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Dunkerque cgt 220914 metzroth 1672 30013.10.2014: "Wenn zweie eine Reise tun, dann könn`se was erleben". Zu den angenehmen Erlebnissen gehört es zweifelsohne, wenn man bei der Parkplatzsuche in Dunkerque (Frankreich) unvermittelt auf streikende und demonstrierende Kolleginnen und Kollegen der CGT trifft. Aber der Reihe nach. Unseren Besuch bei der Manifiesta der PTB 2014 im belgischen Bredene aan Zee hatten wir mit einer Woche Urlaub an der belgischen Küste verbunden. Diese für den Reisenden durchaus gängige Bezeichnung zu nutzen führt in Belgien manches mal zu Grotesken. So z.B. wenn flämische Nationalisten, wie ein gewisser Stefaan Sintobin vom Vlamse Blok, als Gegenleistung für 98.582 Euro jährliche Diäten sich darüber erregen, daß in der wallonischen Touristenwerbung nicht von der „flämischen Küste“ die Rede ist, sondern nur von „la côte“.

Diese Geschichte erzählt Peter Mertens, der Vorsitzende der PTB in seinem Bestseller „Wie können sie es wagen?“ Er weist dort nach, dass das, was bei uns in den Medien als „Sprachenstreit“ verharmlost wird, in Wirklichkeit ein Schüren des Nationalismus durch die Bourgeoisie ist, um ihren Sozialabbau besser durchsetzen zu können. Die PTB ist übrigens die einzige gesamtbelgische Partei, selbst die alte KP hatte sich in eine flämische und eine wallonische gespalten, erstere löste sich vor wenigen Jahren auf.

Aber zurück zur „côte de Flandre“, unter der man aber im französischen Sprachraum eben nicht die belgische Küste versteht, sondern jene Teile Westflanderns um Dunkerque in Frankreich, die wir uns mal ansehen wollten. Auf der Suche nach einem Parkplatz sahen wir über eine Hecke hinweg eine Fahne mit der Aufschrift „la cgt“. Wir parkten und folgten gleich der Fahne, die uns zu über 100 streikenden Kollegen und einigen Kolleginnen vor die „Chambre de Commerce et d´Industrie“ (entspricht wohl in etwa einer IHK) führte. Wir stellten uns den Kolleginnen und Kollegen als aktive ver.di-Mitglieder vor und erfuhren, worum es ihnen ging.

Die ehemalige BP Raffinerie prägt seit 80 Jahren die örtliche Industrie mit. 2010 verkaufte BP sie an die COLAS SA, welche ihren Sitz in Paris hat und weltweit im Straßenbau tätig ist und vor Ort u.a. Bitumen, Asphalt etc. produziert. Da „versprachen die ehrgeizigen Vorhaben des Konzerns COLAS, Weltführer im Autostraßenbau, eine verläßliche Zukunft. Und nun, siehe da, kaum 4 Jahre nachdem wir übernommen wurden, entscheidet er, uns mitten in der Sommersaison loszulassen, zu entsorgen, wie Köter am Straßenrand“, hieß es im Flugblatt der CGT. Jetzt soll das Werk geschlossen werden. 300 Arbeitsplätze sind bedroht durch eine Entscheidung, die Raffinerie aus rein finanztechnischen Erwägungen zu schließen.

Den Stadträten von Dunkerque halten die Gewerkschafter vor, daß sie vor vier Jahren den Aufkauf durch einen finanzkräftigen Konzern begrüßten. Colas ist unter den CAC 40, dem deutschen DAX 30 vergleichbar. Jetzt sollen sie gefälligst um den Erhalt der regionalen Industrie kämpfen. In den letzten 5 Jahren gingen wegen fehlender Arbeitsplätze bereits 5.000 Einwohner dem „bassin Dunkerquois“ verloren, die Arbeitslosigkeit läge offiziell bei 13%, täglich schlössen Geschäfte ihre Türen. Das gehe so weiter, wenn das „Abschlachten“ der Arbeitsplätze nicht gestoppt werde. Die Stadt von Jean Bart dürfe nicht zur Niedriglohnstadt werden.

„Seit viel zu langer Zeit lassen uns die Bosse ihre Krise ausbaden.

  • Die Stunde ist gekommen, daß wir die abhängig Beschäftigten, wir die „Zahnlosen“, sie „unsere Krise“ spüren lassen.
  • Es reicht nun. Wir haben die Schnauze voll, daß man uns am Arbeiten hindert. Wir wollen in Würde leben, nicht in der Prekarität!!!
  • Heute, noch mehr als jemals sonst, zählen unsere Gewerkschaft und die örtliche  Organisation der CGT auf Euch, um unseren Kampf zu unterstützen.

Man muß eine gemeinsame und solidarische Zukunft anvisieren, um stolz sein zu können, Dünkirchner zu sein!!!“

So der Appell am Ende des Flugblatts, dem die Streikenden später mit einer Demonstration durch die Stadt Nachdruck verliehen. „Verfolgen Sie unseren Kampf auf facebook: cgt srd dunkerque“ lautete die Schlußzeile.

Wir sahen uns dann doch noch etwas die Stadt an, u.a. das Denkmal jenes Jean Bart, den man hier in hohen Ehren hält. Der 2,04 m messende Seemann und Freibeuter in französischen Dienst befreite u.a. im niederländisch-französischen Krieg im 17. Jahrhundert eine von den Holländern auf Texel festgehaltene Handelsflotte mit Getreide für Frankreich. Schon die Kleinsten besingen heute noch die Taten des lokalen Idols. Auf die Spuren späterer Kriege und besonders der faschistischen Besatzung führten uns u.a. Tafeln am Fuße des Beffroi de Dunkerque. Eine erinnert an die zur Zwangsarbeit Verschleppten und dabei Umgekommenen. Von dem 58m hohen Turm genießt man einen herrlichen Ausblick über die Stadt, den Hafen, die Industriezone und das landwirtschaftliche Hinterland, alle 15 Minuten durch wechselnde Melodien des Glockenspiels untermalt.  Allgegenwärtig auch die Schlacht von Dünkirchen 1940, wo die faschistische deutsche Armee Hunderttausende Briten, Franzosen und Belgier eingekesselt hatte. Unter Zurücklassung ihres gesamten Materials konnten rund 340.000 nach England evakuiert werden. Wenn auch der Beitrag der Sowjetunion ausschlaggebend für die Befreiung Europas vom Faschismus war, so spielten diese Soldaten als Kader der britischen und später auch der französischen Armee eine wichtige Rolle in den weiteren Kämpfen gegen den Hitlerfaschismus.

Text/Fotos: Julia Monossowa / Volker Metzroth

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