München: Mehr als 4.500 demonstrieren für 5,5 Prozent
21.04.2013: Vor der zweiten Tarifverhandlungen für die ca. 770.000 Beschäftigten in der bayerischen Metall- und Elektroindustrie am Freitag, den 19. April 2013, hatte die IG Metall zu einer Demonstration nach München vor den Verhandlungsort aufgerufen. Die Teilnehmerzahl übertraf alle Erwartungen. Nach Aussage der Polizei zogen weit über 4.500 Menschen durch die Moosacher Straße im Münchner Norden zur Abschlusskundgebung. Dort machten Vertreter der IG Metall, der Jugend und aus den Betrieben unmissverständlich klar, was nun wohl eintreten wird: Wenn die Arbeitgeber mit ihrem Angebot keine vernünftige Verhandlungsgrundlage schaffen, kommt es vor der dritten Verhandlung am achten Mai unvermeidlich zu Warnstreiks.
20.04.2013: Da hat Frank Bsirske wahrscheinlich wenig neue Freunde in Hessen und Rheinland-Pfalz gewinnen können. Als ver.di-Vorsitzender sprach er sich gegen ein strengeres Nachtflugverbot aus, da nur eine wettbewerbsfähige Luftfahrt Arbeitsplätze sichern könne. Ver.di habe sich, so die Medien, mit den Gewerkschaften Ufo und Cockpit Protesten der Luftverkehrsbranche angeschlossen. Die klagt über Wettbewerbsverzerrungen sowie 600 Mio. Euro Luftverkehrssteuer und 5 Mio. potentiellen Fluggästen, die wegen dieser am Boden blieben.
18.04.2013: Die am Montag begonnenen Verhandlungen über die Abwicklung der Prinovis-Druckerei in Itzehoe und über die Ausgestaltung eines Sozialplans zwischen Geschäftsführung, Gewerkschaft und Betriebsrat begannen mit einem Paukenschlag: Die Großdruckerei soll schon früher als geplant geschlossen werden. Das Bertelsmann/Springer-Unternehmen will schon Ende April 2014 statt wie Anfang des Jahres angekündigt im August die Maschinen ausschalten und die bis zu 1200 Beschäftigten einer ungewissen sozialen und beruflichen Zukunft überlassen. Laut ver.di-Verhandlungsführer Martin Dieckmann plant Prinovis, die Produktion schon ab Januar herunterzufahren. Ende April 2014 soll der Betrieb dann ganz stillgelegt werden.
09.04.2013: Zwei Tage lang diskutieren rund 800 Teilnehmer aus Politik, Wirtschaft und Wissenschaft in Kiel auf der 8. Nationalen Maritimen Konferenz über ein breites Themenspektrum: Die anhaltende Krise in der Schifffahrt und auf den Werften, die veralterte Infrastruktur in den Häfen, der marode Zustand des Nord-Ostsee-Kanals, der stockende Ausbau der Offshore-Windenergie sind nur einige der Themen – von den ökologischen Verwerfungen an der Küste und der Meere ganz zu schweigen. Am Ende der Konferenz sollen konkrete Handlungsempfehlungen stehen. Doch außer schönen Worten der anwesenden Regierenden - ob sie nun Merkel (CDU) oder Albig (SPD) heißen - und der maritimen 'Wirtschaftskapitäne' ist für die norddeutschen Beschäftigen von diesem Treffen nicht zu erwarten, wie die vorangegangenen sieben Konferenzen eindrucksvoll belegen.
29.03.2013: Ostern wird für die Aktionäre zum Freudenfest. So viele goldene Eier wurden ihnen noch nie ins Portefeuille gelegt. Nachdem sich fast alle Konzerne festgelegt haben, wird klar: Es wird in diesem Jahr eine Rekord-Dividendenausschüttung geben. Knapp 30 Milliarden Euro werden nach den jeweiligen Hauptversammlungen den Dax-Aktionären zufließen. Der bisherige Rekord lag bei 28,1 Milliarden Euro im Vorkrisenjahr 2007. Für die Aktionäre einer ganzen Reihe von Dax-Firmen bedeutet das eine ansehnliche Dividendenrendite (Ausschüttung im Verhältnis zu aktuellem Kurs) von bis zu acht Prozent. Der Durchschnitt liegt bei 3,4 Prozent. Auch das kann sich sehen lassen, wenn man bedenkt, dass Staats- und Firmenanleihen mit ein Prozent und weniger rentieren.
14.03.2013: Am 14. März jährt sich der Tag der Ankündigung der Agenda 2010 durch SPD-Kanzler Schröder 2003. Sie setzte die Agenda von Lissabon um, mit der die EU zum „wettbewerbsfähigsten und dynamischsten … Wirtschaftsraum der Welt“ werden sollte. Kommunisten, Linke, Gewerkschafter und sozial Bewegte sprachen davon, dass Schröder und Fischer „amerikanische Verhältnisse“ schaffen wollten, um die USA ökonomisch zu überholen. Die ideologische Vorarbeit leistete 1999 das Schröder-Blair-Papier, mit dem SPD und Labour sich endgültig vom sozialdemokratischen Reformismus zugunsten einer offen neoliberalen Herrschaftsvariante verabschiedeten. Stichwortgeber für den Basta-Kanzler war die Bertelsmann-Stiftung mit ihrem „Wirtschaftspolitische Forderungskatalog für die ersten hundert Tage der Regierung“. Aus dem „Hoffnungsträger“ von 1998 war endgültig „der Genosse der Bosse“ geworden.
13.03.2013: Ein „Jobwunder“ habe sie bewirkt, Schröders soziale Konterreform, die er vor zehn Jahren im Bundestag präsentierte. So viele Jobs wie noch nie, zwei Millionen Beschäftigte (1,7 Millionen Arbeitnehmer mehr) mehr als im Spitzenjahr 2000 und weniger Arbeitslose. Wundert man sich allerdings, ob der Arbeitsleistung dieser Mehrarbeiter, denn das Gesamtvolumen der geleisteten Arbeitsstunden ist gleich geblieben (+ 0,25%). Der Grund?! Immer mehr Menschen arbeiten in zerstückelten, atomisierten Beschäftigungsverhältnissen. Das Proletariat wurde zunehmend zum Prekariat. Mini-Jobber gibt es in der heutigen Form erst seit 2003, die fünf Millionen ausschließlich geringfügig Beschäftigte werden in der Arbeitsstatistik als Vollbeschäftigte erfasst. Selbst Ein-Euro-Jobs werden so mitgezählt. Die Zahl der in Teilzeit arbeitenden Frauen und Männer hat sich in den vergangenen 15 Jahren auf 8,7 Millionen verdoppelt. Arbeitslose wurden mit staatlichen Mitteln in Ich-AGs gedrängt; seit dem Jahr 2000 gibt es 800.000 Solo-Selbständige mehr – Durchschnittsverdienst 13 Euro die Stunde. Die Leiharbeit hat sich seit 2003 von 328.000 auf über 900.000 verdreifacht. Immer mehr Beschäftigte werden zu Lückenbüßern, die Arbeitenden zum total flexibilisierten „Anhängsel der Maschine“ (Marx). 



