"Immer noch Sturm" - Peter Handke setzt Partisanen literarisches Denkmal
25.12.2012: In den vergangenen Tagen las ich Peter Handkes "Immer noch Sturm". All denen, die noch einige Tage Muße vor sich haben und mal etwas anderes als Schweden- Dänen- oder Italienkrimis lesen möchten, kann ich nur zuraten, dieses Buch zur Hand zu nehmen – es zu lesen ist sowohl literarisch als auch zeithistorisch ein Gewinn.
Handke, im Dezember 70 Jahre alt geworden, wurde in den siebziger Jahren als einer der Superstars des bürgerlichen Feuilleton gefeiert und als Gegenpart zu den gesellschafspolitisch engagierten Literaten (wie z.B. Peter Weiss, Heinar Kipphardt, Uwe Timm oder Gerd Fuchs) als Repräsentant einer "neuen Innerlichkeit" und des "apolitischen" hochstilisiert. Lassen wir einmal dahin gestellt, dass diese Etikettierung schon damals mehr eine Wunschvorstellung war, als dass sie den Texten Handkes gerecht wurde. In den 90er Jahren wurde Handke dann vom bürgerlichen Literaturbetrieb unisono mit einem Bann belegt – hatte er es doch gewagt, im NATO-Krieg gegen Jugoslawien Partei für den angegriffenen Staat zu ergreifen. "Serbenfreund" und "jugophil" sind noch die harmloseren Attribute, mit denen er sich seither tituliert sieht.
01.12.2012: Interview mit dem Regisseur Mathias Meyers aus Mainz über seinen Film über die bekannten Widerstandskämpfer Ettie und Peter Gingold. Der Dokumentarflim “Zeit für Zeugen – Eine Hommage an Ettie und Peter Gingold” erinnert an das Lebenswerk von Ettie und Peter Gingold, die beide als junge Erwachsene während der Okkupation des faschistischen Deutschland in der französischen Widerstandsbewegung Résistance kämpften. Sie leisteten entschiedenen Widerstand unter Einsatz ihres Lebens, waren 1944 an der Befreiung von Paris beteiligt und blieben ihr Leben lang als Kommunisten und Antifaschisten in der BRD aktiv im Einsatz für eine freie und demokratische Gesellschaft. Insbesondere engagierten sie sich gegen jede Tendenz von neuem Faschismus, Antisemitismus und Rassismus. Als Zeitzeugen traten sie vor Schulklassen, Jugendgruppen und auf Demonstrationen und Kundgebungen auf. Der Film beinhaltet Interviews mit den Gingolds, historische Aufnahmen sowie Interviews mit 24 Weggefährten.
29.11.2012: In die Kindheit von Peter Paul Rubens wetterten die politischen und religiösen Konflikte der Gegenreformation heftig hinein. Sein Vater Jan Rubens (1530 – 1587) war Jurist. Er stammte aus einer angesehenen und vermögenden Antwerpener Familie, ebenso wie seine Frau Maria Pypelincks. Das nützte ihm wenig, als Jan Rubens in der Folge des Bildersturms vom August 1566 in Gefahr geriet, ebenso wie Egmond und Hoorn 1568 hingerichtet zu werden. Er fand zunächst in Köln Asyl und konnte hier als Anwalt tätig sein. Eine Mandantin war Anna von Sachsen (1544–1577). Ihr Gemahl, Prinzen Wilhelm von Oranien, betrieb die Scheidung. Unter Folter mußte Jan eine Affäre mit Anna gestehen und kam in Dillenburg in Haft. Seine Frau Maria konnte die Freilassung bewirken. Sie lebten in Siegen, als Peter Paul Rubens 1577 geboren wurde, später wieder in Köln, wo der Vater im Jahr 1587 starb. Als zehnjähriger Katholik kam Peter Paul Rubens nach Antwerpen zurück, besuchte dort eine Lateinschule und kam bei Malern in die Lehre.
28.11.2012: Wir dachten, ihn zu kennen. Aber in Wirklichkeit wissen wir nur sehr, sehr wenig über ihn, sagt seine Tochter Nora Guthrie über ihren Vater. Woody Guthries Leben erscheint wie ein Roadmovie: Die Kindheit in Oklahoma, zunächst ohne große materielle Sorgen, bis zum Absturz der Familie in der Zeit der Depression. Die Mutter, deren psychische Zerstörung durch die Nervenkrankheit Chorea Huntington lange nicht erkannt wird, stirbt 1929. Die 20er und 30er Jahre, die Woody Guthrie meist on the road, auf der Straße, zubringt und sich mit Gelegenheitsjobs über Wasser hält. Bruce Springsteens Geschichte vom Jack of all Trades, dem Hansdampf in allen Gassen, lässt grüßen.
29.10.2012: Am 27. Oktober starb in Dresden 86-jährig Hans Werner Henze. Dort war der in Westfalen gebürtige und seit 1953 in Italien lebende Komponist Gast der Semperoper, die ihm zu Ehren zur laufenden Spielzeit vielfältige Programmschwerpunkte realisiert. Für die stets aktuelle Antikriegsoper „Wir erreichen den Fluß“ (1976) hatten ihn die Dresdner im September gefeiert. Sichtlich erstaunt und erfreut über die große öffentliche Resonanz, begab sich Henze nach einem körperlichen Schwächeanfall in ein städtisches Klinikum. Am vergangenen Samstag erlag er dort seiner Krankheit.
13.10.2012: Während die Entscheider der Verleihung des Friedensnobelpreises wieder einmal ihre rückwärts gewandte, die Absichten Alfred Nobels missachtende und den westlichen Imperialismus stützende geistige Orientierung unter Beweis stellten, wurde mit dem Literatur-Nobelpreis für Mo Yan eine Wahl getroffen, die tatsächlich dem Literaten und dem sozialistischen China gerecht wird. Doch während im Westen seine künstlerischen Qualitäten kaum bestritten werden (Martin Walser etwa sieht ihn als "den wichtigsten Schriftsteller unseres Zeitalters" an), regte sich in anderen bürgerlichen Kreisen sofort die Kritik an dem Künstler, weil er diesen "zu fügsam gegenüber dem Regime" sei.



