in die Kritik geraten, da dem israelischen Ministerpräsidenten Benjamin Netanyahu, einem seiner Berater und einem ehemaligen Minister Korruption vorgeworfen wird. Es war berichtet worden, dass ein Vertreter von ThyssenKrupp hochrangige israelische Regierungsbeamte bestochen habe, um den Auftrag für die U-Boote zu erhalten.

Der Vertrag über den Bau und die Lieferung von drei Booten der DAKAR-Klasse wurde Anfang 2022 unterzeichnet. Er umfasst neben der Lieferung der Boote auch die Einrichtung eines Simulators in Israel, logistische Unterstützung und die Lieferung von Ersatzteilen im Gesamtumfang von etwa 3 Mrd. Euro.

Nach Beginn des Gazakriegs Ende 2023 gerieten deutsche Waffenlieferungen an Israel stärker in den Fokus. Ein Video von israelischen Streitkräften zeigten Ende 2023, wie von TKMS gebaute Saar-6-Korvetten Ziele an der Küste des Gazastreifens beschossen. Die Debatte verschärfte sich zusätzlich, nachdem die Bundesregierung im Sommer 2025 angekündigt hatte, keine Waffen mehr zu genehmigen, die unmittelbar im Gazastreifen eingesetzt werden könnten. Dennoch liefen bereits bestehende Lieferprogramme weiter.

Kriegsschiffe TKMS schiessen auf Gaza

Handelsblatt, 31.8.2025

 

Völkerrecht und Völkermord spielen für die Bundesregierung und die Rüstungskonzerne keine Rolle.

Deutschland hat auch im ersten Monat nach Beginn des Irankriegs Rüstungsexporte nach Israel genehmigt . Wie aus Antworten des Bundeswirtschaftsministeriums auf mehrere Anfragen des Linken-Abgeordneten Ulrich Thoden hervorgeht, erteilte die Bundesregierung zwischen dem 28. Februar und dem 27. März Genehmigungen für Ausfuhren im Wert von 6,6 Millionen Euro.

Grundsätzlich verbieten die im Jahr 2000 beschlossenen und bis heute geltenden deutschen Exportrichtlinien die Lieferung von Rüstungsgütern in Kriegs- und Krisengebiete. Allerdings sind Ausnahmen möglich – etwa bei der Unterstützung der Ukraine und vor allem auch mit Blick auf Israel, da sich Deutschland der Sicherheit des jüdischen Staates besonders verpflichtet fühlt. Deswegen wird beispielsweise der Export von U-Booten nach Israel mit Steuergeld subventioniert. Die deutsche Regierung hat eine mögliche nukleare Rolle der gelieferten U-Boote nie öffentlich kommentiert. Der frühere deutsche Verteidigungsexperte Hans Rühle erklärte jedoch, man sei immer davon ausgegangen, dass Israel die Boote mit Atomwaffen ausrüsten wolle.

 

Elbit Hermes  

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Bereits im Juni 2024 hatten UN-Menschenrechtsexperten Unternehmen davor gewarnt, weiterhin Waffen und Munition an Israel zu liefern. Weitere Waffenlieferungen an Israel könnten als wissentliche Unterstützung von Operationen angesehen werden, die gegen die internationalen Menschenrechte und das humanitäre Völkerrecht verstoßen. Sie nannten mehr als 30 deutsche Firmen und Investoren, die nach ihren Angaben in Rüstungsfirmen investieren, mit Namen, darunter die deutschen Rheinmetall und ThyssenKrupp und die Alfried Krupp von Bohlen und Halbach-Stiftung. "Diese Unternehmen, die Waffen, Teile, Komponenten und Munition an die israelischen Streitkräfte liefern, riskieren, bei schweren Verstößen gegen die internationalen Menschenrechte und das humanitäre Völkerrecht mitschuldig zu werden", schrieben die Experten. Im November 2024 sah der Menschenrechtsausschuss der UN in Israels Kriegsführung die Merkmale eines Völkermordes erfüllt. (siehe kommunisten.de, 20.11.2024: UN-Ausschuss: Israels Vorgehen "entspricht den Merkmalen eines Völkermords")

Doch Völkerrecht und Völkermord spielen offensichtlich für die Bundesregierung und die Rüstungskonzerne keine Rolle. Israel tötet und zerstört weiter. Auch nach dem sogenannten Waffenstillstand geht der Krieg gegen die Menschen in Gaza weiter. Parallel versucht Israel durch ethnische Säuberungen im Westjordanland und jetzt auch im Libanon Fakten zu schaffen. Es scheint so, als wolle Israel die Gunst der Stunde nutzen, um mit Rückdeckung des US-Imperialismus und der Trump-Administration den zionistischen Traum eines Groß-Israels verwirklichen.

Auch von der IG Metall ist in der Debatte über die U-Boot-Lieferungen an Israel kein kritisches Wort zu hören: Keine Nachfragen, wie Liefer-Verträge mit dem im November 2024 vom Internationalen Strafgerichtshof erlassenen Haftbefehl gegen einen Kriegsverbrecher Netanjahu zu bewerten sind. Und es gibt auch das Urteil des Internationalen Gerichtshofes (IGH), wonach alle Staaten verpflichtet sind, die Besatzung Gazas als nicht legal anzuerkennen und keine Hilfe oder Unterstützung für ihre Aufrechterhaltung zu leisten.

txt: Günther Stamer

Anmerkungen

[1] Defence-Network.com Israels U-Boote: Deutsches Know-how als Geheimwaffe


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