Proteste gegen Werkschließung von Delphi Langenlonsheim
19.12.2012: Weit über 200 Beschäftigte von “Delphi Automotive Systems” in Langenlonsheim protestierten am 12. Dezember zunächst vor ihrem Werk, dann vor der regionalen BMW-Vertretung und abschließend auf dem Kornmarkt in Bad Kreuznach gegen die für Ende 2013 geplante Schließung der Produktionsstätte. Sie waren in den Streik getreten, weil sie Tage zuvor per Aushang am schwarzen Brett erfahren hatten, dass ab 2014 nur noch die Entwicklungsabteilung mit ca. 70 Beschäftigten bleiben soll. Nach Berechnungen des Betriebsrats wären inklusive betroffener Dienstleister im Werk ca. 350 Menschen und deren Familien direkt von der Schließung betroffen.
16.12.2012: Nach beträchtlichen Protesten der Beschäftigten der PROVINZIAL und ihrer Gewerkschaft ver.di gegen einen möglichen Verkauf ihres Unternehmens an den Allianz-Konzern ist mit dem Veto des Sparkassen- und Giroverbandes Schleswig-Holstein diese Option offensichtlich vorerst vom Tisch. Begonnen hatte die Auseinandersetzung damit, dass am 4. Dezember auf einer Sitzung des Aufsichtsrats der PROVINZIAL in Münster angeblich ein konkretes Übernahmeangebot der Allianz an den 2005 aus der Fusion der Provinzial in Kiel und Münster hervorgegangenen Versicherer vorläge. Laut 'Financial Times Deutschland' wäre die Allianz bereit, 2,5 Milliarden Euro für die Provinzial hinzublättern. Daraufhin hatten am folgenden Tag 1.000 Mitarbeiter der PROVINZIAL in Kiel gegen den hinter den Kulissen verhandelten Verkauf mobil gemacht und waren im Anschluss an die Betriebsversammlung (auf der die Beschäftigten weiter im Unklaren belassen wurden) durch die Kieler Innenstadt demonstriert.
13.12.2012: Genossen der Partij van de Arbeid (PVDA) aus Genk, Arbeiter vom dortigen Fordwerk, waren am vergangenen Dienstag zu Gast bei der DKP Köln. Das hatten wir bei einem kürzlichen Besuch dort vereinbart. Turnusmäßig wäre unsere Kreisvorstandssitzung dran gewesen. Die wurde um eine Stunde vorverlegt und der Tagesordnungspunkt „Der Kampf der Fordwerker gegen die Schließung des Werkes in Genk, Forderungen und Perspektiven“ kurzerhand öffentlich gemacht. Einige hundert Einladungen waren dazu vor dem Ford-Werk in Köln-Niehl verteilt worden.
30.11.2012: Die Belegschaft wurde vor einem Jahr am 26.11.2011 an ihrem Arbeitsplatz überfallen. Nein, nicht in Mexiko, wo sich die Ärmsten der Armen in Bandenkriegen um Drogen gegenseitig umbringen, sondern in Frankfurts „bester“ Einkaufsgegend, der Freßgass´. Die Akteure des Überfalls waren ein Dutzend Personen aus der Maredo-Zentrale, Rechtsanwälte und „Sicherheitsbeamte.“ Die Kollegen und Kolleginnen wurden angeherrscht, im Raum zu bleiben, durften weder auf die Toilette noch nach draußen gehen, mussten ihre Handys abgeben. Der Strom fiel aus, Dunkelheit - ein weiteres Mittel der Einschüchterung. Auf die Frage, was denn los sei, kam erstmal nichts, bald wurde aber klar, worum es vorgeblich ging: Die KollegInnen hätten das Unternehmen bestohlen, nicht bezahltes Essen zu sich genommen.
29.11.12: Die Presse meldet Widersprüchliches: „VW, Ford, Opel/Peugeot: Schwarzer Mittwoch für Europas Autobauer“ (FTD 25.10.), aber auch: „Europas Krise verpufft im VW-Reich“ (BZ/WN 25.10.). Fakt ist, der Autoabsatz in Europa geht weiter zurück: Frankreich -17,9 Prozent, Italien -25,7 Prozent, Spanien und Portugal satte 40 Prozent weniger. Griechenland wird gar nicht mehr erwähnt. Inzwischen ist auch der deutsche Markt betroffen. Und das Ende der Fahnenstange ist noch nicht erreicht. Die Politik der EU fährt, unter maßgeblichem deutschen Einfluss, die Volkswirtschaften der südlichen Mitgliedsstaaten voll gegen die Wand. Das fällt nun auch auf die deutschen Exporte zurück. Wer den Menschen keine existenzsichernde Arbeit und Einkommen gibt, wird ihnen auch nichts verkaufen können. Schon Henry Ford wusste: Autos kaufen keine Autos! Aber die Gier der Konzerne, genauer die Funktionsweise des kapitalistischen Wirtschaftssystems, das bei Strafe des Untergangs das Streben nach Höchstprofiten verlangt, führt immer weiter in die Krise.
28.11.2012: Genk liegt knappe 50 Kilometer von Aachen entfernt, in der belgischen Provinz Limburg. Auch von Köln ist es nicht weit, wir – Volker Metzroth, Klaus Weißmann und Klaus Stein - benötigen anderthalb Stunden Fahrtzeit. Genk hat 65 000 Einwohner. 10 000 davon arbeiten bei Ford oder in Zulieferbetrieben. Bei Ford wird besser, in den Zulieferbetrieben schlechter bezahlt. Jetzt steht alles still. Am 24. Oktober hatte der Genker Fordchef Philippe Verbeeck den Schließungsbeschluß des Europa-Managements verlesen. An diesem Tag war das Versprechen des Vorstandsvorsitzenden von Ford Europa, Stephen Odell, der Standort Genk stehe nicht zur Disposition, gerade mal fünf Wochen alt. Nun aber will Ford die Produktion der Modelle Mondeo, S-Max und Galaxy nach Valencia in Spanien verlagern, um jährlich eine halbe Milliarde Dollar mehr Gewinn zu machen. Da reichen die 44 Millionen Euro an Subventionen, die von der belgischen Regierung kommen, nicht heran.
28.11.2012: Finanzminister Schäuble gab sich generös. Die Bundesregierung wolle in Zukunft Zinsgewinne aus der Beteiligung an Hilfspaketen für Griechenland nicht länger behalten, sondern zur Stützung Athens einsetzen. „Der deutsche Staat hatte allein am ersten Griechenland-Programm fast 400 Millionen Euro verdient, indem er sich billig Geld borgte und es teurer an Athen weiter verlieh“, stellt die SZ (14.11.12) fest. Man wolle sich nicht länger an der Not Griechenlands bereichern, heißt es jetzt aus Regierungskreisen. Von wegen! Man verdient sehr wohl weiterhin – an den Krediten an Griechenland, wie auch an den Hilfspaketen für andere Euro-Krisenstaaten. Kein einziger Euro wurde bislang den Schuldnern geschenkt, nicht das geringste finanzielle Opfer von den Geberländern gebracht.



