Der Kommentar

Stacheldraht pressenzavon Kerem Schamberger

13.08.2022: Man ist ja vieles von der EU gewöhnt, aber das kann ich immer noch nicht fassen: Die EU lässt ein fünfjähriges Mädchen auf einer Sandbank im Evros-Fluss zwischen der Türkei und Griechenland sterben.

 

Die Grenze am Fluss Evros ist ein häufig benutzter Grenzübergang für Menschen, die in Europa Asyl beantragen wollen. Maria und ihre Familie gehören zu einer Gruppe von 39 Asylbewerber*innen, von denen einige bereits zum zweiten Mal, wie auch Maria und ihre Familie, auf einer namenlosen Sandbank festsitzen, nachdem es wiederholt zu Rückstößen zwischen der Türkei und Griechenland gekommen ist.

In ihren WhatsApp-Botschaften beschreiben die Mitglieder der Gruppe, was einem geopolitischen Ping-Pong-Spiel gleichkommt: Sie werden seit Wochen von den griechischen und türkischen Behörden über die Landgrenze hin- und hergeschoben, und das in einer hochmilitarisierten Grenzzone, in die weder Rechtsanwält*innen noch Menschenrechtsorganisationen oder Journalist*innen legal einreisen dürfen.

Jetzt ist Maria tot. Sie wurde auf der Sandbank von einem Skorpion gestochen und konnte nicht behandelt werden, weil sie nicht nach Griechenland in ein Krankenhaus gelassen worden ist.

Der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte hatte Griechenland bereits am 20. Juli aufgefordert, genau diesen Gestrandeten zu helfen. Trotzdem wurden sie von staatlichen Schlägertrupps wieder in die Türkei abgeschoben. Und von dort wieder unter Zwang nach Griechenland geschickt. Jetzt, am "Ende" ist Maria tot. Der Tod des fünfjährigen Mädchens beweist, wie mörderisch diese Migrationspolitik der Europäischen Union ist.

Die Eltern müssen ihre tote Tochter im Fluss kühlen, damit sie nicht verwest. Ein weiteres 9-jähriges Mädchen befindet sich in akuter Lebensgefahr, weil es ebenfalls von einem Skorpion gestochen wurde. Sie hat bereits Schaum vor dem Mund.

Die griechischen Behörden wissen genau wo die Gruppe ist, tun aber nichts. Sie haben sogar die Geodaten und bestätigt, dass sie den Ort kennen, behaupten aber, dass es eine Sandbank auf türkischem Gebiet wäre. Das ist eine platte Lüge, die von Giorgos Christides widerlegt worden ist.

Was es noch krasser macht: internationale Medien berichten dank Giorgos, Franziska Grillmeier, Katy Fallon [1] und anderen. Eine Öffentlichkeit ist hergestellt. Doch es juckt einfach niemanden. Nicht im Internet, nicht in den Behörden, nicht in der Politik. Es geschieht unter aller Augen.

Das brutale Sterben an den EU-Außengrenzen scheint schon so normalisiert, dass zwei junge Mädchen, die man ohne Probleme retten könnte, durch unterlassene Hilfeleistung zum Tod verurteilt werden.

 

Anmerkungen

siehe z.B. Franziska Grillmeier und Katy Fallon, 10.8.2022: "Child feared dead on Greek islet where refugees are stranded"
https://www.aljazeera.com/news/2022/8/10/child-feared-dead-on-greek-islet-where-refugees-are-stranded


 

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Mehr als 2 Millionen Menschen, darunter 1,7 Millionen Palästina-Flüchtlinge, zahlen den verheerenden Preis für die Eskalation im Gazastreifen.
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Das UNRWA fordert den sofortigen Zugang zu humanitärer Hilfe und die Bereitstellung von Nahrungsmitteln und anderen Hilfsgütern für bedürftige Palästina-Flüchtlinge.
Dies ist ein Moment, der zum Handeln auffordert. Lassen Sie uns gemeinsam für die Menschlichkeit eintreten und denjenigen, die es am meisten brauchen, die dringend benötigte Hilfe bringen.

Hilfswerk der Vereinten Nationen für Palästina-Flüchtlinge

Spenden: https://donate.unrwa.org/gaza/~my-donation


 

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